„Brikks“ Korobeinikis analoge Kiste

Tetris für analoge Blöcke-Schubser: „Brikks“.
Tetris für analoge Blöcke-Schubser: „Brikks“. © Foto: Schmidt Spiele
Ulm / Fabian Ziehe 12.01.2019
SWP-Spieletest: Tetris mit Stift, Würfel und Papier – „Brikks“ spielt sich weniger flott, aber mit ähnlichem Fieber.

Singen wir gemeinsam: „Ding ding-ding-ding ding-ding-ding ...“ – schon hat man die weiße Plaste-Elektronik-Box vor Augen, Daumen links bearbeitet ein Kreuz, Daumen rechts zwei Böbbel, im grünlichen Display fallen Formen bestehend aus vier Quadraten herab  – schnell, schneller, Tetris! Ein Erfindung der 80er für die Game-Boy-Kids der 90er mit Kultstatus bis in alle Ewigkeit.

Nicht der erste Clone

„Jetzt als Brettspiel!“ – dieser Slogan wäre nicht zu halten. Gefühlt gibt es schon dutzende dieser analogen Klötzchen-Clones. Doch „Brikks“ ist zusätzlich ein neuer „Warsch“: Der Österreicher hat mit „Ganz schön clever“ einen „Roll’n’Write“-Kracher hingelegt – ein Spiel also, bei denen Würfel geworfen und Vordrucke abgekreuzt werden. Ob er noch so eine Perle raushaut?

Beim Warsch-Tetris regnet es also auch Blöcke. Welche Form wie gedreht fällt, bestimmen zwei reihum geworfene Würfel. Bei Nichtgefallen ist ein zweiter Versuch drin, zur Not gibt es drei Streichergebnisse, „Bomben“ genannt.

Um die Blöcke beim Aufkommen so zu lagern, dass möglichst keine Lücke bleibt und bestenfalls mehrere Linien gleichzeitig komplett sind, kann man sie drehen. Das kostet Energie, die man zurück erhält, indem man Steine auf Feldern mit gleichfarbigem Punkt platziert. Anders als digital verschwinden vollendete Linien nicht. Stapelt sich bei allen alles bis oben, ist das Spiel vorbei und es wird abgerechnet. Viel Energie und viele Mehrfach-Linien geben Extra-Punkte, komplettiert man weiter oben, wird üppiger honoriert. Für Linien mit kleinen Lücken gibt es Trostpflaster.

Jubel und Jaulen

Hübsch ist dabei etwas anderes: Die Vordrucke sind im Stil einer 90er-Jahre-Pixeloptik gehalten, Kulisse ist ein alter Daddel-Automat aus der Spielhölle um die Ecke, die Farben sind psychodelisch. Thematisch passt das freilich – übersichtlich ist es auch, insofern passt das.

Das Spiel, das auch solo funktioniert, ist einfacher zu lernen und zu meistern als sein cleverer Vorgänger. Aber: Es bietet auch keine dieser Kettenzüge, diese Momente verzückter Befriedigung, wenn das Eine das Nächste ergibt. Andere Roll’n’Write-Spiele sind zudem flotter oder eröffnen mehr Wege, größere Varianz.

Dennoch bringt „Brikks“ die Spieler am Tisch zum Jubeln – oder auch Jaulen. Wartezeiten entstehen bei „Brikks“ kaum, jeder ist ja immer dran. Was indes sehr wohl fehlt ist das hektische Fiebern wie seinerzeit an der Konsole, wer das vermisst, dem sei der exzessive Einsatz einer Schachuhr anzuraten. Das restliche Tetris-Gefühl erwacht, dieses Bitten und Betteln um dieses eine, verfluchte, perfekt passende Teil!

Was irgendwie zum Tetris-Song passt, dieser Vertonung des russischen Gedichts „Korobeiniki“: „Oh volle, volle Kiste!“, geht das textlich los. Den Rest, ding ding-ding-ding, den pfeifen wir uns.

In aller Kürze

„Brikks“

Von Wolfgang Warsch, 1 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren, 30 Minuten, Schmidt Spiele, ca. 10 Euro.

Unsere Wertung: 4 von 5 Sternen

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel