Alles begann in einem Gasthaus. Am 9. Mai 1869 trafen sich 36 Bergsteiger im Gasthof „Zur blauen Traube“ in München. Dort gründeten sie einen Verein, um „die Bereisung“ der Alpen zu erleichtern – so schrieben sie es in die Satzung. Der Deutsche Alpenverein (DAV) war geboren.

„Unsere Sektion ist die Keimzelle des Vereins“, sagt Günther Manstorfer von der Münchner DAV-Sektion. Bis heute sei man „immer wieder Wegweiser“ innerhalb des Alpenvereins und bringe neue Ideen ein.

Der Alpentourismus liegt im Trend

Die Münchner haben beispielsweise beschlossen, in ihren Berghütten keine Ladestationen für Elektroräder anzubieten. „E-Bikes sind phantastisch“, sagt Manstorfer, der selbst ein Fahrrad mit Elektroantrieb besitzt. Doch auf den Hütten ist Strom oft knapp, erzeugt wird er unter anderem mit Diesel oder Rapsöl.

E-Bikes und moderne, wetterfeste Kleidung – mit der Ausrüstung der Alpenpioniere hat das nur noch bedingt zu tun. Auch die Größenordnung des Bergtourismus hat sich verändert. Heute hat der Alpenverein fast 1,3 Millionen Mitglieder. Es gibt 356 Sektionen, die 321 Berg- und Schutzhütten betreiben. Jedes Jahr organisiert der DAV um die 165 000 Angebote für Touristen: etwa Wanderungen, Klettertouren und Ski-Ausfahrten.

München

Die Folge: Jährlich besuchen Millionen Menschen die Alpen und ihr Umland. Die Schlafsäle vieler Berghütten sind in der Saison oft früh ausgebucht, ganz wie Hotelzimmer in der Großstadt. Doch wie viel Mensch verträgt das Gebirge?

„Wir haben kein Patentrezept“, sagt Günther Manstorfer. Er freue sich nach wie vor über jeden, der in die Berge gehe und dort Freude habe. „Und mir ist es gleich, ob er mit der Seilbahn hochfährt, zu Fuß geht oder E-Mountainbike fährt.“

Neubau-Stopp für Schutzhütten und Wege

Der Alpenverein will die Besucherströme nicht stoppen, aber lenken. „Ob noch mehr Leute auf die Zugspitze gehen, macht dem Berg glaube ich nicht so viel aus“, sagt DAV-Sprecher Thomas Bucher. Andere Gebiete seien sensibler. Während die Vereinsgründer sich darauf konzentrierten, neue Hütten und Wege zu bauen, beschloss der DAV 1958 einen Neubau-Stopp. „Die Erschließung der Alpen ist für uns abgeschlossen“, sagt Bucher. Seit 2005 ist der DAV als Naturschutzverband anerkannt. Der Verein sei „Anwalt der Alpen“, heißt es auf der Homepage. Die Spannung zwischen Naturschutz und Naturnutzung ist den Alpinisten bewusst.

Lange Zeit ausgeblendet wurde hingegen die Rolle des DAV im Nationalsozialismus. 1924 schloss der Verein die Sektion „Donauland“ aus, in der vor allem jüdische Mitglieder vertreten waren. Neun Jahre bevor Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, war der Alpenverein ein völkischer Vorreiter.

„Wir haben daraus geschlossen, dass wir niemanden ausschließen wollen“, kommentiert Bucher die NS-Vergangenheit des Vereins. Der Alpenverein hat den damaligen Antisemitismus in den eigenen Reihen mittlerweile aufarbeiten lassen. Das Friesenberghaus in den Zillertaler Alpen, das die Sektion Berlin ab 1928 mit Hilfe der Sektion Donauland baute, ist heute eine Begegnungsstätte für Toleranz.

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Neues Routenbuch und Filmtour


Der DAV hat ein umfangreiches Tourenbuch veröffentlicht: „Die 150 schönsten Touren zwischen Harz und Hohen Tauern“ beinhaltet Wanderungen, Hochtouren und Klettersteige – in Deutschland, Österreich und Südtirol. Das Buch enthält zwei Faltkarten, dazu gibt es die GPS-Routen zum Download. Preis: 14,90 Euro.

Die Filmtour „Berge 150“ des Vereins widmet sich Bergfilmen aus den vergangenen 100 Jahren. Es geht ums Skifahren, Bergsteigen und Klettern – und um große Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt. Tickets und Termine gibt es online unter www.alpenverein.de. eb