Mit dem Auto unterwegs im Wald. Am Fahrbahnrand das Schild „Achtung Wildtiere“. Jeder kennt es, aber langsamer fährt man nicht. Und plötzlich ist es passiert. Ein Reh liegt verletzt auf der Straße - und jetzt? Solche Wildunfälle passieren alle paar Minuten in Deutschland.

2017 gab es 228.490 Wildunfälle in Deutschland, laut dem Deutschen Jagdverband e. V. (DJV). In die Statistik zählen jedoch nur die Paarhufer, wie Rehe und Wildschweine. Alle kleineren Wildtiere werden nicht als Wildunfälle gezählt. „Systematisch erfasst werden dadurch nur ein Prozent der Wildunfälle“, erklärt Torsten Reinwald, der Geschäftsführer der DJV sowie Jäger in Brandenburg.


Die Zahl der Wildunfälle in Deutschland steigt.
Die Zahl der Wildunfälle in Deutschland steigt.
© Foto: DJV

Wildtier angefahren - was tun? Soll ich es melden?

„Viele Wildunfälle enden mit Tod oder schweren Verletzungen für Wildtiere.“, erklärt Reinwald. Aber was ist zu tun wenn ein Tier angefahren wurde? Auf jeden Fall nicht einfach weiterfahren, denn damit macht man sich strafbar!

  • Erstmal den Unfallort sichern: Die Warnweste anziehen und das Warndreieck aufstellen.
  • Die Polizei unter 110 anrufen. Die benachrichtigt den zuständigen Jagdpächter.
  • Aber wo genau ist der Unfall passiert? Das ist manchmal schwer zu sagen mitten im Wald. Also die eigenen Koordinaten bestimmen, was man mit dem Navigationsgerät oder dem Smartphone machen kann.
  • Trotz Bedürfnis zu helfen: Die toten oder verletzten Tiere liegen lassen. Auch aus eigenem Schutz, denn ein verletztes Wildtier kann aus Panik und Stress Personen verletzten. Denn: Wildtiere haben eine natürliche Angst vor Menschen.
  • Wenn das verletzte Wildtier weitergelaufen ist: Die Unfallstelle markieren oder die Koordinaten notieren. So kann der Jäger oder Jagdpächter mit seinem Hund die Fährte leichter aufnehmen, um damit das verletzte Tier besser zu finden, versorgen oder es, wenn die Verletzungen zu schwer sind, erschießen.
  • Auf die Polizei oder den Jagdpächter am Unfallort warten.
    Die Empfehlung vom ADAC und dem DJV im Video:

Youtube

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Wann zahlt die Versicherung bei Wildunfällen?

Für die Versicherung wird nach dem Unfall eine Wildtierunfallbescheinigung benötigt, die durch den zuständigen Jagdpächter, Förster oder die Polizei ausgestellt wird. Nur so ist der Wildunfall bestätigt und es besteht die Möglichkeit den Schaden durch die Versicherung bezahlt zu bekommen.

Für Wildunfälle kommen Teil- und Vollkaskoversicherung unterschiedlich auf.

Laut dem ADAC kommt die Teilkaskoversicherung für Schaden am Fahrzeug auf, die durch einen Zusammenstoß mit Haarwild (Wildschweine, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase) verursacht wurde. Die Unfälle mit Federwild bezahlen hingegen nicht alle Versicherungen.

Bei Vollkaskoversicherungen werden Schäden übernommen, wenn diese nachweislich infolge von Wildunfällen oder Ausweich- sowie Bremsmanövern entstanden sind.

Weiteres zur Versicherungs-Frage bei Wildunfällen beim ADAC findest du hier.

Wie können Wildunfälle verhindert werden?

Eine simple Lösung: Langsamer fahren, empfiehlt der ADAC und DJV. Denn ein Autofahrer, der mit Tempo 80 unterwegs ist, hat knapp 60 Meter Bremsweg (mit Reaktionszeit), um sein Auto zum Stehen zu bringen. Und damit eine größere Chance, einen Wildunfall zu verhindern. Bei höherer Geschwindigkeit sieht das schon wieder anders aus:

Tipps, wenn sich ein Wildtier auf der Fahrbahn oder in der Nähe des Seitenstreifen befindet:

  • Sofort das Abblendlicht einschalten, damit das Tier nicht geblendet ist und sich orientieren kann.
  • Hupen! Das Tier kann sich durch das akustische Signal orientieren. Aufgrund seiner natürlichen Instinkte wird sich das Tier von der Gefahrenquelle entfernen.
  • Die Geschwindigkeit reduzieren - denn ein Wildtier kommt selten allein. Da die meisten Tiere sind in Rudeln und/oder mit Familienzuwachs unterwegs.
  • Wenn der Zusammenstoß unvermeidbar ist: Bremsen und das Lenkrad festhalten. Denn ein Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver, das im Gegenverkehr oder an einem Baum enden kann.

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