Tausende Sternsingerinnen und Sternsinger waren auch 2023 wieder in Deutschland unterwegs, um den Häusern den jährlichen Segen „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) zu bringen. Einige Auserwählte statteten auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Schloss Bellevue und Bundeskanzler Olaf Scholz im Kanzleramt in Berlin einen Besuch ab.
An manchen Orten wird einer der drei Weisen, König Melchior, traditionell schwarz geschminkt. Er soll für Vielfalt stehen und symbolisieren, dass einer der drei Weisen aus Afrika zur Krippe nach Bethlehem gekommen ist. Dies führt, pünktlich zu Neujahr, immer auch zu der Diskussion ob der schwarzen Schminke. Immer wieder stellt sich die Frage: Ist es noch zeitgemäß, weiße Kinder schwarz anzumalen?

Kinderkomissionswerk: „Kommt, wie ihr seid“

Das Kindermissionswerk der Sternsinger gibt dazu auf seiner Webseite eine klare Empfehlung: „Wir sprechen uns dafür aus, die Kinder und Jugendlichen, die beim Sternsingen mitmachen, nicht zu schminken. Wir sagen: Kommt so, wie ihr seid!“ Intensiv hätten sich die Verantwortlichen mit Sternsingern, Organisatoren und auch mit schwarzen Menschen darüber ausgetauscht und seien dadurch zu diesem Entschluss gekommen.
Das Schminken weißer Kinder sei schlichtweg nicht mehr zeitgemäß, heißt es. Zwar sollen Caspar, Melchior und Balthasar die damals bekannten drei Erdteile Europa, Afrika und Asien repräsentieren, „wir wissen aber, dass die Gleichung von Hautfarbe und Herkunft nicht aufgeht.“ Ein schwarzer Mensch komme nicht automatisch aus Afrika.

Aktion für Kinder auf der ganzen Welt

Die katholische Kirchengemeinde Heilig Geist in Balingen ist dem Ratschlag des Kindermissionswerks gefolgt. „Bei unserer Sternsingeraktion kommen die Kinder, wie sie sind. Jedes Kind, ganz egal welches Aussehen, ist von Gott geliebt und gewollt – das ist auch die Haltung, die wir vertreten“, sagt Familienreferentin und Mitorganisatorin der Sternsingeraktion, Linda Konzelmann.
Im Vorfeld sei viel über die schwarze Schminke gesprochen worden, „auch im Umfeld und aus der Gemeinde werden wir durchaus auf den dunkelhäutigen König angesprochen – und warum bei den Sternsingern in Balingen eben kein schwarzer König mitläuft“, berichtet Konzelmann weiter. Die Gemeinde wollte aber zeigen, dass sich die Sternsinger für Kinder auf der ganzen Welt einsetzen – unabhängig von ihrer Hautfarbe. „Sternsinger sein heißt für uns Vielfalt und damit Einzigartigkeit zu leben.“
Gemeinsam wurde außerdem darüber diskutiert, was die drei Könige ausmache. „Sie bringen den Segen Gottes und setzten sich für benachteiligte Kinder ein“, sagt Konzelmann. „Wie sie von der Hautfarbe her aussehen, spielt keine Rolle.“

Farben nur symbolisch

Nicht anders handhabten es die katholischen Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit in Ebingen. „Wir haben entsprechend den Empfehlungen des Kindermissionswerks auf das Schminken der Kinder verzichtet“, sagt Holger Bosch, Organisator der Sternsingeraktion. Wichtig sei es, den Kindern Gutes zu tun und anderen Kindern in der Welt ein besseres Leben zu ermöglichen.
Hans-Joachim Fogl und Monika Spiegel von der Seelsorgeeinheit Heuberg haben direkt mit den Kindern über die Diskussion gesprochen. „Einen der Könige nicht zu schminken, war hier nie ein Problem“, sagt Fogl. „Es war den Kindern egal, sie wollten nur Geld sammeln“, sagt Kollegin und Organisatorin der Sternsingeraktion, Monika Spiegler. Entsprechend unterstützen beide die Empfehlung des Kindermissionswerks. „In der Bibel steht von einem schwarzen König auch nichts“, ergänzt Fogl. Die Farben seien nur symbolisch.

Kinderschutz im Fokus der Aktion

Die diesjährige Sternsingeraktion stand unter dem Motto „Kinder stärken, Kinder schützen – in Indonesien und weltweit.“ Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehen jedes Jahr eine Milliarde Kinder und Jugendliche unter physischer, sexualisierter oder psychischer Gewalt. Das entspricht jedem zweiten Kind. Auch online konnte auf der Seite des Kindermissionswerks gespendet werden.