Jubiläum Diakonie Balingen
: Seit 80 Jahren Menschen in Notlage unterstützt

Die Diakonische Bezirksstelle Balingen feiert Jubiläum und lädt im November zu zwei Veranstaltungen ein. Ein Blick auf die Geschichte.
Von
swp
Zollernalbkreis
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Duschbus für Obdachlose an GoBanyo: 05.12.2024, Hamburg: Dominik Bloh, Botschafter von GoBanyo und ehemals Betroffener, steht vor dem Duschbus bei einem Medientermin zur Übergabe eines zweiten Duschbusses an die gemeinnützige Organisation GoBanyo vor dem Clubheim des FC St. Pauli. Die Hamburger Hochbahn AG spendet einen zweiten Bus an die gemeinnützige Organisation GoBanyo, die sich mit ihrem Duschbus für Menschen auf der Straße stark macht. Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Dominik Bloh wird am 20. November über seinen Weg vom Leben auf der Straße zum Bestsellerautor berichten.

Christian Charisius/dpa
  • Die Diakonische Bezirksstelle Balingen feiert 80-jähriges Bestehen mit Veranstaltungen im November.
  • Gegründet 1945 zur Unterstützung von Menschen in Not nach dem Krieg, z. B. Flüchtlinge und Obdachlose.
  • Wandel von klassischer Fürsorge zu professioneller Sozialarbeit ab den 1960er-Jahren.
  • Jubiläumsveranstaltungen: Lesung mit Dominik Bloh (20.11.) und Tag der offenen Tür mit Modenschau (28.11.).
  • Angebote heute: Beratung zu Schulden, Familie, Sucht, Migration und mehr; 30 Mitarbeitende, Ehrenamtliche.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Acht Jahrzehnte im Dienst am Menschen: Die Diakonische Bezirksstelle Balingen feiert in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen. Seit 1945 begleitet sie Menschen in Notlagen, entwickelt Hilfsangebote weiter und steht für eine diakonische Arbeit, die tief in der Region verwurzelt ist. Mit zwei großen Jubiläumsveranstaltungen im November öffnet sie ihre Türen – und lädt die Bevölkerung ein, mitzufeiern.

Anfänge in der Not der Nachkriegszeit

Die Geschichte der Diakonischen Bezirksstelle beginnt im August 1945. Wenige Wochen nach Kriegsende gründete die württembergische Landeskirche das Evangelische Hilfswerk. Auch im Kirchenbezirk Balingen entstand eine Bezirksstelle – als unmittelbare Antwort auf die drängende Not: Flüchtlinge, Vertriebene und Obdachlose strömten in die Region. In Balingen, Hechingen und Ebingen wurden Landesaufnahmelager eingerichtet, die erste Versorgung mit Kleidung, Nahrung und Unterkunft boten.

Die Diakonie war dabei nicht nur Verteilerin von Hilfsgütern, sondern auch Gesprächspartnerin: Sie hörte Sorgen, half bei Behördengängen und vermittelte Arbeit oder Wohnraum. Schon bald wurden Erholungsaufenthalte für Mütter und Kinder organisiert, ebenso Ferienaktionen für Berliner Kinder, die in Gastfamilien neue Kraft schöpfen konnten. In den 1950er-Jahren wurde die Balinger Bezirksstelle erweitert, als die Arbeit aus Sigmaringen eingegliedert wurde. Bis in die 1970er-Jahre zählten auch Durchwanderer und obdachlose Menschen zu den Hilfesuchenden.

Von Fürsorge zur professionellen Sozialarbeit

Mit der Einführung des Bundessozialhilfegesetzes in den 1960er-Jahren änderte sich die diakonische Arbeit grundlegend. Aus klassischer Fürsorge wurde professionelle Sozialarbeit. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter traten an die Stelle der „Fürsorger“, neue Fachbereiche entstanden, Spezialisierungen setzten ein. In den 1980er-Jahren bekam die Arbeit eine kirchengesetzliche Grundlage: Das Diakoniegesetz und die Diakonische Bezirksordnung machten deutlich, dass Diakonie nicht nur eine Option, sondern Auftrag jeder Kirchengemeinde ist: „Diakonie ist gelebter Glaube in Wort und Tat.“

Heute umfasst die Arbeit weit mehr als materielle Hilfen. Die Diakonie Balingen bietet Beratung und Begleitung in vielen Lebenslagen – von Familien- und Suchtproblemen über Schulden bis hin zur Integration von Migrantinnen und Migranten. Rund 30 hauptamtliche Mitarbeitende, unterstützt von zahlreichen Ehrenamtlichen, bilden das Rückgrat dieser Arbeit. Seit Januar 2025 gehört auch die Balinger Tafel dazu.

Tralmer als Ehrenmodel

Die Diakonische Bezirksstelle lädt die Bevölkerung ein, das Jubiläum mitzuerleben. Am 20. November, 18 Uhr, Stadtkirche Balingen: Lesung und Gespräch mit dem Schriftsteller und Aktivisten Dominik Bloh, der seinen Weg vom Leben auf der Straße zum Bestsellerautor schildert. Im Anschluss diskutieren Isabelle Barth (Leiterin des Kreisjugendamts), Stephan Heesen (Leiter der Ökumenischen Psychologischen Beratungsstelle), Micha Haasis (Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Balingen), Johannes Geiger (Caritas SAD) und weitere Gäste über aktuelle soziale Fragen. Moderation: Janina Niefer und Achim Wicker. Eintritt frei.

Am 28. November, ab 14 Uhr, Haus der Diakonie und Kaufwasch-Café, Ebingen: Festlicher Gottesdienst mit Dekan Michael Schneider und der „Pop Space Band“. Ab 15 Uhr stellen sich die Fachbereiche der Diakonie vor, ehe um 15.30 Uhr eine humorvolle Modenschau das Programm abrundet – mit Ehrenmodels wie Oberbürgermeister Tralmer und Dekan Schneider.

Die Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen der Diakonischen Bezirksstelle Balingen sind laut Pressemitteilung nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein Ausrufezeichen für die Gegenwart und Zukunft. Sie machen sichtbar, wie wertvoll Nähe, Zuhören und konkrete Hilfe für eine Gesellschaft sind, die immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird.

Beratungsangebote zum Kennenlernen

Am Tag der offenen Tür (28. November) wird die ganze Bandbreite der diakonischen Arbeit sichtbar. Mitarbeitende stellen ihre Angebote vor und laden zum persönlichen Gespräch ein: Allgemeiner Grunddienst / Sozialberatung, Kurberatung, Schuldner- und Insolvenzberatung, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, Suchtberatung, Flüchtlings- und Migrationsberatung.