„Mein Kontrabass“ heißt die neue CD von Ödön Rácz. Seit 2009 ist der aus Budapest stammende Künstler Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker. Das Instrument sei so reich an Möglichkeiten „wie sonst nur die menschliche Stimme“, konstatiert er. Stimmt! Die drei auf der CD präsentierten Werke begeistern: „Gran duo concertante“ von Giovanni Bottesini, „Le Grand Tango“ von Astor Piazzolla und „Divertimento concertante“ von Nino Rota. Gemeinsam mit Noah Bendix-Balgley (Violine), János Balázs (Klavier) und dem Franz Liszt Chamber Orchestra unter der Leitung von Speranza Scappucci gelingt dem Solisten eine Darbietung von zugleich singender und tänzerischer Ausdruckskraft. Der Kontrabass, so viel ist klar, stellt manch anderes Solo-Instrument locker in den Schatten. Buchstäblich (Deutsche Grammophon/Universal).

Herr Rácz, welches Konzept liegt Ihrer CD zugrunde?

Ich wollte eine andere Dimension, eine andere Seite meines Instruments zeigen. Bei meiner ersten CD ging es um den Wiener Klang und Stil, das neue Album unterscheidet sich gänzlich davon. Ich habe sehr virtuose und technisch hoch anspruchsvolle Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert ausgesucht, die den Kontrabass in all seinen Facetten zeigen und beweisen, dass er ein genauso vielseitiges Solo-Instrument ist wie die Geige oder das Cello.

Welche Geschichte steht hinter dem „Gran Duo concertante“ von Bottesini?

Der Komponist hat dieses Stück ursprünglich für zwei Kontrabässe geschrieben, in seiner Zeit aber keine richtigen Partner gefunden. Der Geiger Camillo Sivori, ein Schüler Paganinis, schrieb einen Part des Werks für Violine um und  führte es gemeinsam mit Bottesini in London erstmals auf. Es war mein Wusch, das Stück mit Noah Bendix-Balgley, dem Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, aufzunehmen, weil nach meinem Geschmack dieses Stück heutzutage niemand besser spielen kann als er.

Und was begeistert Sie an dem „Divertimento concertante“ von Nino Rota?

Ich liebe seine Musik! Alle Fähigkeiten meines Instruments – Flageoletts, Doppelgriffe, rasche Sechzehntel, harte und weiche Akzente, schnelles und langsames Vibrato – kann ich in dem Werk zum Ausdruck bringen. Wenn man hier zu sehr an den Saiten spielt, trifft man den Charakter des Stückes meiner Ansicht nach nicht. Ich musste also jedes Mal den goldenen Mittelweg finden, ansonsten würde die Musik entweder zu kitschig oder zu trocken klingen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.