Bayreuth Kompromisse helfen weiter


Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund
Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund © Foto: d
Bayreuth / Otto Lapp 13.01.2018

Gegensätze sollten sich anziehen. Sie wartet am Spielfeldrand bis zum Schlusspfiff. Er geht mit ihr auf Shopping-Touren. Alles romantische Märchen. Diese Gegensätze-Kiste klappt vielleicht in der ersten Zeit der großen Liebe, wird aber im darauf folgenden Alltag ziemlich schwer. Dabei reden wir nicht vom langen Warten am Spielfeldrand, sondern von simplen Sachen wie dem morgendlichen Aufstehen. Harald platzt früh vor Unternehmungslust. Carina liebt es auszuschlafen und trödelt endlos herum. Erst wenn seine Laune auf dem Tiefpunkt ist, lässt sie sich zu einem Ausflug überreden. Und genau das bleibt von den Gegensätzen übrig: Sie ziehen sich nicht mehr an, sie nerven sich gegenseitig.

Einfacher wäre es, die beiden hätten den gleichen Rhythmus. Ein echtes Lebensthema, sagt Nora Nägele, Beziehungsexpertin aus Stuttgart. Um es zu bewältigen, braucht es viel Toleranz. Denn eines steht fest: Ich werde den anderen nicht ändern. Samstagmorgen, 8 Uhr: Er steht auf, sie drückt sich noch tiefer in die Kissen. Sonntagabend, 20.15 Uhr: Sie will unbedingt wissen, wie es bei Voice of Germany weitergeht, er freut sich auf den Tatort. Sommerurlaub: Er will in die Berge, sie ans Meer. Das sind die wirklichen Herausforderungen des Lebens.

Dabei könnte jeder auch getrennt vom anderen etwas unternehmen. Der Frühaufsteher geht einkaufen, macht das Nötigste im Haushalt. Wenn er wiederkommt, wäre es schön, wenn ein Frühstück auf dem Tisch stünde. Oder umgekehrt: Sie kümmert sich um die Kinder, und er schläft seelenruhig weiter. Da kommen trübe Gedanken: Alles hängt an mir. Warum lässt er mich nicht in Ruhe schlafen? Warum verhindert sie alles und schläft, wir könnten so schöne Dinge unternehmen?

Man fasst den Gegensatz als persönlichen Angriff auf. Und genau da liegt die Herausforderung, die Dinge anzunehmen oder anzusprechen, ohne dem anderen wehzutun. Wer nur Vorwürfe auf Lager hat, dem gelingt das nicht. Die beiden müssen reden, sagt die Beziehungsexpertin. Kompromisse und Möglichkeiten finden, wie sie die Situationen meistern, ohne zu streiten und ohne dass sich einer selbst aufgibt. Wie immer gilt: Was der andere macht, macht er normalerweise nicht, um mich zu ärgern.

Vielleicht gelingt es den beiden, in den vielen Dingen, in denen sie gegensätzlich ticken, doch einen gemeinsamen Weg zu finden. Einen, der jedem seinen Rhythmus lässt und auf dem sie sich sogar gegenseitig unterstützen können. „Du könntest mir helfen, aus dem Bett zu kommen, indem du mir einen Kaffee bringst.“ Und wenn es gar nicht geht – es ist tatsächlich möglich, schöne Dinge ohne den Partner zu unternehmen. Und ihm davon zu erzählen, wenn er aufgewacht ist. In vielen Beziehungen fehlt Fantasie, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse zu schauen und diese kreativ zu befriedigen, sagt Nägele. Jedes Paar ist anders, jedes muss sich etwas anderes einfallen lassen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel