Silke Edele brennt für ihren aktuellen Beruf – und doch ist sie für Weilen u.d.R. bereit, ihn aufzugeben. Die Beauftragte für Chancengleichheit im Zollernalbkreis stellt sich am Sonntag, 5. März, zur Wahl für das Amt der Bürgermeisterin. „Die Entscheidung, in Weilen anzutreten, ist aus meiner Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte erwachsen“, sagt Edele. Denn: Für das Jahr 2023 hat sich die 47-Jährige den Schwerpunkt „Frauen in der Kommunalpolitik“ gesetzt – und findet: „Ich kann ja nicht sagen: Leute, geht in die Kommunalpolitik, aber ich – ich mache das nicht.“
Eigentlich hatte Edele vor, in ihrem Heimatort Haigerloch-Stetten kommunalpolitisch mitzumischen. Doch dann sei Mitte Januar Landrat Günther-Martin Pauli auf sie zugekommen. Ob nicht eine Kandidatur in Weilen was für sie wäre? „Zuerst dachte ich, der spinnt“, sagt Edele. Doch dann dachte sie doch darüber nach. Ihre Nachbarin und langjährige Freundin stammt aus Weilen und hatte immer wieder vom Ort erzählt. „Weilen fühlte sich daher vertraut an“, sagt Edele. „Und dann hat es bei mir gerattert.“

Vor der Kandidatur ein Gespräch mit dem Gemeinderat

Ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte ist eine 50-Prozent-Stelle – auch wenn Edele längst darüber hinaus arbeitet. Würde sie aber ins Rathaus einziehen, käme eine 120-Prozent-Stelle auf sie zu – das hatten ihr die Gemeinderäte bei einem ersten Gespräch gesagt. Edele sieht das auch so. „Als Bürgermeisterin schreibe ich keine Stunden auf. Da bin ich rund um die Uhr Bürgermeisterin.“ Durch das Gespräch mit dem Gemeinderat merkt sie schnell: Die Chemie stimmt. Also gibt sie am 26. Januar ihre Bewerbung ab.
Edele ist Diplom-Verwaltungswirtin. Ihr Wunsch sei es immer gewesen, im Hauptamt zu arbeiten. Als Praktikantin bei der Stadt Rosenfeld vor 25 Jahren wurde Ruth Alf, die bis heute das Rosenfelder Haupt- und Personalamt leitet, zu ihrem Vorbild. Während Edele einen Sohn und eine Tochter großzieht, übernimmt sie verschiedene Anstellungen: unter anderem im Albstädter Ordnungsamt, im Hauptamt der Stadt Rottenburg, im Rechnungsprüfungsamt des Landratsamtes in Balingen und natürlich die Stelle als Gleichstellungsbeauftragte. „Ich habe die vielen Wechsel in meinem Berufsleben lange als Makel empfunden“, sagt Edele. „Im Nachhinein sehe ich das als ein Plus, weil ich in so vielen verschiedenen Bereichen tätig war.“
Das Amt der Bürgermeisterin in Weilen wäre wieder ein neuer Schritt für Edele – und sie müsste ihre aktuelle Stelle aufgeben. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so wohlfühle und dass das so mein Herz trifft“, sagt sie über ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte. „Seit ich das mache, bin ich manchmal sprachlos, was es bei uns alles gibt.“ Dass das Frauenhaus immer voll sei, zum Beispiel. Oder die Arbeit des Vereins Feuervogel oder des Weißen Rings. Im vergangenen Jahr hat sich Edele mit vielen Themen auseinandergesetzt, wenn es um die Gleichstellung geht. Ihr wurde Birgit Kruckenberg-Link, die fast 20 Jahre Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herrenberg war, als Coach an die Seite gestellt. „Das hat mir einen Raketenstart ermöglicht“, sagt Edele wegen der vielen Tipps und Kontakte, die Kruckenberg-Link ihr vermittelte.
Von Anfang an sei ihr klar gewesen: Die Kommunalpolitik muss weiblicher werden. Im Zollernalbkreis gibt es aktuell nur eine Bürgermeisterin: Marion Maier in Dotternhausen. Und im Kreistag sind aktuell sieben von 55 Sitzen von Frauen besetzt. „Wir haben den zweitschlechtesten Frauenanteil in Baden-Württemberg, nur Rottweil ist noch schlechter als wir.“

Ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte ist Berufung

Ihre eigene Kandidatur sei ein Zeichen – darüber hinaus hat Edele aber schon längst weiteres geplant. Und zwar eine Seminarreihe, die sie bei einer Veranstaltung am 8. März, dem Weltfrauentag, vorstellen wird. Sie trägt den Namen „Frauen. Macht. Politik.“ und will Frauen fördern, die sich für Kommunalpolitik interessieren. Für den 8. März hat Edele über die Vorstellung der Seminarreihe hinaus die digitale Ausstellung „Unter der Lupe: FrauenLeben im Zak“ und einen Vortrag der emeritierten Professorin Uta Meier-Gräwe mit dem Thema „Take Care! Warum wir eine geschlechtergerechte Zeit- und Dienstleistungspolitik brauchen“ geplant.
Ihr Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte sei eine Berufung. „Ich bin auf jeden Fall mit dem Gleichstellungs-Virus infiziert und bleibe auf jeden Fall Unterstützerin“, sagt Edele, sollte sie am 5. März zu Weilens Bürgermeisterin gewählt werden. Ihr Motto: Das Universum entscheidet. „Und ich habe schon gewonnen, denn ich bekomme so viel Zuspruch aus meinem Gleichstellungsnetzwerk auf meine Bewerbung, das ist ein großes Zeichen.“

Was Silke Edele in Weilen u.d.R. vorhat

Kandidatin Silke Edele setzt auf die Kooperation mit dem Gemeinderat. Und darauf, dass die Weilener ihr sagen, wohin sie möchten. „Es gibt ein paar Themen, die den Leuten unter den Nägeln brennen.“ Das sei zum Beispiel das Baugebiet Wettegärten, die Wasserversorgung oder der Breitbandausbau. Aber grundsätzlich habe Edele keinen Schlachtplan für eine achtjährige Amtsperiode in der Schublade. „Ich denke, das wäre ein bisschen überheblich. Ich möchte, dass Weilen zukunftsfähig bleibt und dass junge Menschen nachkommen, dass Weilen nicht überaltert.“ Weilen sei liebenswert und lebenswert – das merke Edele im Gespräch mit den Menschen.