Hohenlohe Kriegsende 1945 (Teil 10): US-Soldaten nehmen blutige Rache in Jungholzhausen und Ilshofen

Hohenlohe / HARALD ZIGAN 16.04.2015
Bei den Kämpfen in Hohenlohe kommt es vereinzelt auch zu Kriegsverbrechen der US-Armee – vor allem für Soldaten der Waffen-SS gibt es keine Gnade.

Lange Zeit wurde der Mantel des Schweigens über die Kriegsverbrechen von US-Soldaten bei der Besetzung Deutschlands gedeckt. Der Historiker Klaus-Dietmar Henke, der Fälle vor allem in Süddeutschland untersucht hat, kam zu dem Schluss: "Die US-Army selbst ist Hinweisen und Gerüchten dazu offenbar weder 1945 noch später nachgegangen, sodass dieses düstere Kapitel wohl nie zweifelsfrei geklärt und der Aura eines zwielichtigen Lieblingsthemas apologetischer Autoren entkleidet werden kann".

Das änderte sich erst in den 1990er-Jahren, als Journalisten auf lokaler Ebene solche Gräueltaten aufdeckten. Die Berichte mit den präzisen Angaben von Augenzeugen weckten auch das Interesse der US-Armee.

Vor allem ein Fall, der sich am 15. April 1945 in Braunsbach-Jungholzhausen abspielte, zog im Jahr 1996 tatsächlich Ermittlungen der "Criminal Investigation Divison" (CID) der US-Armee nach sich. Es konnte aber seinerzeit von den US-Kriminalisten nicht mehr mit Sicherheit geklärt werden, wer für das Massaker an deutschen Soldaten verantwortlich war.

Pioniere der Wehrmacht und zum Großteil erst 17 Jahre alte Soldaten der Waffen-SS aus Leoben in der Steiermark lieferten sich damals in Jungholzhausen heftige Gefechte mit Einheiten des 254. US-Infanterieregiments, das bei den Kämpfen in Hohenlohe ebenfalls sehr hohe Verluste erlitten hatte - möglicherweise ein Motiv dafür, warum in diesem Dorf keine Gefangenen gemacht wurden.

Die Dorfbewohner zählten nach den Kämpfen die Leichen von 63 deutschen Soldaten, die in mindestens 13 Fällen wahllos von US-Soldaten erschossen wurden, obwohl sie sich bereits ergeben und ihre Waffen abgelegt hatten. Andere Quellen nennen bis zu 30 ermordete Soldaten.

Georg Baumann beobachtete eine der Hinrichtungen in Jungholzhausen: "In der Nacht . . . ließen sie vier SS-ler mit erhobenen Händen vor sich herlaufen. Mit der Maschinenpistole haben sie sie abgeschossen. Die SS-ler sind hingefallen, da haben sie ihnen mit der Pistole noch den Genickschuss gegeben."

Auf Befehl eines US-Offiziers mussten Einwohner von Jungholzhausen ein Massengrab für die Opfer anlegen, die dann aber mit Lastwagen nach Bensheim in Hessen abtransportiert werden.

Ähnliche Fälle sind auch aus anderen Ortschaften in Hohenlohe überliefert. So berichtete Fritz Ebert vom Landturm nahe Hörlebach über eine Beobachtung seines Vaters: "An der Hecke hinter unserer Scheune hatten 13 deutsche Soldaten Schützenlöcher ausgehoben. Als die Amerikaner kamen, wollten sie sich ergeben. Zwei Tage, nachdem die Amerikaner da waren, mussten ich und Nachbar Karl Grub die toten deutschen Soldaten einsammeln und nach Haßfelden bringen. Alle 13 Soldaten lagen auf den Knien und Ellbogen in ihren Löchern. Manche hatten noch das weiße Tuch in der Hand. Jeder hatte an der gleichen Stelle im Nacken von den ,Befreiern' den Genickschuss erhalten."

Im Heimatbuch der Stadt Ilshofen wird ebenfalls ein Kriegsverbrechen geschildert: "Hier sah man 16 tote SS-Männer, gleich einer Kette aneinandergereiht, liegen. Alle Anzeichen wiesen darauf hin, dass diese nicht im Kampf gefallen sind, sondern als Gefangene erschossen worden waren. Einzelne von ihnen trugen außerdem noch Stichwunden und Spuren von Kolbenhieben. Dies führt zur Annahme, dass bei ihnen bei der Erschießung der Tod nicht sofort eingetreten und nun auf diese Weise herbeigeführt worden war."

Wenige Tage vor dem Massaker in Jungholzhausen wüteten am 11. April 1945 Soldaten der 63. US-Infanteriedivision in dem Dorf Hermersberg bei Niedernhall (Hohenlohekreis). Hier kam es zu noch furchtbareren Exzessen von einzelnen US-Soldaten: Angehörige der Waffen-SS wurden nach den Kämpfen mit zugezogenen Drahtschlingen um den Hals tot aufgefunden. Augenzeugen aus Hermersberg sahen zudem, wie Gefangene ihre eigenen Gräber ausheben mussten und dann mit Klappspaten erschlagen wurden.

Dokumentiert ist auch die Erschießung von 36 zum Großteil erst 16 Jahre alten Soldaten der Waffen-SS aus Ellwangen am 22. April 1945 in Lippach bei Aalen-Westhausen durch Angehörige der 12. US-Panzerdivision. In dem Dorf kam es auch zu mehreren Vergewaltigungen.

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