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Heidenheim / Mathias Ostertag  Uhr
Mit dem Konzept der Vereinsfreunde verfolgt der 1. FC Heidenheim ein Modell, mit den Sportvereinen der Region in engem Kontakt zu bleiben. Mit zunehmendem Erfolg: mittlerweile gibt es schon fast 100 Vereinsfreunde.

Dass gute Freunde bekanntlich niemand trennen kann, wusste ja schon der Fußballkaiser Franz Beckenbauer. Und deshalb hat auch der 1. FC Heidenheim fast vier Jahre an einem Konzept gebastelt, das nun seit März 2018 aktiv umgesetzt wird: die Vereinsfreundschaften mit Amateurfußballmannschaften aus der näheren Umgebung.

Mittlerweile zählt der FCH exakt 99 Vereinsfreunde in der Region, die meisten stammen aus dem Kreis Heidenheim bzw. dem Fußballbezirk Ostwürttemberg – es gibt aber über diesen geografischen Raum hinaus schon etliche weitere Amateurteams, mit denen der Heidenheimer Profiklub mittlerweile kooperiert. Vereinsfreunde finden sich bereits in Reutlingen, Kempten oder bei Crailsheim – und es kommen regelmäßig weitere Amateurteams dazu.

Dreimal so viele Vereinsfreunde wie geplant

Angetreten war der FCH vor etwas mehr als einem Jahr mit dem Motto „Wir für unsere Region“ – und dem Ansinnen, im ersten Jahr mit etwa 35 Vereinen eine solche Kooperation einzugehen. Tatsächlich sind es fast dreimal so viele. Ins Boot holen will der FCH vor allem Vereine im Umkreis von 70 bis 80 Kilometern rund um Heidenheim. „Wir wollen die Menschen zwischen Stuttgart und Augsburg für den FCH begeistern und als Fans und hoffentlich auch Mitglieder für uns gewinnen“, erklärt Vorstandsmitglied Florian Dreier. In diesem ländlich geprägten Gebiet leben rund 500 000 Menschen und sind 12 000 Unternehmen tätig – und in diesen sieht der FCH das Potenzial, sie nicht nur zu den Heimspielen in die Voith-Arena zu locken, sondern auch den einen oder anderen neuen Mitarbeiter, Nachwuchsspieler oder auch Sponsor zu gewinnen.

Zielgruppe: aktive Amateurfußballer

Das Konzept der Vereinsfreunde nimmt dabei eine besondere Zielgruppe in den Blick: die aktiven Amateurfußballer. Diese müssten durch ihre hohe Affinität für das Thema Fußball nicht neu begeistert werden, viele sympathisierten schon jetzt mit dem FCH oder könnten zumindest an das Thema herangeführt werden, so Dreier. Als Profiverein könne man dabei Erfahrungen und das Wissen aus mittlerweile zehn Jahren im Profifußball weitergeben – „auch wenn völlig klar ist, dass sich vieles nicht eins zu eins herunterbrechen lässt“, so der Vorstand für Marketing und Vertrieb. „Im Sinne eines Mentors geben wir unser Know-how an die Amateurvereine weiter, um den Fußball in unserer Region zu entwickeln und zu stärken.“

Konkret bedeutet das, dass der FCH seinen Partnern verschiedene Leistungen anbietet: zum Beispiel die Einladung zu einem Zweitligaheimspiel, die Chance, ein Testspiel in der Sommervorbereitung des FCH zu gewinnen, aber auch regelmäßige spezielle Themenabende für die Verantwortlichen der Amateur-Klubs: „Beim letzten Mal haben wir unser Sponsoring-Konzept erklärt und auch Holger Sanwald mit ins Boot geholt, der schon allein aufgrund seines Werdegangs authentisch den Weg vom Amateur-zum Profiverein rüberbringen kann“, so Florian Dreier. Auch wurde schon das Hartmann-Nachwuchsleistungszentrum besucht und die Arbeit dort präsentiert, künftig sind auch regelmäßige Trainer-Fortbildungen geplant. „Wir wollen vermitteln, dass Amateur- und Profifußball voneinander profitieren können. Etwa, wenn Spieler bei uns ausgebildet werden, den Durchbruch als Profi nicht schaffen und zu den Amateurvereinen der Region zurückkehren“, so Dreier weiter.

SV Bolheim war der erste Vereinsfreund

Als erster Verein ging im Frühjahr 2018 der SV Bolheim eine Vereinsfreundschaft ein, es folgten unter anderem Türkspor Heidenheim, die TSG Schnaitheim, der SV Neresheim und SVH Königsbronn sowie der VfL Gerstetten, bevor auch etliche Vereine aus benachbarten Landkreisen zum Zug kamen. Zuletzt gingen unter anderem größere Vereine wie der SV Mergelstetten und die TSG Giengen, aber auch Eintracht Staufen, der FV Burgberg und der RSV Hohenmemmingen die Kooperation ein. Der SV Mergelstetten liegt mit seinem Sportgelände schon rein geografisch dem 1. FC Heidenheim am nächsten – natürlich erhoffen sich der Vorsitzende Thomas Bassmann und Fußball-Abteilungsleiter Thomas Potzner von der Zusammenarbeit einen Mehrwert für den eigenen Klub.

Ein Vorteil sei neben der Weitergabe der Erfahrungen an die Amateurvereine und Vorträgen bzw. Beratungen zu Themen der Vereinsorganisation (Nachwuchsarbeit, Mitgliedergewinnung, Werbung und Sponsoring) auch die Aufmerksamkeit durch die mediale Berichterstattung und Präsenz im Umfeld des FCH, so Martin Bürger. Gemeinsam mit Simon Ludwig betreut Bürger aufseiten des FCH das Thema Vereinsfreundschaft – und ist somit auch erster Ansprechpartner bei allen Fragen, die bei den Amateurvereinen aufkommen. „Wichtig ist, den Kontakt zu den Vereinen zu pflegen, ohne sie zu überfrachten“, so Bürger.

Langfristig will der FCH die rund 250 Vereine, die sich in dem Einzugsgebiet von 80 Kilometern befinden, für den Profiklub begeistern. Damit könnte man knapp 250 000 Menschen erreichen – rechnet man grob, dass die Vereine im Schnitt um die 1000 Mitglieder haben. „Dazu kommen noch Familie, Freunde und weitere Menschen aus dem Umfeld der Vereinsmitglieder“, so FCH-Vorstand Florian Dreier. Und damit erhöht sich auch für den Zweitligisten die Chance, regelmäßig vor ausverkauftem Haus in der Voith-Arena zu spielen.

Was hat der Amateurverein von der Vereinsfreundschaft?

Neben der Möglichkeit, in einem Testspiel gegen die Zweitligaprofis anzutreten, gibt es aus Sicht des FCH weitere Vorteile für die Amateurteams:

Zum Start der Vereinsfreundschaft gibt es einen hochwertigen Spielball des Ausrüsters Nike sowie 20 Warmlauf-Shirts.

Für den Verein gibt es einen „Wir für unsere Region“-Wimpel zum Aushang im Vereinsheim.

Zur Dokumentation der Vereinsfreundschaft übernimmt der FCH die Kosten für eine Werbebande am Sportplatz des Vereinsfreunds.

Am Vereinsheim werden zudem mit Plakaten die Heimspieltage des FCH angekündigt.

Auch medial ist die Präsenz höher, etwa durch das „Liken“ durch die Facebook-Seite des Vereins.

Unterstützung erhalten die Vereine auch bei Promotionaktionen des FCH und seiner beteiligten Partner.