Weihnachten Das Fest der Lügen und falschen Geschenke

Weihnachten dient vor allem den Bilanzen vieler Unternehmen. Im Online- und Einzelhandel macht das Weihnachtsgeschäft, wie hier auf der New Yorker Fifth Avenue, teilweise über ein Viertel des Jahresumsatzes aus.
Weihnachten dient vor allem den Bilanzen vieler Unternehmen. Im Online- und Einzelhandel macht das Weihnachtsgeschäft, wie hier auf der New Yorker Fifth Avenue, teilweise über ein Viertel des Jahresumsatzes aus. © Foto: Mark Lennihan/dpa
Weihnachten / Luca Schmidt 06.12.2018
Der Grinch hatte doch recht, oder: warum man die Weihnachtstage meiden und stattdessen lieber verreisen sollte.

Egal ob Geschenkirrsinn, Coca-Cola-Weihnachtsmänner oder schmelzende Lebkuchen bei 30 Grad Celsius im August: Kein Fest ist so kommerzialisiert wie Weihnachten. Freude bringt das Fest eigentlich nur der Wirtschaft: Online-Unternehmen machen rund 25 Prozent ihres Umsatzes in den Monaten November und Dezember. Und auch der Einzelhandel, der die Kunden in Endlosschleife mit „Last Christmas“ beschallt, profitiert.

Dabei wären vier von fünf Deutschen froh, wenn sie weniger, dafür aber nützliche Geschenke erhalten würden. Das belegt eine Studie des Unternehmens Groupon. Das ist aber noch nicht alles: Mit 45 Prozent sagt fast die Hälfte der Befragten, dass sie Dinge bekommen, die sie niemals benutzen würden.

Geschenke-Teufelskreis

Wer aber ein ungewolltes Weihnachtsgeschenk bekommt, der lächelt das meist einfach nur weg. Zwei von drei Beschenkten gaben an, dem Gegenüber nicht die Wahrheit zu sagen, um dessen Gefühle nicht zu verletzen und um nicht undankbar zu erscheinen. Das ist auch der Grund, warum der Teufelskreis der völlig überzogenen Schenkerei nicht durchbrochen wird.

Die Lügen fangen aber nicht erst bei den Geschenken an: Schon die Begründung des Festes steht auf wackeligen Beinen. In der Antike feierten Hochkulturen wie die Ägypter am 21. Dezember Geburtstage ihrer Sonnengottheiten. Später taten das auch die Römer und Germanen. Das Datum wurde wegen der Wintersonnenwende gewählt: ab dem 21. Dezember werden die Tage wieder länger.

Idee zum Weihnachtsfest geklaut

Im Christentum galt das Fest der Sonnenwende zunächst als heidnischer Brauch und wurde von den Kirchenoberhäuptern verboten. Um Heiden für die Religion zu gewinnen, widmeten sie das Fest um – im Jahr 217 setzte Papst Hippolytos sich für den 25. Dezember als Tag der Christgeburt ein. Jesus ist aber vermutlich eher im Herbst geboren worden.

Und dafür hetzen wir uns heute ab, immer auf der Suche nach dem perfekten Geschenk und ein bisschen weihnachtlicher Stimmung vor dem Pestizid-verseuchten Baum für 40 Euro oder mehr? Höchste Zeit also, dem Irrsinn zu entfliehen. Wir haben vier Ideen, wo ihr Ende Dezember ganz ohne Weihnachten verbringen können.

Tipp 1: Usedom

Statt Weihnachten zu feiern, kann man den Sonnenuntergang auf Usedom genießen.
Statt Weihnachten zu feiern, kann man den Sonnenuntergang auf Usedom genießen. © Foto: Stefan Sauer/dpa

Nicht ganz Deutschland ist vom Weihnachtsfieber gepackt. Eine Unterkunft auf Usedom hört nicht auf, dem Wahnsinn Widerstand zu leisten. Gemeint ist das „Casa Familia.“ Hier gibt es Angebote für alle Weihnachtsmuffel. So kann man sich zum Beispiel drei Tage lang bei Massage und Sauna verwöhnen lassen, ganz ohne Weihnachtslieder, Advents- und Weihnachtsschmuck.

Tipp 2: Ganz weit weg

Wer die Weihnachtstage satt hat und nichts mehr mit dem ganzen Trubel zu tun haben möchte, der sollte sich überlegen, ob er nicht einmal ein exotisches Reiseziel besuchen möchte, zum Beispiel die Salomonen bei Australien. Je nach Abflughafen kann die Reisedauer schon einmal länger als drei Tage betragen. Wer also am 23. Dezember spät abends losfliegt, hat wenn er ankommt das meiste schon hinter sich gebracht.

Tipp 3: Ägypten und Russland

Weihnachten kann man aber auch geschickter umgehen: Orthodoxe und koptische Christen feiern die Geburt Jesu erst am 7. Januar – am 29. Tag des koptischen Monats Khiakh. Wer also beispielsweise vom 23. bis 27. Dezember einige Tage in Russland oder Ägypten verbringt und danach zurückkommt, lässt Weihnachten einfach aus.

Tipp 4: Weihnachten strengstens verboten

Weihnachten zu feiern ist in Nordkorea strengstens verboten.
Weihnachten zu feiern ist in Nordkorea strengstens verboten. © Foto: dpa

Für alle, die es wirklich extrem mögen: Nordkorea. Hier ist Weihnachten verboten. Bereits der Besitz einer Bibel reicht, um ins Arbeitslager gesteckt zu werden – denn schließlich gibt es nicht Höheres als den jeweiligen Führer im Land, auch keinen Gott. Länder wie Somalia, Tadschikistan und Brunei hatten Weihnachten in der Vergangenheit ebenfalls schon verboten. Das Fest gefährde den muslimischen Glauben.

Und wer doch nicht weg will, dem bleibt nur eines: Anfang Dezember Vorräte bis Januar kaufen, Urlaub nehmen und es sich zu Hause bei diversen Serienmarathons auf dem Sofa gemütlich machen. Denn Winterschlaf kann schließlich nicht nur für Bären gesund sein.

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