Selbst das Sandkastenspiel artet in der Leistungsgesellschaft aus. Wessen Burg ist größer, das ist die Spielgeschichte von „Feiner Sand“. Ein Thema, das im Verlauf des Kartenspiels in der Hand verrinnt – feiner Sand eben. Dennoch hat Autoren-Querdenker Friedemann Friese in die 59 Karten pro Spieler mechanisch Ungewöhnliches gesteckt.

Alles loswerden

Das Prinzip „Deckbau“ kennt man seit „Dominion“ („Spiel des Jahres“ 2009): Jeder blättert seinen Stapel durch, nutzt die Effekte und fügt neue Karten hinzu, die das eigene „Deck“ verstärken. „Feiner Sand“ dreht das um: Man hat von Anfang an alle Karten auf der Hand und ist bemüht, Karten abzulegen – bis man nicht mehr nachziehen kann. Man könnte das Prinzip also „Deckabbau“ nennen.

Pro Runde zieht jeder zuerst nach. Dann legt er Karten an und bezahlt die Kosten (ebenfalls mit Karten). Oder er zieht abermals nach, um eine größere Auswahl zu erhalten. Zuletzt reduziert er die Handkarten wieder auf sein Limit und schiebt eine missliebige Karte dem Nebenmann weiter. Karten werden am persönlichen Tableau abgelegt. Jene für die untere Ablage – sie zeigen Baustellenfahrzeuge – erhöhen die Zahl der Karten, die man nachziehen, anlegen oder auf der Hand halten darf. Jene ohne Funktion landen oberhalb des Tableaus, sie formen die Sandburg.

Varianz durch Fabel-Prinzip

Alle starten mit demselben Deck, alle spielen gleichzeitig, alle puzzeln für sich. Interaktion? Mangelware. Für ein wechselndes Spielgefühl sorgen jede Partie neue Spezialkarten, Friedemann Friese nutzt diese „Fabel“-Mechanik mittlerweile für viele seiner Spiele. „Feiner Sand“ ist ein flotter Optimier-Spaß mit vielen relevanten Entscheidungen. Das Mischen verhindert das Ausrechnen des Spiels, dennoch steigert man sich von Partie zu Partie. Ein pfiffiges Kollektiv-Solitär für Burgenbauer und Sandkastenfreunde.

In aller Kürze


„Feiner Sand“

Von Friedemann Friese, 1 bis 4 Spieler, etwa 30 Minuten, ab 10 Jahren, Verlag 2F-Spiele, ca. 25 Euro.

Unsere Wertung: 4 von 5 Sternen