Themen in diesem Artikel

VW
Berlin / Dieter Keller  Uhr
Kaum ein Tag vergeht derzeit ohne neue Hiobsbotschaften von deutschen Großunternehmen. Hauptstadt-Korrespondent Dieter Keller analysiert die Lage.

Kaum ein Tag vergeht derzeit ohne neue Hiobsbotschaften von deutschen Großunternehmen. Die Gewinne sind auf Schrumpfkurs und damit auch die Börsenkurse. Um gegenzusteuern, kündigen sie den Abbau von Arbeitsplätzen an. Bei der Deutschen Bank ist nun von 18.000 Stellen die Rede, die wegfallen sollen. 7000 sind es bei VW, 4500 bei Bayer. Gleich zwei Probleme fallen da zusammen: Zu den konjunkturellen kommen auch noch erhebliche strukturelle.

Lange Zeit war die starke Stellung der Konzerne im Export der große Vorteil: Sie profitierten vom international blühenden Geschäft. Wenn jetzt die Weltwirtschaft nicht mehr so rund läuft, wird das umso mehr zum Negativfaktor. Für die Konjunktur im Inland ist die private Nachfrage die große Stütze. Aber da sind gerade die Großen eher schwach aufgestellt.

Dass irgendwann die Konjunktur nachlässt, war zu erwarten. Doch dies trifft die Konzerne zu einer schlechten Zeit, weil viele auch noch mit strukturellen Schwierigkeiten kämpfen. Die Gründe sind vielfältig. Aber unterm Strich bleibt: Für eine Krise sind sie schlecht aufgestellt – und das aus eigener Schuld.

Die Deutsche Bank will sich mit einem Radikalumbau und der Streichung Tausender Jobs aus ihrer Dauerkrise befreien.

Da ist beispielsweise der Bayer-­Konzern, der mit der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto auf das völlig falsche Pferd gesetzt hat. Ein sehr teures noch dazu. Das ist eine Folge des gnadenlosen Fressens und Gefressen-Werdens weltweit: Werden die Konzerne nicht selbst aktiv und versuchen, durch Zukäufe größer zu werden, drohen sie, von anderen gefressen zu werden. So kommt es zu halsbrecherischen Übernahmen, die kaum noch zu korrigieren sind, wenn sie sich als schlecht erweisen. Häufig wäre es sinnvoller, nicht besonders groß, sondern besonders gut zu sein, ob beim Gewinn oder bei der Nachhaltigkeit. Aber Bescheidenheit ist nicht die Haupteigenschaft von Spitzenmanagern.

Die Autoindustrie ist für Deutschland besonders wichtig, bis hin zu Zulieferern wie dem Chemieriesen BASF, der unter anderem Lacke liefert. Sie hat viel zu spät auf das Elektroauto gesetzt und muss nun parallel nicht nur das und andere alternative Antriebe entwickeln, sondern auch die herkömmlichen Motoren. Dazu kommt der Dieselskandal, der nicht nur bei VW viel Geld und Manage-
mentkapazitäten verschlingt.

Besonders schwach stehen die großen Banken da, die es nicht geschafft haben, sich rechtzeitig ein Geschäftsmodell zu suchen, das auch noch bei niedrigen Zinsen gewinnträchtig ist. Ihren Konkurrenten in anderen Ländern ist das deutlich besser gelungen. Da spielte auch viel Arroganz mit bis hin zum Gefühl, sich nicht an Regeln halten zu müssen, Hauptsache gutes Geschäft.

Nur gut, dass der Mittelstand nicht so kurzfristig denkt. Auch die börsennotierten Konzerne müssen mehr weg von ständigen Erfolgsmeldungen, die trügerisch sind. Zudem sollte sich mancher Manager häufiger an das alte Vorbild des ehrbaren Kaufmanns erinnern. Der hält sich an Recht und Gesetz. Und er denkt auch daran, wie das Unternehmen in zehn Jahren dasteht und nicht nur in zehn Tagen.

leitartikel@swp.de

Das könnte dich auch interessieren:

Fünf Jahre war Maria H. verschwunden. Jetzt steht ihr „Begleiter“ wegen Missbrauchs vor Gericht. Was hielt Täter und Opfer zusammen?

Am Sonntagnachmittag hat es in Ulm einen Unfall zwischen einer Straßenbahn und einem Auto gegeben.