Man könnte irre werden, schaut man sich all diese vielen Spiele an, die sich an den Horror-Geschichten von H. P. Lovecraft orientieren. Der amerikanische Autor ist seit 81 Jahren tot. Sein „Cthulhu-Mythos“ aber, eine düstere Welt im Chic der 20er und 30er, ist für Spiele-Autoren ein so ergiebiger Themen-Steinbruch wie die Abbauregionen Star Wars, Game of Thrones oder Herr der Ringe.

Nun also noch ein Spiel zum selben Thema – dieses Mal aber ganz anders: Geht sonst darum, dass die Spieler vom Wahn bedrohte Protagonisten oder aber mächtig irre machende Wesen („Große Alte“) lenken, werden sie bei „Berge des Wahnsinns“ nun selber wahnsinnig, live, am heimischen Spieletisch! Alle spielen dabei zusammen – ihr Ziel ist, auf dem Spielplan Feld um Feld einen Berg zu erklimmen, dabei Artefakte zu sammeln und am Ende vom Gipfel per Flugzeug zu türmen.

Erschwerte Absprachen

Dabei erhalten sie ständig Karten, die vier Ressourcen in verschiedenen Mengen aufgedruckt haben. Jedes neu aufgedeckte Feld fordert eine Anzahl verschiedener Ressourcen, die alle gemeinsam innerhalb einer halben Minute auf einem Stapel verdeckt ablegen müssen. Bei Erfolg, also richtiger Ressourcen-Zahl, winkt ein Boni. Bei Misserfolg dräut eine Strafe. So weit, so simpel.

Fies ist allerdings, dass einige Spieler schon mit einem Tick beginnen – etwa, dass sie sich beim Reden am Kopf kratzen müssen. Oder dass sie ihre Zähne verdecken müssen. Harmlos zu Beginn, gewiss, doch von Strafe zu Strafe steigert sich die Konfusion: Man zieht nämlich härte Wahnsinns-Karten vom Stapel. Das macht die Absprachen unter Zeitdruck schnell haarig – wenn einer etwa einen Mitspieler permanent nachplappert. Oder wenn man selber jedes Wort seines Satzes parallel laut durchzählen muss. (Zur Beruhigung: der Wahn wirkt nur in der halben Minute, in der man die Karte ablegen muss!)

Wahnsinn mit kurzer Halbwertszeit

Das ist nicht gruselig, nicht gänzlich glücksbefreit, nicht jedermanns Sache – und ziemlich chaotisch. Aber: In der richtigen Gruppe lacht man sich schlapp – und fiebert trotzdem darauf hin, dass man das rettende Flugzeug erreicht. Das ist für ein Party-Spiel schon verdammt gut. Allenfalls steht zu vermuten, dass man mit derselben Gruppe das Spiel nicht allzu oft spielen wird, da es sich verbraucht – obgleich Blanko-Karten für eigene Wahnsinns-Ideen bereitliegen. Allerdings wird man bis zu dem Punkt, dass man des Wahnsinns müde ist, schon irre viel Spaß gehabt haben.

In aller Kürze


„Berge des Wahnsinns“


Von Rob Daviau, 3-5 Spieler, ab 12 Jahren, 60-90 Minuten, Iello (Vertrieb: Huch!), etwa 40 Euro.

Unsere Wertung: 4 von 5 Sternen