„Montana“ Wettlauf statt Wilder Westen

Gute Geschäfte machen im nicht mehr wilden Westen: „Montana“.
Gute Geschäfte machen im nicht mehr wilden Westen: „Montana“. © Foto: White Goblin Games
Ulm / Fabian Ziehe 12.09.2018
SWP-Spieletest: Schaffe, schaffe, Siedlung baue – „Montana“ vereint elegant schwäbische und amerikanische Tugenden.

 Willkommen im Westen – das Wort „wild“ sei an dieser Stelle absichtlich vermieden. Denn das neue Strategiespiel von Altmeister Rüdiger Dorn trägt zwar den Titel „Montana“, allerdings sind alle blutigen Vorgeschichten wie jene legendäre Indianer-Schlacht am „Little Bighorn“ im Osten des heutigen US-Bundessaates schon abgehandelt: Wir verkörpern also einen friedlichen Mix aus Rinderzüchter, Farmer, Bankier und Bergarbeiter, und haben ganz amerikanisch nur eins im Sinn: Business.

Pro Zug stehen jedem Spieler eine von drei Aktionen zur Verfügung: Entweder er wirbt Arbeiter an, indem er ein Rad dreht und sich verschiedenfarbige Arbeiter nimmt – wobei die Farben deren Profession zeigt, in der er produktiv arbeitet. Oder aber, man schickt die Jungs zur Maloche – in die Eisen- oder Kupfermine, auf den Getreideacker, auf’s Kürbisfeld oder in die Bank (als Räuber?). Legt man sie in die Stadt, kommt ein Versteigerungsmechanismus in Gange, bei dem alle Mitspieler beteiligt sind und bei dem vor allem veredelte Metalle als Prämie winken.

Go West

Dritte und letzte Aktions-Option: das Auslegen von Siedlungen – getreu dem „Go-West“-Motto. Je nach Spielerzahl muss jeder seine Siedlungen ablegen, indem er die auf dem Feld geforderten Ressourcen abgibt und ein Sechseck-Plättchen  in seiner Farbe ablegt. Das kann er bei genügend Ressourcenausstattung drei Mal tun. Stellt er sich geschickt an und werden seine Pläne nicht durchkreuzt, kann er zwei, selten sogar drei Plättchen auf ein einziges Feld ablegen. Zudem winken Kühe (Joker-Ressourcen) und Wasserflaschen (Extrazug) als Bonus. Es gewinnt, wer alle Plättchen los ist – also ein Wettrenn- statt ein Siegpunkte-Mechanismus.

Das klingt mechanisch – ist es auch. Wer tief ins Cowboy-und-Indianer-Gefühl eintauchen will, sollte die Hände von dem Spiel lassen – zumal die Grafik eher pragmatisch als prosaisch daher kommt. Das gilt auch für all diejenigen, die sich etwas aufbauen wollen, was im Spielverlauf zusehends Profit abwirft. Ein Manko ist auch der Versteigerungs-Mechanismus, der von der Idee her Interaktion in das Arbeiter-Einsatz-Spiel bringen will, aber nur leidlich funktioniert. Auch sonst nimmt man sich eher selten Einsetz- oder Siedlungsfelder weg und macht meist sein eigenes Ding.

Anleitung mangelhaft

Das ist aber auch das gute: Montana frustriert nie, beziehungsweise belohnt immer. Es ist schnell erklärt, leicht zugänglich und man kann es zu zweit knackig auch unter einer dreiviertel Stunde spielen (allerdings: je mehr Spieler, umso mehr Interaktion). Die Landschaft, in de die Spieler ihre Plättchen auslegen, kann sehr variabel ausgelegt werden. Zudem bietet das Spiel viele Wege zum Ziel und je erfahrener die Spieler am Tisch sind, umso spannender und enger wird der Siedlungs-Wettlauf. Insgesamt ein gutes, unaufgeregtes Spiel also – wenn man weiß, was man will oder auch worauf man verzichten kann. Das Material ist zudem echt hübsch und wertig.

Eine letzte Warnung sei noch ausgesprochen – entsprechend des Rüffels, den die die Spiel-des-Jahres-Jury heuer an manchen namentlich nicht genannten Verlage verteilt hat: Die Anleitung hat grobe Fehler, zudem sind einige Regeln nicht eindeutig erklärt, diese müssen online nachgelesen werden. Mehr Redaktion hätte dem Spiel gut getan.

In aller Kürze

„Montana“

Von Rüdiger Dorn, 2-4 Spieler, ab 10 Jahren, etwa 45 Minuten, White Goblin Games, etwa 40 Euro.

Unsere Wertung: 3 von 5 Sternen

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