Mit einem Konzert des Quartetto di Cremona beginnen kommende Woche, am 17. September, wieder die „klassisch!“-Konzerte im Stadthaus – nach eineinhalb Jahren Corona-Pause. Die international gefeierten Italiener, ausgezeichnet auch mit einem „Echo-Klassik“, spielen Streichquartette von Verdi und Saint-Saëns sowie eine deutsche Erstaufführung des Komponisten Nimrod Borenstein. Ein Gespräch mit dem Bratschisten Simone Gramaglia.

Wie haben Sie als Quartett die Corona-Zeit erlebt? Italien hatte es ja besonders stark getroffen.

Simone Gramaglia: Es war natürlich auch für uns – wie für alle Künstler – eine schwierige Situation. Zwei Tage vor dem kompletten Lockdown in Italien haben wir unser letztes Konzert in Agadir gegeben. Wir mussten nach dem Konzert förmlich zum Flughafen sprinten, denn der Konsul ermahnte uns: „Lauft! Es besteht die Möglichkeit, dass alles gestoppt wird. Nehmt den nächsten Flug.“ Wir hatten Glück und schafften noch das letzte Flugzeug nach Italien. Dort empfing uns eine surreale Situation, denn wir wussten nicht, was die Zukunft bringt. Wir hatten die Informationen aus all den Städten wie Cremona, Bergamo oder Brescia, die so schwer vom Virus getroffen worden waren. Insgesamt gesehen verschaffte uns dieser Zeitabschnitt die Möglichkeit, über das Leben an sich nachzudenken. Aber nun hoffen wir alle, dass wir das Schlimmste hinter uns gebracht haben und dass es nun wieder besser wird.

Quartetto di Cremona – der Name ist sicherlich eine Verpflichtung für Sie. Wie kam es dazu?

Wir sind alle in Genua geboren, trafen uns aber während unseres Studiums an der fantastischen Privatakademie in Cremona: der Accademia Stauffer. Dort spielten alle Studenten im Italian Chamber Orchestra. Mit diesem tourten wir vor 21 Jahren durch Südamerika, und Christiano, unser erster Violinist, gab dabei den Anstoß zur Quartettgründung. In Cremona probten wir erstmals, dabei wurden wir sehr schnell von der Accademia Stauffer unterstützt – und hinzu kam die herausragende Geigentradition dieser Stadt, wo Amati oder Stradivari ihre Werkstätten hatten.

Giuseppe Verdi hat nicht nur Opern geschrieben, sondern auch ein Streichquartett. Was bedeutet Ihnen dieses Werk?

Die Musik von Verdi ist etwas, das wir in unserem Blut haben, denn wir wachsen mit dieser Musik auf und lieben sie. Verdi wollte zeigen, dass auch ein Italiener in der Lage dazu war, ein Streichquartett in der deutschen kammermusikalischen Tradition zu schreiben. Das Streichquartett ist sehr streng, besitzt eine unglaublich komplexe Struktur und eine großartige Form. Der letzte Satz ist ein fantastisches Beispiel für den Kontrapunkt und doch lebt es immer von diesen bewundernswerten Melodien, wie sie nur ein Genie wie Verdi schreiben konnte.

Welche Art von Musik erwartet die Hörer beim Streichquartett „Cieli d’Italia“ von Nimrod Borenstein?

Das Werk hat den italienischen Himmel zum Thema. Nimrod lebt in London, aber er ist mit einer italienischen Frau verheiratet, und die beiden lieben Italien und sind deshalb oft dort vor Ort. Und dabei hat er immer die verschiedenen Facetten des italienischen Himmels geliebt. Auch wenn diese Musik so scheinbar leicht und wunderschön daherkommt und man romantische Anklänge finden kann, ist sie doch sehr komplex. Deshalb muss man als Streichquartett dieses Stück auch besonders sorgfältig spielen und die Melodien sehr klar herausstreichen. Wir lieben dieses zeitgenössische Werk sehr. Es bringt Menschen, die der Musik der Gegenwart vielleicht skeptisch gegenüberstehen, ein moderat modernes Werk auf annehmbare Weise nahe.   

Werke von Borenstein, Saint-Saëns und Verdi

Die vergangene Saison der „klassisch!“-Konzerte musste wegen der Pandemie komplett ausfallen, weshalb die drei zu einem Abonnement gebündelten Konzerte jetzt 2021/2022 im Stadthaus über die Bühne gehen. Zum Auftakt spielt das Quartetto di Cremona am Freitag, 17. September, 20 Uhr, Streichquartette von Giuseppe Verdi, Camille Saint-Saëns (op. 122) und Nimrod Borenstein („Cieli d’Italia“). Einzelkarten gibt es im SÜDWEST PRESSE Hapag Lloyd Reisebüro (Hafenbad 4) und auf www.swp.de/ticketshop. Es gilt die 3G-Regelung und Maskenpflicht.