Der Lehrermangel ist das größte Problem an Deutschlands Schulen. So zeigt es das aktuelle Deutsche Schulbarometer, eine von der Robert Bosch Stiftung in Auftrag gegebene Umfrage. Diese hat ausschließlich Schulleitungen statt Lehrkräfte befragt. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Befragten, also 67 Prozent, halten den Personalmangel für die größte Herausforderung an ihrer Schule. Auch Lernrückstände bei den Schülerinnen und Schülern und die Aufnahme von geflüchteten Kindern sei herausfordernd. Wie ist die Lage im Zollernalbkreis?

Schulamt Albstadt: Zuständig für 2500 Lehrkräfte

Laut Gernot Schultheiß, Leiter des staatlichen Schulamtes in Albstadt, sind in seinem Amtsbezirk im Zollernalbkreis und im Kreis Sigmaringen aktuell 30 Lehrerstellen vakant. „Wir hatten schon schlimmere Zeiten“, sagt Schultheiß. „Bei uns hat sich die Situation leicht verbessert.“ Für rund 2500 Lehrkräfte ist das Amt zuständig – da hören sich die 30 offenen Stellen zunächst nach nicht viel an, sagt Schultheiß. Aber: „Was uns und den Schulleiterinnen und Schulleitern große Kopfschmerzen bereitet, ist die Vertretungsregelung.“ Erkrankt eine Lehrkraft langfristig oder geht diese in Elternzeit, kann diese nicht vertreten werden. „Früher und in guten Zeiten hatten wir fest installierte Krankheitsvertretungslehrkräfte an verschiedenen Schulen im Zollernalbkreis und im Kreis Sigmaringen“, sagt Schultheiß. Die seien abberufen worden, wenn Bedarf an benachbarten Schulen bestand. Wegen der knappen Versorgung gebe es das nicht mehr. „Würde alles ohne Störungen laufen, würden wir das so weit hinbekommen“, sagt Schultheiß. „Aber das ist ja nicht die Realität.“ Somit erzeuge jede ausfallende Lehrkraft ein Problem vor Ort.
Die Konsequenz: Unterricht fällt aus oder Lehrkräfte müssen Überstunden leisten, damit dies nicht passiert. „Wenn jemand ein Vollzeit-Deputat hat und dann dauerhaft zwei, drei oder vier Stunden mehr unterrichtet, dann ist das eine sehr starke Belastung“, sagt Schultheiß. Das sei mal 14 Tage, vielleicht auch drei Wochen möglich. „Aber sicher nicht ein Viertel- oder halbes Jahr.“ Das setze die Schulleiterinnen und Schulleiter unter Druck.

Lehrermangel an Schulen: Situation an sonderpädagogischen Bildungszentren

Schwierig ist die Situation auch an sonderpädagogischen Bildungszentren. „Ausgebildete Sonderschullehrer fehlen uns“, sagt Schultheiß. Während es genug Lehrkräfte an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) in Hechingen gibt, existiere an der Rossentalschule Albstadt „ein erhebliches Defizit in der Lehrkräfteversorgung“, teilt Roland Plehn, geschäftsführender Schulleiter der Schulen in Trägerschaft des Zollernalbkreises, auf Anfrage mit. „Aus diesem Grund musste an der Rossentalschule an einem Nachmittag der Unterricht gekürzt werden“, sagt Plehn. Dennoch bestehe für diese Zeit ein zusätzliches Betreuungsangebot. An der Sprachheilschule in Balingen sei die Lehrkräfteversorgung hingegen zufriedenstellend, wenn es um den eigentlichen Schulbetrieb gehe. Beratungsaufgaben könnten laut Plehn aber nur eingeschränkt erfüllt werden. Auch der Ausbau der Sprachheilschule zur Ganztagesschule werde durch die aktuell zu geringe Lehrerversorgung verhindert. Und: „Auch an den SBBZ werden kurzfristig entstehende Lücken in der Unterrichtsversorgung, zum Beispiel durch Krankheit, durch das große Engagement der Lehrkräfte kompensiert.“
Was die Lehrerversorgung am Gymnasium Balingen angeht, hat Schulleiterin Michaela Mühlebach-Westfal derzeit eine gute Situation. „Die Lehrerversorgung ist aktuell in allen Fächern gegeben, sodass der komplette Pflichtunterricht abgedeckt werden kann und darüber hinaus auch noch mehrere AGs angeboten werden können“, sagt Mühlebach-Westfal auf Anfrage. Was ihr Kollegium und sie vor Herausforderungen stelle, seien die Folgen der langen Homeschooling-Phase während der Corona-Pandemie. „Einerseits müssen Lernrückstände aufgeholt werden, andererseits ist es uns auch wichtig, das soziale Miteinander nach den Kontaktbeschränkungen während der Pandemie zu fördern“, sagt Mühlebach-Westfal. Kleinere Klassen wären dafür wünschenswert.
Was die Lage an den drei beruflichen Schulzentren im Zollernalbkreis angeht, sei die Lehrkräfteversorgung gut, sagt Roland Plehn. Engpässe entstünden durch die große Anzahl an Geflüchteten – eine Herausforderung, die auch das Deutsche Schulbarometer festgestellt hat. Im Zollernalbkreis wurden im laufenden Schuljahr vier zusätzliche Klassen für geflüchtete Jugendliche eingerichtet. „Der aus dieser Situation entstandene Lehrkräftebedarfe konnte nur durch das große Engagement der Lehrkräfte an allen drei Berufsschulstandorten gedeckt werden“, sagt Plehn. „Es war und ist für die Lehrkräfte eine Selbstverständlichkeit, hier Überstunden zu leisten.“

Methoden gegen den Lehrermangel

Was der Versorgung an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Zollernalbkreis zugutekommt, ist der sogenannte „horizontale Laufbahnwechsel“, sagt Gernot Schultheiß. Durch das vom Land geförderte Programm können Hauptschullehrer zu Sonderschullehrer weitergebildet werden. Was auch hilft: Stellen mit Personal zu besetzen, die die Voraussetzungen für den Lehrerberuf dauerhaft nicht erfüllen. Das wäre zum Beispiel ein Musiklehrer, der ausschließlich Musik studiert hat. Eigentlich braucht es für den Staatsdienst als Lehrer zwei Fächer. Didaktik und Methodik des Unterrichts werden dann über ein Fortbildungsprogramm geschult.