Dickmacher oder Seelentröster? Eine Viertel Schokotafel am Tag ist vertretbar

Eine Viertel Tafel Schokolade pro Tag hält Professor Curt Diehm von der Max-Grundig-Klinik in Bühl für unproblematisch. Allerdings bei moderater Bewegung.
Eine Viertel Tafel Schokolade pro Tag hält Professor Curt Diehm von der Max-Grundig-Klinik in Bühl für unproblematisch. Allerdings bei moderater Bewegung. © Foto: Robert Günther/dpa
Bühl / Interview: Claudia Wittke-Gaida, dpa 03.12.2018
Für Schokolade gilt, was auf so vieles im Leben zutrifft: Die Dosis macht's. In Maßen kann die Dunkle gut für die Gesundheit sein, aber manchmal auch die grundsätzlich weniger gesunde Helle. Allerdings geht zu viel von beiden Sorten auf die Hüften.

Schokolade gilt als Nervennahrung, Seelentröster und hat gerade in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Und auch ihre Qualität hält zumeist, was sie verspricht. Im Test der Stiftung Warentest hat mehr als jede Zweite mit „gut“ abgeschnitten (Ausgabe 12/2018).

Doch was ist dran an den berühmten Schokoladen-Mythen? Drei Fragen an Professor Curt Diehm, Facharzt für Innere und Gefäßmedizin an der Max-Grundig-Klinik in Bühl (Baden-Württemberg):

Schokolade macht glücklich. Aber ist sie auch gut fürs Herz?

Professor Curt Diehm: Das kommt auf die Schokolade an. Sie kann das psychische Wohlbefinden beeinflussen und somit auch das Herz. Die dunklere Schokolade mit 70 Prozent Kakao-Anteil enthält Antioxidantien, die die Körperzellen schützen und beruhigen können. Das ist hilfreich gegen Stress. Flavonoide und Polyphenole in der dunklen Schokolade sind es, die gefäßerweiternd wirken. Die hellere ist wiederum gut für die Seele, was nicht zu unterschätzen ist. Denn das Herz wird psychisch mit gesteuert. So können die Glückshormone mit heller Schokolade aufgefüllt werden. Durch den hohen Zucker- und Fett-Anteil in Milchschokolade leider aber auch die Hüften.

Lange galt, dass dunkle Schokolade plus ein Gläschen Rotwein die Gefäße elastisch halten. Was denken Sie?

Diehm: Das ist überholt! Jeder Tropfen Alkohol erhöht die Rate, an Krebs zu erkranken. Aus medizinischer Sicht kann man also keinen Alkohol empfehlen.

Also nur Schokolade. Wie viel davon ist denn vertretbar?

Diehm: Ich halte bei moderater Bewegung eine Viertel Tafel Schokolade täglich für unproblematisch. Das sind 25 Gramm. Alles darüber hinaus geht an die Kalorien und Übergewicht.

Schokolade im Warentest

Was macht eine gute Schokolade aus? Sie sollte eine deutliche Kakaonote haben, sahnig im Geschmack sein und nach Karamell duften. Wenn die Tafeln dann noch frei von Luftbläschen sind, eine glatte Oberfläche haben und an den Bruchkanten nicht splittern, punkten sie bei der Stiftung Warentest. 21 von 25 getesteten Schokoladentafeln haben daher im Punkt „Sensorisches Urteil“ von den Testern die Note „gut“ oder „sehr gut“ erhalten, berichtet die Zeitschrift „test“ (Ausgabe 12/2018).

Die Gesamtbeurteilung fiel allerdings schlechter aus. Hier erhielten nur 15 Produkte die Note „gut“. Zu den Testsiegern gehören „Die gute Schokolade“ (1 Euro/100 g), „Marabou Mjölk Cjhoklad“ (1,12 Euro/100 g) sowie „Merci Edel-Rahm“ (1,30/100 g) und „Milka Alpenmilch“ (1 Euro/100 g).

Daneben vergab die Stiftung Warentest neunmal die Note “befriedigend“ und einmal „ausreichend“. Diese Tafel ist stark nickelbelastet, was laut der Zeitschrift allerdings nicht gesundheitsschädlich ist.

Lange waren Spuren von Mineralöl ein Problem bei Schokoladen. Nun attestieren die Warentester, dass die Hersteller das Problem mittlerweile „im Griff“ haben. Dazu sei keine Schokolade nennenswert mit Pflanzenschutzmitteln oder dem Schadstoff Kadmium belastet.

In einzelnen Fällen kritisieren die Tester eine kräuterartige Fremdnote im Geschmack oder eine irreführende Abbildung einer Vanilleschote auf der Verpackung, obwohl nur der Aromastoff Vanillin verwendet wird. Vanilleschoten oder -extrakte stehen zudem auf einigen Zutatenlisten, doch tatsächlich enthalte die Schokolade dann allenfalls nur Spuren davon, so die Tester.

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