Eigentlich hätte es ein schöner Abend für die Linken werden können. Scheinbar  stimmte alles bei der Wahlparty im „Festsaal Kreuzberg“. Der ist ein wunderbarer Ort zum Feiern. Umfragen hatten der Partei Zugewinne vorhergesagt. Doch Gerüchte über das Abschneiden der AfD trübte die Stimmung.
Nachdem dann die Zahlen über die Bildschirme geflimmert waren, stieg der Bier- und Weinkonsum deutlich an. Dass man leicht zugelegt hatte, obwohl es sechs Parteien in den Bundestag schafften, hätte normalerweise Begeisterung ausgelöst. „Das ist das zweitbeste Ergebnis in unserer Geschichte“, versuchte es Wahlkampfchef Matthias Höhn. Doch der Schock über das Abschneiden der AfD überlagerte alles. Parteichef Bernd Riexinger sprach von einem „Rechtsruck“ und viele  im rappelvollen „Festsaal“ hatten eher  Flüche auf den Lippen.
Dann ergriff Sahra Wagenknecht das Wort: „Auf uns selber können wir stolz sein“, sagte sie, „auch wenn das Ergebnis insgesamt einigermaßen durchwachsen ist.“ Und was die AfD betrifft, so wäre deren Abschneiden „so richtig erstaunlich auch wieder nicht“, weil die große Koalition „ganz vielen Menschen das Gefühl gegeben hat, dass sie komplett im Stich gelassen werden.“
Im Bundestag werde es nun schwerer werden. „Wir werden stets  die Typen von der AfD vor uns haben.“ Aber Wagenknecht hofft, dass „vielen bald klar wird, wen sie da gewählt haben“. Schließlich sei die AfD „keine Partei, die für sozialen Protest steht“. Und egal ob die Sozialdemokraten in die Opposition gehen oder nicht, „wir werden der soziale Oppositionsführer bleiben, rief die Spitzenkandidaten. Dann musste sie zum nächsten Interview.