Jubiläum Liebe auf den ersten Blick

Auch wenn Elfriede Bendigs Rinderbraten wie Fleischküchle legendär sind – am Mittwoch blieb die Küche kalt: Im Kreis der Familie wurde im Saalbau Uhingen gefeiert.
Auch wenn Elfriede Bendigs Rinderbraten wie Fleischküchle legendär sind – am Mittwoch blieb die Küche kalt: Im Kreis der Familie wurde im Saalbau Uhingen gefeiert.
Uhingen / Sabine Ackermann 01.06.2018

Das schaffen nicht allzu viele – gemeinsam in großer Verbundenheit das Fest der „Eisernen Hochzeit“ zu feiern. Umso erstaunlicher, da das Jubelpaar seinerzeit mit dem Jawort nicht lange gefackelt hat. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, nennen Elfriede und Günter Bendig aus Uhingen den Grund. „Man musste früher verheiratet sein, um eine Wohnung zu bekommen.“

Anfang des Jahres 1953 haben sie sich mit 21 und 23 Jahren im Waldhorn in Münchingen beim Tanzen kennengelernt. „Den nemme“, dachte sich damals Elfriede Welz, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter und vier Schwestern dort lebte. Auch Günter Bendig verguckte sich sofort in das hübsche, blonde Mädchen.

Mit dem Leiterwagen flüchteten Günter Bendig, seine Mutter und seine Geschwister aus Litzmannstadt (Lodz) in Ostpreußen. Stationen waren Zuffenhausen, Münchingen und 1958 Uhingen, wo der gelernte Kaufmann bis zu seinem Ruhestand die Württemberger Versicherungsagentur leitete. „Dort habe ich mir sehr erfolgreich das Vertrauen der Kundschaft erarbeitet“, erinnert sich der 89-Jährige. Gleichfalls mit Leib und Seele fungierte er jahrzehntelang als Präsident – mittlerweile ist er Ehrenpräsident – im Luftsportclub Uhingen. Von 1977 bis 1994 war er als Gemeinderat bei den Freien Wählern. Eine weitere Leidenschaft Günter Bendigs war das Dichten. Oft veröffentlicht im Mitteilungsblatt, schickte er zuletzt „Ein Autofahrerleben unfallfrei“ an den Landrat zur freiwilligen Abgabe seines Führerscheins.

Ebenso aktiv gestaltete sich Elfriede Bendigs Leben: 1958 und 1961 kamen die Töchter Ute Heydle und Iris Bohlen zur Welt. Weitere Freude bereiteten ihr die mittlerweile erwachsenen Enkelkinder Sylvia und Carola, ihr Dackel „Bürschle“ sowie die Wellensittiche, denen beide das Sprechen beibrachten.

Stets mit Herzblut und Humor für ihre Familie da, war die 87-Jährige über viele Jahre ehrenamtlich als Kirchengemeinderätin, im Cafele im evangelischen Gemeindehaus sowie bei den Besuchsdiensten im Blumhardt-Haus sehr aktiv: „Nach meinem Sturz im letzten Jahr wurde ich dort in der Kurzzeitpflege prima umsorgt“, erzählt die Lebhaftere des zusammengeschweißten Ehepaares. „Seitdem habe ich im Garten Arbeitsverbot.“ Wie ihr Mann, hat sich auch Elfriede Bendig von ihren Eingriffen am Herzen und der Wirbelsäule recht gut erholt.

1976 ins eigene Haus gezogen, fühlt sich das Ehepaar dank der netten Nachbarn und dem guten Netzwerk nach wie vor wohl in Uhingen. „Ein Glücksfall, hier leben zu dürfen“, blicken sie sich an und müssen lächeln – die Chemie zwischen Elfriede und Günter Bendig stimmt nach 65 Jahren eben noch immer.

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