Verkehr Was tun, wenn man ein Wildtier angefahren hat?

Ulm / Susanne Klöpfer 07.06.2018
Immer mehr Wildtiere werden angefahren. Ein Überblick, wie man einen Unfall vermeidet und was man tut, wenn es doch passiert ist.

Mit dem Auto unterwegs im Wald. Am Fahrbahnrand das Schild „Achtung Wildtiere“. Jeder kennt es, aber langsamer fährt man nicht. Ein lauter Knall. Und es ist passiert. Ein Reh liegt verletzt auf der Straße - und jetzt? Solche Wildunfälle passieren alle paar Minuten in Deutschland.

Im Jahr 2017 gab es 228.490 Wildunfälle in Deutschland, laut dem Deutschen Jagdverband e. V. (DJV). In die Statistik zählen jedoch nur die Paarhufer, wie Rehe und Wildschweine. Alle kleineren Wildtiere werden nicht als Wildunfälle gezählt. „Systematisch erfasst werden dadurch nur ein Prozent der Wildunfälle“, erklärt Torsten Reinwald, der Geschäftsführer der DJV sowie Jäger in Brandenburg.

© Foto: DJV

Wie können Wildunfälle verhindert werden?

Eine simple Lösung: Langsamer fahren, empfiehlt der ADAC und DJV. Denn ein Autofahrer, der mit Tempo 80 unterwegs ist, hat knapp 60 Meter Bremsweg (mit Reaktionszeit), um sein Auto zum Stehen zu bringen. Und damit eine größere Chance einen Wildunfall zu verhindern. Bei höherer Geschwindigkeit sieht das schon wieder anders aus:

© Foto: DJV

Tipps, wenn sich ein Wildtier auf der Fahrbahn oder in der Nähe des Seitenstreifen befindet:

  • Sofort das Abblendlicht einschalten, damit das Tier nicht geblendet ist und sich orientieren kann.
  • Hupen! Das Tier kann sich durch das akustische Signal orientieren. Aufgrund seiner natürlichen Instinkte wird sich das Tier von der Gefahrenquelle entfernen.
  • Die Geschwindigkeit reduzieren - denn ein Wildtier kommt selten allein. Da die meisten Tiere sind in Rudeln und/oder mit Familienzuwachs unterwegs.
  • Wenn der Zusammenstoß unvermeidbar ist: Bremsen und das Lenkrad festhalten. Denn ein Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver, das im Gegenverkehr oder an einem Baum enden kann.

Wildtier angefahren - und jetzt?

„Viele Wildunfälle enden mit Tod oder schweren Verletzungen für Wildtiere.“, erklärt Reinwald. Aber was ist zu tun wenn ein Tier angefahren wurde?

  • Erstmal den Unfallort sichern: Die Warnweste anziehen und das Warndreieck aufstellen.
  • Die Polizei unter 110 anrufen. Die benachrichtigt den zuständigen Jagdpächter.
  • Aber wo genau ist der Unfall passiert? Das ist manchmal schwer zu sagen mitten im Wald. Also die eigenen Koordinaten bestimmen, was man mit dem Navigationsgerät oder das Smartphone machen kann.
  • Trotz dem Bedürfnis zu helfen: Die toten oder verletzten Tiere liegen lassen. Auch aus eigenem Schutz, denn auch ein verletztes Wildtier kann aus Panik und Stress Personen verletzten. Denn: Wildtiere haben eine natürliche Angst vor Menschen.
  • Wenn das verletzte Wildtier weitergelaufen ist: Die Unfallstelle markieren oder die Koordinaten notieren. So kann der Jäger oder Jagdpächter mit seinem Hund die Fährte leichter aufnehmen, um damit das verletzte Tier besser zu finden, versorgen oder es, wenn die Verletzungen zu schwer sind, erschießen.
  • Auf die Polizei oder den Jagdpächter am Unfallort warten bis diese angekommen sind.
    Die Empfehlung vom ADAC und dem DJV im Video:

Wann zahlt die Versicherung bei Wildunfällen?

Für die Versicherung wird nach dem Unfall eine Wildtierunfallbescheinigung benötigt, die durch den zuständigen Jagdpächter, Förster oder die Polizei ausgestellt wird. Nur so ist der Wildunfall bestätigt und es besteht die Möglichkeit den Schaden durch die Versicherung bezahlt zu bekommen.

Für Wildunfälle kommen Teil- und Vollkaskoversicherung unterschiedlich auf.

Laut dem ADAC kommt die Teilkaskoversicherung für Schaden am Fahrzeug auf, die durch einen Zusammenstoß mit Haarwild (Wildschweine, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase) verursacht wurde. Die Unfälle mit Federwild bezahlen hingegen nicht alle Versicherungen.

Bei Vollkaskoversicherungen werden Schäden übernommen, wenn diese nachweislich infolge von Wildunfällen oder Auswich- sowie Bremsmanövern entstanden sind.

Weiteres zur Versicherungs-Frage bei Wildunfällen beim ADAC

Wildunfall: Rothirsch so schwer wie Elefant

Das Aufprallgewicht bei Zusammenstößen zwischen Wildtieren und Autos ist heftig. Bei Tempo 60 schlägt ein Rothirsch mit der Kraft von 5 Tonnen ein - das entspricht dem Gewicht eines Elefanten:

© Foto: DJV

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