Es gibt Spiele in denen muss man sich einen Kopf machen – wie beim Hirnverzwirbler „Santa Maria“. Und es gibt Spiele, bei denen hätte man sich mehr Kopf machen müssen. Dazu gehört der Titel des norwegischen Verlags  Aporta Games leider auch – nämlich was das Thema angeht. Bei dem Würfel-Einsetz-Spiel, an das sich so manche Spielgeschichte elegant angeschmiegt hätte, greift (zunächst) erschreckend unreflektiert das dunkle Kapitel Kolonialismus auf. 

Brillante Mechanik

Mehr als Schade. Denn das Spiel hätte Potential für zumindest die Empfehlungsliste des „Kennerspiel des Jahres“. Die Spieler bauen sich auf einem 6x6-Raster ihre Siedlung auf. Sie aktivieren die Gebäude in den Spalten und Linien mit Würfeln oder Geld. Man gewinnt, tauscht, verschifft Waren, klettert an Leisten für Siegpunkte oder Boni hoch, sammelt unterschiedliche Schiffskärtchen. Alles ist verwoben, gekonnt aufeinander abgestimmt, die Möglichkeiten explodieren im im Verlauf von der drei Spielrunden, die Strategien sind mannigfaltig.

In der Summe ist es ein genial designtes Spiel, eine hübsche Kopfnuss für Spieler, die auch mal auf Mitspieler warten können, die Sitzfleisch haben. Die Szene hat sich im übrigen über die Grafik fleißig mockiert. Dabei kann man es bei so einem Tüftler-Spiel das Fehlen einer knuffigen Optik verkraften – wären da nicht diese Siegpunktechips: Sie zeigen das Smiley-Grinsen glücklicher Kolonisten in Schweinchenrosa. Das wirkt angesichts der Thematik wie Hohn, da kann man sich tatsächlich nur an den Kopf langen.

Erweiterung wechselt Perspektive

Doch, Halt! Da wäre noch die Erweiterung „American Kingdoms“. Sie führt neben drei sehr durchdachter Zusatz(hirnverzwirbler)module einen neuen Spielmodus ein: Ein assymetrisches Tableau für einen am Tisch, der die Mayas spielt – Tempel baut, Felder bestellt, mit Kolonisten handelt und: die eigenen Kulturschätze vor der Goldgier der Invasoren beschützt. Spielerisch wie thematisch gut gemacht! So kratzt man sich final irritiert am Kopf: Warum nicht gleich so?

In aller Kürze


„Santa Maria“

Von Eilif Svensson, Kristian Amundsen Østby, 1 bis 4 Spieler (mit Erweiterung „American Kingdoms“ bis zu 5 Spieler), ab 12 Jahren, 45 bis 90 Minuten, Aporta Games/Pegasus, etwa 30 Euro (Erweiterung ca. 20 Euro).

Unsere Wertung: 4 von 5 Sternen (mit Erweiterung: 5 von 5 Sternen)