Eindrücke von der Spielemesse

Bildergalerie Eindrücke von der Spielemesse

Zu analogen Zeiten fuhr man als Brettspieler zur Messe nach Essen, um alle, wirklich alle Spiele des Jahrgangs kennen zu lernen – ein paar Dutzend Neuheiten gab es noch Anfang der 90er, die später im Laden zu finden waren. Ausgerechnet parallel zur Digitalisierung explodiert aktuell der Markt – bislang ungebremst. Die 36. Messe „Spiel“ in Essen sei „das Herz dieser boomenden Brettspielwelt“, sagte Dominique Metzler, Geschäftsführerin des veranstaltenden Friedhelm Merz Verlags gestern am Vortag des Messestarts.

Etwa 1400 neue Spiele

Das Angebot ist mit aktuell rund 1400 Neuheiten kaum mehr zu überblicken. Für die Spieler eröffnen sich vielfältigere Welten. „Wir sehen einen klaren Trend zu kooperativen Spielen“, sagte Metzler. Das sei auch ein Argument, dem Brettspiel als Kulturgut mehr Beachtung zu schenken: Die in kooperativen Spielen geforderten Fähigkeiten wie Vertrauen, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen „tun einer Gesellschaft gut“.

Erfolg mit Youtube Von Beruf Brettspieler

Friedberg/Berlin

Spiele mit viel Elektronik, so der Vorsitzende des Branchenverbands Spieleverlage Hermann Hutter, käme bei den Brettspielern weniger gut an – sinnvolle App-Unterstützung ausgenommen. „Das hat sich nicht so ganz durchgesetzt“, sagt Hutter, der auch Chef der Günzburger Unternehmensgruppe Hutter ist, die neben einem Brettspielverlag im Einzelhandel aktiv ist. Gerade das direkte Gruppenerlebnis lockte die Menschen. „Wir haben dabei auch eine Zielgruppe zurückgewonnen: die jungen Erwachsene“, freute sich Hutter. „Das ist so ein Virus, der grassiert.“ Was aber lockt derzeit die Infizierten?

Legacy-Spiele

... sind schon länger gefragt – ausgehend 2015 von „Pandemie Legacy“ (Z-Man Games / Asmodée), in dem die Spieler gemeinsam eine global grassierende Seuche eindämmen. Es gibt eine Rahmenhandlung, jeder übernimmt einen Charakter, gespielt wird über mehrere Runden und Tage. Dabei verändern sich Regeln und Spielplan, Aufkleber machen jedes Spiel individuell. Der Trend hat nun auch auf andere Spieletypen durchgeschlagen: Mit „The Rise of Queensdale“ (Ravensburger) etwa wird das Prinzip auf ein kompetitives Aufbau-Strategiespiel übertragen. Und „Half-Pint Heroes Happy Hour“ (Corax Games) überträgt das Prinzip in den Stichspiel-Bereich.

Rätsel-Spiele

... sind ebenfalls nicht ganz neu, aber der Trend nimmt auf der „Spiel ‘18“ nochmal an Fahrt auf. Führend im Segment ist die „Exit“-Reihe (Kosmos): Spiele mit Rätseln, die nur einmalig spielbar sind und bei denen das Spielmaterial auch mal zerschnitten wird. Nun gibt es auch einen Fall für Kinder mit einem großen Schloss, das es zu knacken gilt. Etliche Verlage haben ähnliche Spiele veröffentlicht – mal mit mehr Thema, mal mit mehr Knobelei.

Detektiv-Spiele

... sind dabei schon fast eine eigene Kategorie – etwa „Detective: A Modern Crime Board Game“ (Portal/Pegasus), „Chronicles of Crime“ (Corax Games) oder „Mythos Tales“ (Pegasus). Bislang mussten Freunde dieser Unterhaltung auf den Sonntags-Tatort oder Krimi-Dinner ausweichen. Wobei: Mit „Sherlock Holmes Criminal-Cabinet“ gewann Kosmos 1985 den begehrten „Spiel des Jahres“-Titel. Seither führte das Spielgenre aber ein Schattendasein.

Unique-Games

... könnten ein neuer Trend werden: Gemeint sind Kartenspiele, bei denen in jedem Spielkarton unterschiedliche Kartenzusammenstellungen zu finden sind. Die französische Verlagsgruppe Asmodee stellt zwei Titel vor, auf die die Szene sehr gespannt ist. Während es bei „Discover“ thematisch um das Überleben in der Wildnis geht, bei dem man auch miteinander spielen kann, ist „KeyForge“ ein klassisches Duell.

Duell- und Solo-Spiele

... sind überhaupt ein weiterer Trend – was sicherlich auch der heutigen Lebenswelt geschuldet ist, in der man sich seltener in größeren Runden treffen kann. War es früher noch schwierig, Titel zu finden, die auch zu zweit funktionieren, kommen gerade komplexe Spiele mittlerweile sogar mit einem Solo-Modus daher. Komplette 1-Personen-Spiele sind hingegen selten. Titel wie „Der Unterhändler“ (Frosted Games), in dem der Spieler mit einem Geiselnehmer verhandeln muss, zeigen allerdings, wie weit gefächert die Themenideen mittlerweile sind.

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