Jetzt hat der Meister seinen Auftritt, also nicht Cornelius Meister, der Dirigent des neuen „Rings“, sondern der Wagner-Großmeister Christian Thielemann: grenzenloser Jubel im Bayreuther Festspielhaus nach einem wunderbaren „Lohengrin“. Romantisch glühend, zupackend, das Festspielorchester unter Strom. Da hatte es im Vorfeld ein paar Schlagzeilen gegeben, dass Thielemann zwei Kontrabassistinnen gemobbt habe – ein Vorwurf, der sich in Luft auflöste. Der Dirigent war nur mäkelig gewesen, weil ihm sein geliebtes Festspielorchester offenbar nicht in gewohnter Stärke zur Verfügung stand; es hatte, wie man hört, zahlreiche Wechsel gegeben. Thielemann jedenfalls hat seinen transparenten, allemal auch mächtig lyrischen Klang wiedergefunden.
Das mit dem Strom ist passend metaphorisch gesagt, denn in dieser „Lohengrin“-Inszenierung von Yuval Sharon, die geprägt ist von der bevorzugt in „Delfter Kachelblau“ gestalteten Bühne von Starkünstler Neo Rauch und seiner Frau Rosa Loy, beherrscht eine Transformatoren-Station die Szenerie. Nur dass Brabant ein Energieproblem hat und die Lichter ausgehen, weshalb der Elektriker Lohengrin als Retter kommen muss. Wie aktuell!
Nach drei Jahren hat Bayreuth diese vor allem malerische, das Fanfarengetöse geradezu übermalende Inszenierung der schwierigen Heilsoper Richard Wagners wieder auf dem Spielplan – und das Publikum, vor allem auch jene Festspielbesucher, die den neuen „Ring des Nibelungen“ erleiden, zeigtn sich überaus erlöst vom Bösen des Regietheaters. Andere aber schätzen jetzt Valentin Schwarz‘ Einfallsdauerbeschuss im „Ring“ wieder mehr.

Klaus Florian Vogt singt begnadet die Titelpartie

Aber die Musik: Begnadet singt Klaus Florian Vogt den Lohengrin – immer noch mit der unschuldigsten Stimme ever. Mein lieber Schwan! Fein und lieb die Elsa von Camilla Nylund, während Petra Lang doch arg ausgesungen die Ortrud gibt. Stark Georg Zeppenbfeld als König Heinrich und Martin Gantner als Telramund.