Ihr Glücksschwein ist auch in Sotschi dabei. Das kleine Maskottchen hat Shorttrackerin Anna Seidel schließlich schon in der Olympia-Qualifikation geholfen, das Ticket zu holen.

Mit ihren erst 15 Jahren erlebt die Schülerin des Dresdner Sportgymnasiums nun in Sotschi ein echtes Wintermärchen, auch wenn die Temperaturen am Schwarzen Meer vermutlich wenig winterlich anmuten werden.

Ihre - teils schon olympia-erfahrenen - Mannschafts-Kollegen staunten gewaltig, als sich ausgerechnet die zierliche, nur 43 Kilogramm schwere Anna im russischen Kolomna die Olympia-Fahrkarte über 1500 Meter sicherte. Die deutsche Juniorenmeisterin profitierte von drei Stürzen der Konkurrentinnen im Halbfinale, stand in den Top Sechs und holte so den einzigen Sotschi-Platz für die deutschen Shorttrackerinnen.

Seitdem muss sie sich einer Vielzahl von Medienanfragen stellen. "Es war schon ein bisschen ungewohnt. Aber meine Eltern passen auf, dass es nicht zu viel für mich wird. Ich kriege das eigentlich ganz gut hin", meinte die Jüngste des deutschen Teams. Besonders über die Anfrage der "Bravo Girl" habe sie sich gefreut, da sie die selbst gern gelesen habe. Die Generalprobe bei der EM in ihrer Heimatstadt verlief nicht so glücklich: Sie stürzte als Schlussläuferin der Staffel im Halbfinale und rutschte auf dem Bauch über die Ziellinie.

Nach den verpatzten Staffel-Auftritten beider deutscher Teams in den vorangegangenen Weltcups war Anna Seidels erfrischender Auftritt in diesem Winter der einzige Lichtblick für die deutschen Kurzbahnsprinter, die ihre großen Ziele nicht annähernd erreichten. Die Verbands-Führung reagierte und beendete umgehend die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Bundestrainer Mike Kooreman. Sein Assistent Miroslav Boyadzhiev übernahm für Olympia die Aufgabe.

Neben Anna Seidel schaffte nur ihr Dresdner Vereinsgefährte Robert Seifert den Sprung nach Sotschi. Im Gegensatz zum Shorttrack-Küken hat der Sachse schon Erfolge aufzuweisen: Im November 2012 bescherte er dem Verband sogar den ersten Weltcupsieg. Dann stagnierte aber auch er, fühlte sich ausgepowert durch Kooremanns überaus hartes Trainings-Regime. In Sotschi will er bei seinen drei Starts vor allem auf seiner Spezialstrecke über 500 Meter nun einiges besser machen.

Beiden Deutschen werden keine Läufe in die Medaillenbereiche zugetraut. Zu groß klafft die Lücke zu den Konkurrenten aus den führenden Nationen wie China, Südkorea, Kanada und den USA. Zudem wird erwartet, dass sich in Sotschi auch die Gastgeber dank des eingebürgerten Südkoreaners Ahn Hyun-Soo, des dreimaligen Olympiasiegers von 2006, der als Victor An für Russland in Dresden Doppel-Europameister wurde, am Medaillenreigen beteiligen.