„Nusfjord“ Für Fischers flinke Fritzen

Schnell gespielt mit Tiefgang: Nusfjord.
Schnell gespielt mit Tiefgang: Nusfjord. © Foto: Lookout
Ulm / Fabian Ziehe 10.11.2018

Manchmal entführen Spiele einen an Orte, die einem wenig sagen. Nusfjord auf den norwegischen Lofoten etwa, ein altertümliches Fischerdörfchen. Warum dort ein Fischfang-Imperium aufbauen? Egal: Da es ein neues Spiel von Kultautor Uwe-Rosenberg ist, stechen wir in See und schauen, was wir da spielerisch aus dem Fjorden angeln können.

Fische für die Ältesten

Der Aufbau geht flott: Jeder erhält ein Tableau, auf dem er Wälder rodet, Gebäude baut und Kutter hortet. Dafür kann er Spezialisten, so genannte „Älteste“ anheuern, ihm bis Spielende individuelle Aktionen eröffnen. Daneben gibt es einen gemeinsamen Plan mit elf Aktionsmöglichkeiten, die man ebenfalls mit seinen drei Arbeiter-Steinen in den sieben Runden aktivieren kann. Entsprechend einer Kartenauslage bauten die Spieler Gebäude, die Siegpunkte, Sonderfähigkeiten und Einnahmen von Holz, Fisch oder Geld bringen – wobei letztes am Ende 1:1 mit Siegpunkten gleichzusetzen ist. Soweit also ein klassischer „Rosenberg“.

Zwei neue Kniffe

Der erste neue Kniff ist die der Aktionsauswahl-Phase vorgeschaltete Fang-Phase: Entsprechend seiner Flotte erhält man Fische und verteilt sie: An die eigenen Ältesten, dann an die Anteilseigner  am eigenen Fischereibetrieb – also sich selber oder Mitspieler, der Rest landet in den eigenen Rücklagen, auf die man nur indirekt Zugriff hat.

Der zweite neue Kniff im Spiel ist, dass die Ältesten nur aktiv werden, wenn sie von einer Tafel einen Fisch erhalten. Diese Auslage befüllen alle Spieler gemeinsam, im Gegenzug gibt’s Geld. Daraus resultiert ein Dilemma: Soll man Fisch in Bares umwandeln und den anderen so die Möglichkeit eröffnen, ihre Ältesten einzusetzen?

Ein Spiel, das belohnt

Das schafft angenehme Interaktion jenseits des Wegschnappens von Aktionen auf dem gemeinsamen Spielplan – ohne dadurch konfrontativ zu werden. Und auch wenn man von Rohstoffen und Siegpunkten nicht überhäuft wird, auch wenn man am Anfang Rosenberg-typisch erstmal ein paar Minuspunkte nivellieren muss: Man wird in "Nusfjord" oft belohnt: Die Fisch- und Holzberge wachsen, die Synergien der Karten machen Laune. Apropos Karten: Damit man nicht immer mit denselben Gebäuden hantiert, kann vor Spielbeginn zwischen drei Kartendecks wählen. Ein viertes kann man sich mittlerweile noch dazu kaufen.

Tief statt trüb

Kritiker werfen dem Spiel vor, ein zu typischer Rosenberg zu sein und beklagen die geringe Innovation – was isoliert und durch die Brille von Vielspielern betrachtet nachvollziehbar ist. Übersehen wird dabei, dass es bislang noch kein anderes so zugängliches, hinsichtlich des Regelwerks schlankes Arbeiter-Einsetz-Spiel des Erfolgsautors gibt. Kein Rosenberg dieser Kategorie spielt sich annähernd flott und eröffnet doch so viele Strategien zum Ausprobieren. Spieltiefe also, die einem Fjord durchaus angemessen ist. Da wirft man gerne seine Netze aus.

In aller Kürze

„Nusfjord“


Von Uwe Rosenberg, 1 bis 5 Spieler, ab 12 Jahren, 20 Minuten pro Spieler, Lookout.

Unsere Wertung: 4 von 5 Sternen

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