Eine hohe Auszeichnung für einen Schwaben, das „Cleverle“ tituliert zu werden. Wie bitter, dass es erst einen bayerisch-berlinerischer Verlag (Schmidt Spiele) und einen österreichischen Autor (Wolfgang Warsch) brauchte, um mit „Ganz schön clever“ ein Spiel zum Titel zu machen. Das kleine Würfelspiel zeigt clever, was man mit sechs regelmäßigen Hexaedern und einem Vordruck-Block machen kann. Das Würfel-Aufschreib-Spiel (Roll and Write) war 2018 nominiert für das „Kennerspiel des Jahres“ – und schaffte es final zum Prädikat. Was allerdings für Verlag und Autor gar nicht bitter war, weil sie mit ihrer anderen Zusammenarbeit, dem Spiel „Die Quacksalber von Quedlinburg“, den Preis stattdessen abräumten.

Bewährte Prinzipien

Nun ist mit „Doppelt so clever“ das Nachfolgespiel erschienen – und, soviel schon einmal vorweggenommen, es macht alles richtig. Wieder würfelt man sechs Runden mit sechs Würfeln. Wieder wählt, wer an der Reihe ist, eine Zahl aus und trägt sie in den Block ein – wobei je nach Farbe bestimmte Werte gefordert oder Cluster abgekreuzt werden. Dann landen alle Würfel des Wurfs mit niedrigerer Augenzahl auf einem Silberteller. Was gleichen oder höheren Wert hat, wird nochmal geworfen. Drei Würfe hat jeder – und zum Schluss dürfen die Mitspieler einen der abgelegten Würfel auf dem Tablett wählen, um selber bei sich etwas einzutragen oder anzukreuzen. Das alles jeder Spieler sechs Mal reihum, dann die erreichten Punkte zusammenzählen, fertig.

Verzahnte Konsequenzen

Dabei spielt man sich Boni und Sonderaktionen frei – wie schon beim cleveren Vorgänger. Neben Nachwürfeln und Würfeln, die außer der Reihe gewählt und entsprechend auf dem Block eingetragen werden dürfen, kann man nun einzelne schon abgelegte Würfel wieder in den Becher nehmen. Die Aufgaben sind so gestellt, dass der Spieler mehr Möglichkeiten hat, die Würfe zu notieren – und das alles in der Folge noch verzahnter Konsequenzen hat.

„Doppelt so clever“ ist als Titel also durchaus auch clever gewählt: Das Spiel bietet noch mehr Gelegenheiten zum Knobeln – was ein Grundproblem des Vorgängerspiels etwas verstärkt: Wenn man zu viert spielt, werden die Wartezeiten zwischen den Würfen lang. Da sollte kein Mitspieler den Ehrgeiz aufbringt, auch noch mit den Zahlen auf dem Silbertablett so zu taktieren, dass die Mitspieler wenig davon haben. Dafür bietet das Spiel genug Knobelei, genug Erkundungsraum für gute Lösungswege, damit es so schnell nicht langweilig wird.

App für Optimierer

Wer alles Optimierungspotential ausschöpfen will, der kann zwischendrin mit in der entsprechenden App trainieren. Das als Tipp für all die Möchtegern-Cleverle unter uns.

In aller Kürze


„Doppelt so clever“

Von Wolfgang Warsch, 30 Minuten, 1 bis 4 Spieler, Schmidt Spiele, ca. 12 Euro.

Unsere Wertung: 5 von 5 Sternen