Die Bilder aus Berlin gingen durch die Republik und sorgen auch einige Tage nach Silvester im Zollernalbkreis für anhaltende Diskussionen: Passanten werden mit Raketen beschossen, Schaufensterscheiben gehen zu Bruch, ein Reisebus brennt aus. Dazu zahlreiche Angriffe auf Einsatzkräfte. Angesichts dieser erschreckenden Silvester-Bilanz fordert unter anderem die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft, Einsatzfahrzeuge mit sogenannten Dashcams auszustatten – also mit kleinen Kameras, die Angriffe dokumentieren können.
Michael Adam, Stadtbrandmeister der Feuerwehr Albstadt mit 287 aktiven Feuerwehrleuten, hält diese Forderung für eine gute Idee: „Die Dashcams kosten nicht viel und können dazu beitragen, Unfälle oder Angriffe aufzuklären.“ Klar sei aber auch: Der Vorschlag komme nicht bei allen Feuerwehr-Kollegen gut an. Das zeige sich in Gesprächen.
Manche hätten Bedenken geäußert, berichtet Adam, fühlten sich durch solche Kameras im Einsatz beobachtet. Außerdem sei auch der Aufnahmeradius beschränkt. Attacken, die seitlich des Fahrzeugs stattfinden, würden nicht aufgezeichnet. Unterm Strich, so der Stadtbrandmeister, halte er den Einsatz von Dashcams allerdings für sinnvoll.

„Krawalle sind aufs Schärfste zu verurteilen“

Zu den Szenen, die sich zum Jahreswechsel in Berlin und anderen deutschen Großstädten abgespielt haben, hat Adam eine klare Meinung: Sie seien aufs Schärfste zu verurteilen. „Glücklicherweise ist es bei uns noch anders“, betont er. Bei den Einsätzen in der Silvesternacht seien die Kräfte weder beleidigt noch angegriffen worden. Auch sonst komme derartiges im Zollernalbkreis höchst selten vor.
Was hin und wieder störe, seien Schaulustige, die die Arbeit der Feuerwehr mit dem Smartphone aufnehmen: „Das ist eben die Zeit, in der wir leben.“ Wenn es zu viel werde, gebe es für sein Team immer die Möglichkeit, die Kollegen von der Polizei zu rufen, die dann für Ruhe am Einsatzort sorgen.
Die Polizisten haben bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von Dashcams. Seit Sommer, als sie in Baden-Württemberg eingeführt wurden, kommen sie an Fahrzeugen der Verkehrspolizei zum Einsatz, teilt das für den Zollernalbkreis zuständige Polizeipräsidium in Reutlingen mit. Seitdem wurden rund 50 aufgezeichnete Verkehrsverstöße zur Anzeige gebracht. „Vorrangig handelte es sich um Verstöße gegen die Verpflichtung zur Bildung einer Rettungsgasse“, berichtet eine Polizei-Sprecherin.
Die Einsatz-Erfahrungen mit Dashcams sammle und bewerte die Polizei momentan landesweit. Für ein fundiertes Zwischenfazit sei es demnach noch zu früh, so die Sprecherin. Man wolle aber zeitnah berichten.

Gefährliche Entwicklung

Auch Florian Rebholz, Stadtkommandant der Balinger Gesamtwehr, beschäftigt sich mit der Dashcam-Diskussion. „Sie ist gerechtfertigt. Wir Einsatzkräfte müssen geschützt werden“, betont er. Wie sein Albstädter Kollege spricht sich auch Rebholz für Kameras an Einsatzfahrzeugen aus. „Wobei sie natürlich nicht alle Probleme lösen können.“ Bodycams, über die ebenfalls diskutiert wird, sieht er im Feuerwehr-Alltag hingegen als „nicht praktikabel“ an.
Den Vergleich zwischen den Zuständen in Berlin und dem Zollernalbkreis könne man glücklicherweise nicht ziehen, so Rebholz: „Gewalt in dieser Form haben wir hier noch nicht erlebt und es zeichnet sich auch nicht ab, dass es bald so kommt.“ Darüber sei er ausgesprochen froh.
Dennoch macht sich Rebholz Sorgen über die gesamtgesellschaftliche Entwicklung: „Rettungskräfte werden mancherorts offenbar zu Feindbildern, Das geht aus meiner Sicht gar nicht.“

So funktioniert das Kamera-System der Polizei

Anwendung Die Polizei in Baden-Württemberg setzt seit Juni Dashcams ein. Damit überwacht sie die Einhaltung von Rettungsgassen. Mit den Kameras können zudem komplexe Verkehrsverstöße, etwa die Gefährdungen anderer durch illegale Straßenrennen sowie Alkohol- oder Drogenfahrten, besser aufgeklärt werden.
Technik Die Systemkomponenten der eingesetzten Dashcams bestehen aus dem Rekorder, dem Touch-Monitor, einem Handbedienteil, einer GPS-Antenne, vier Full-HD-Kameras mit Filter und einem Mikrofon. Jede der vier Kameras kann mit dem Touch-Monitor separat angesteuert werden.