Mit seiner CD-Aufnahme des wunderbar hochromantischen Streichquartetts von César Franck macht das Eliot Quartett gerade Furore. Am kommenden Mittwoch, 18. Januar 2023, 20 Uhr, gastiert das Ensemble in der Reihe „klassisch!“ im Stadthaus. Ein Gespräch mit Alexander Sachs, der die 2. Violine spielt.

Dass sich ein Quartett nach einem Dichter benennt, ist eher ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

Alexander Sachs: Früher war es fast schon Standard, sich nach einem Komponisten zu benennen, viele Namen sind aber schon lange vergeben (lacht). Wir haben uns auch deshalb nach T.S. Eliot benannt, weil dieser Dichter eine starke Affinität zur Musik hatte, insbesondere zu Beethoven und dessen späten Streichquartetten. Eliot hat versucht, den „Heiligen Dankgesang“ aus Opus 132 in sein bekanntestes Werk, die „Four Quartets“, zu integrieren. Es ist in Sätze gegliedert und liest sich tatsächlich sehr musikalisch.

Wie hat sich das Eliot Quartett gefunden?

Kennengelernt haben wir uns über die Musikhochschule in Frankfurt am Main, die Verbindung bestand aber schon länger. Ich selbst bin vor 14 Jahren aus Kanada zum Studieren nach Deutschland gekommen und habe da Dmitry Hahalin, unseren Bratscher, getroffen, der aus Moskau gekommen war. Dmitry und Maryana Osipova – das ist unsere Primaria – kannten sich bereits aus Moskau. Und unseren Cellisten Michael Preuss haben wir auch in Frankfurt kennengelernt.

Sie sind ein internationales Ensemble. Inwiefern beeinflusst das Ihr Spiel und die Auswahl des Repertoires?

Wir versuchen vor allem solche Werke zu spielen, die auf der Bühne eher selten zu hören sind – wie etwa das Streichquartett von César Franck. Oft graben Dmitry und Maryana russische Werke aus, die Michael und ich nicht kennen, das ist dann immer sehr spannend (lacht). Was unser Zusammenspiel betrifft, sind wir eher europäisch als russisch ausgerichtet. Wir sehen uns als ein internationales, mehrsprachiges Ensemble und fühlen uns keiner bestimmten Schule zugehörig.

Gastiert das Eliot Quartett zum ersten Mal in Ulm?

Das ist wirklich unser Ulm-Debüt, und ich persönlich freue mich schon sehr darauf, in dieser wunderschönen Stadt zu spielen. Wir alle sind sehr neugierig auf den Saal, das Stadthaus, weil wir schon viel darüber gehört und gelesen haben. Wir fanden besonders schön, dass der Veranstalter nicht von uns verlangt hat, nur bekannte Werke zu spielen,  sondern uns freie Hand gelassen hat. Dieses Konzept hat uns ziemlich begeistert, und so konnten wir dann Stücke aufs Programm setzen, die zwar toll sind, aber nur eher selten die Chance haben, bei Konzertreihen zu erklingen.

Das 7. Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch hört man tatsächlich eher selten.

Es ist 1960, also nach dem Tod Stalins, entstanden; da hatte Schostakowitsch seine volle künstlerische Freiheit gewonnen. Trotzdem hört man gerade in diesem Werk die Angst und die Getriebenheit des Komponisten, der ja unter dem Diktator immer mit seiner Deportation und Exekution rechnen musste und deshalb buchstäblich auf gepackten Koffern saß. Gewidmet hat er dieses kurze und überaus intensive Werk seiner sechs Jahre zuvor verstorbenen Frau Nina, es leistet ganz hörbar Trauerarbeit auf mehreren Ebenen. Die Emotionen werden in dem Quartett trotzdem sehr gedeckelt. Nur im letzten Satz brechen sie sich in einer völlig verrückten Fuge kurz Bahn, werden dann aber wieder schnell gebändigt.

Cesár Francks Streichquartett von 1889 ist das Hauptwerk des Abends. Der belgisch-französische Komponist war ein berühmter Organist  – ist das auch  in dieser Kammermusik zu hören?

Man hört die Orgel schon deutlich, das bestätigen uns auch immer wieder viele Hörer nach unseren Aufführungen. Allein schon der Anfang mit den drei liegenden Akkorden und den Doppelgriffen, über die dann die Melodie drübergelegt wird, ist überaus orgelmäßig empfunden. In seiner orchestralen Klangfülle und thematischen Arbeit ist dieses ausufernde Streichquartett wirklich ein Paradebeispiel der franko-flämischen Hochromantik. Wer das Werk noch nie gehört hat, darf sich im Konzert auf eine positive Überraschung gefasst machen. 

Joseph Haydns „Reiterquartett“

Das nach dem US-amerikanischen Dichter T.S. Eliot (1888-1965) benannte Eliot Quartett zählt zu den vielversprechenden Streichquartetten der neuen Generation. Am Mittwoch, 18. Januar, 20 Uhr, gastiert es in der Reihe „klassisch!“ im Stadthaus. Auf dem Programm: Werke von Joseph Haydn („Reiterquartett“), Dmitri Schostakowitsch (Nr. 7) und César Franck. Karten: SÜDWEST PRESSE+Hapag Lloyd Reisebüro im Hafenbad, an allen Reservix-Vorverkaufsstellen und unter swp.de/ticketshop