Die weltpolitischen Ereignisse erlauben die These: Wählerstimmen sind nicht immer ein Beleg für Anstand, Aufrichtigkeit und Kompetenz eines Politikers. An dieser Erkenntnis kann man verzweifeln – oder ein Brettspiel daraus machen.

Von Jeff Pesos bis Billy Hill

Bei „From Idiot to President“ schlüpft jeder Spieler in die Rolle eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Zur Auswahl stehen Charaktere wie der Milliardär Jeff Pesos, der Hinterwäldler Billy Hill oder die „Eishöhlenbewohnerin“ Barra Cudovich. Es gilt, die Vorwahlen für sich zu entscheiden und die meisten Bundesstaaten und damit Wahlmänner zu gewinnen.

Mit Fake-News an die Macht

Jede der vier Runden läuft gleich ab: Zunächst ziehen alle Spieler Schlagzeilenkarten. Auf diesen befinden sich schwachsinnige Fantasie-Meldungen wie „Kandidat isst Ponys zum Frühstück“  oder „Kandidat öffnet Spam-Mails“. Doch genau dieser Schwachsinn ebnet hier den Weg zur Macht: Je mehr Schlagzeilen der Spieler erfüllt, desto mehr Bundesstaaten gewinnt er. Um Karten zu erfüllen, muss die geforderte Würfelkombination geworfen werden. Gewürfelt wird mit 24 Gemeinschaftswürfeln, die reihum aufgebraucht und auf Wählergruppen – Demonstranten, Flugreisende, Unterversicherte, Übergewichtige, Steuerhinterzieher und Nüchterne – gelegt werden. Es kann also auch passieren, das man unwissentlich dem Gegner in die Hände spielt. Wer Präsident werden will, braucht hier mehr Glück als Verstand. Wer Schlagzeilenkarten erfüllt, erhält dafür Spielsteine, mit denen Bundesstaaten auf dem Spielplan besetzt werden können.

Positiver erster Eindruck bleibt beim Spielen unbestätigt

Das Brettspiel wurde per Crowdfunding in den Handel gebracht und weckt mit seiner frechen Aufmachung und aktuellen Thematik durchaus Interesse. Leider kann das Spiel diesen positiven ersten Eindruck nicht ganz einlösen. An mehreren Stellen, beispielsweise beim Einsatz von Bonuskarten, wirken die Regeln nicht ausgereift, die Anleitung uneindeutig. Die Spielmechanik wird nach zwei Runden etwas monoton und lässt wenig Spielraum für taktische Variationen. Da sollten die Macher dringend nachbessern; aus der tollen Grundidee ließe sich sicherlich mehr herausholen.

In aller Kürze


„From Idiot to President“


Von Philipp Grasl und Florian Isensee, Verlag Haarenwerk, für drei bis fünf Spieler ab 12 Jahren, 30 bis 45 Minuten, ca. 50 Euro.

Unsere Wertung: 3 von 5 Sternen