„Santorini“ Türmen für Taktiker

Bauen und Verbauen: „Santorini“.
Bauen und Verbauen: „Santorini“. © Foto: Roxley Games
Ulm / Fabian Ziehe 13.10.2018

Wie ein Vulkan – simple Struktur, friedliche Anmutung, heißer Kern, das ist „Santorini“. Das abstrakte Zwei-Personen-Bauspiel hat sich passend das griechische Archipel Santorin als thematisches Cape gewählt. Vulkanfels, darauf weiße Häuser und Türme mit blauen Kuppeln: Ein Blick auf die wachsenden Szenerie auf dem Spielfeld erinnert sofort an die berühmte Postkarten-Idylle aus der Ägäis-Inselwelt. Doch darf man sich von all dem nicht täuschen lassen!

Simple Struktur

Tatsächlich sind die Regeln flugs erklärt: Jeder setzt zwei Figuren auf das Spielfeld-Podest mit seinem Fünf-mal-fünf-Raster. Dann zieht man abwechseln eine Figur ein Felder weiter und baut angrenzend daran ein Bauteil in die Höhe. Diese gibt es für drei Ebenen, hinzu kommt einekrönende blaue Kuppel. Figuren dürfen im Laufen nur eine Ebene hoch oder runter springen. Gewonnen hat man sofort, wenn man mit einer Figur den dritten Stock erklimmt und der Gegenspieler das nicht mit dem Setzen einer Kuppel verhindern kann. Verloren hat man sofort, wenn man keinen Schritt mehr gehen oder keinen Baustein mehr setzen kann.

Friedliche Anmutung

Mit diesen Grundregeln ist „Santorini“ ein gemütliches Glas-Rotwein-bei-Sonnenuntergang-Spiel: Ohne etwas Hirnen und Planen gerät man zwar schnell ins Hintertreffen, doch grübelt man sich nicht zu Tode. Jede Partie dauert nur ein paar Minuten. Das lädt zur flotten Revanche bei einem weiteren Gläschen ein. Und doch ahnt man bald: mit der Zeit könnte das Spiel doch gar zu friedlich werden...

Heißer Kern

Aber da wären ja noch die 30 Götter-Karten, von dem jeder eine erhält und die jedem eine Spezialfähigkeit schenkt. Auf einmal bekommt jedes Spiel einen neuen Dreh. Schon die Frage, wo man zu Spielbeginn seine Figuren platziert, kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Dass die beiden aktiven Götter-Karten bisweilen unbalanciert sind, stört nur den mit absoluten Siegeswillen. Anderen nehmen’s gelassen oder tauschen flugs die Götterkarten untereinander aus – vielleicht findet ja der andere noch einen Dreh, um das vermeintliche Ungleichgewicht noch auszugleichen....

Durch die vielen Kartenkombinationen explodiert die Varianz im Spiel – da braucht es gar keine 3-Spieler- oder Team-Spieler-Version, die schon das Regelheft selber als Krücke bezeichnet. Santorin taugt somit als kurzer Füller ebenso wie für einen ganzen Abend. Dabei ist es hübscher, zugänglicher und zumindest etwas thematischer als das (ebenfalls großartige) „Torres“, das „Spiel des Jahres“ von 2000. Und: „Satorini“ lädt somit zumindest gedanklich zu einem entspannten Abend an der Ägäis mit einem Glas griechischem Wein ein...

In aller Kürze

„Satorini“

Von Gordon Hamilton, 2 (bis 4) Spieler, 20 Minuten, Roxley / Spin Master, ca. 35 Euro.

Unsere Wertung: 5 von 5 Sternen

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