Kaufst Du noch, oder leihst Du schon? Die Ähnlichkeit des Werbeslogans auf dem Plakat mit dem eines schwedischen Möbelhauses ist nicht von der Hand zu weisen. Leihen statt kaufen, gilt jetzt in der Süßener Stadtbücherei nicht nur für Bücher und Medien. Ab sofort finden sich in den Regalen allerlei Utensilien für den Alltag oder die Freizeit. Einen Dörrautomat oder eine Donut-Backform, eine Sofortbildkamera, eine Nähmaschine, E-Reader oder Schlingentrainer  – Gegenstände, die eher selten benötigt werden und nicht in jedem Haushalt zu finden sind, können sich Kunden in der „Bibliothek der Dinge“ ausleihen.

Vorbilder kommen aus Hamburg, Berlin oder Köln

Für das neue Angebot der Süßener Bücherei gibt es bereits Vorbilder in Hamburg, Berlin und Köln. „Wir haben aus Bibliothekskreisen davon erfahren“, erklärt Büchereileiterin Rebecca Luksch. „Wir wollten uns fit für die Zukunft machen“, fügt Luksch hinzu.

Denn der Wandel in der Mediennutzung mache auch vor den Bibliotheken nicht halt. „Wir wissen noch nicht, wie lange noch Filme und CDs gefragt sind, das wird immer weniger“, sagt Luksch. „Und irgendwie müssen wir ja die Regale füllen“, meint die Bibliothekarin schmunzelnd. So gehöre nun Süßen zu den ersten Städten in Deutschland, die eine „Bibliothek der Dinge“ haben.

Die Büchereileiterin ist überzeugt davon, mit dem neuen Angebot den Zeitgeist getroffen zu haben. „Bibliotheken sind Teil der Sharing Economy und liegen damit voll im Trend. Ob Bücher, Autos oder Wohnraum: Teilen ist das neue Haben“, erklärt Rebeca Luksch. Gemeinsam Ressourcen zu nutzen werde immer beliebter. Vor allem junge Menschen legten Wert darauf, flexibel zu sein. Eigentum werde zur Last, Teilen schaffe neue Freiräume. Hinzu komme der Aspekt der Nachhaltigkeit: „Wer tauscht und teilt, schmeißt weniger weg. Mit der ‚Bibliothek der Dinge’ werden einige „Platzklauer, Staubfänger und Geldfresser“ überflüssig.“

Kreativer Raum, der inspirieren soll

Im Prinzip seien die Gegenstände eine schlüssige Ergänzung des Bibliotheksangebots. „Wir hatten Bücher mit Näh- und Backideen, aber nicht die Nähmaschine oder die passende Backform“, erklärt Rebecca Luksch. Aber die angebotenen Hobby­utensilien eigneten sich auch zum Ausprobieren. Wie schmecken Gemüsenudeln aus dem Spiralschneider oder lohnt sich die Anschaffung einer interaktiven Kugelbahn? „Wir wollen weiter als kreativer Raum wichtig sein, der inspiriert“, betont Luksch.

Zunächst hätten die Mitarbeiterinnen überlegt, ob sie zu Spenden aufrufen, um das neue Angebot mit passenden Gegenständen zu bestücken. „Aber wir haben befürchtet, überschwemmt zu werden oder zu viel Abgegriffenes zu bekommen“, berichtet Luksch. Deshalb habe man sich entschieden, Neues zu kaufen und dafür Budgetreste aus dem Vorjahr zu verwenden.

Um eine Bibliothek attraktiv und die Nutzer bei der Stange zu halten, bedürfe es immer wieder neuer Ideen, ist die Büchereileiterin überzeugt und betont: „Die Nutzerzahl bei uns ist außergewöhnlich stabil.“ Es seien weder Leser- noch Ausleihzahlen weggebrochen, das sei  nicht selbstverständlich. Luksch führt das auch auf immer wieder neue, attraktive Veranstaltungen zurück wie die Reihe „einschließen und genießen“ – die Süßener Antwort auf die klassische Autorenlesung, die nicht mehr so gefragt sei.