Es brodelt in der katholischen Kirche. Bundesweit begehren Frauen auf. Sie haben genug vom stillen Dienen. Mitsprache und Reformen fordern sie. Nicht aus Geltungsbedürfnis, sondern weil sie sehen, in welcher Glaubwürdigkeitskrise die männergeführte katholische Kirche heute steckt. Das jahrzehntelange Ignorieren und kriminelle Vertuschen von sexuellen Missbrauchsverbrechen war auch deshalb möglich, weil Kleriker unter sich geblieben sind. Sie schützten sich, ihr Ansehen und das der Kirche. Das Leid der Opfer stand hinten an. Es sind diese Strukturen, die zum tiefen Fall der katholischen Kirche führten. Wie könne das Evangelium da noch leuchten?, fragten sich fünf Frauen in Münster und lösten mit ihrer Aktion „Maria 2.0“ ein Kirchenbeben aus, das über Deutschland hinaus wirkt.

Es ist ein Aufstand aus dem Zentrum der Kirche. Viele der jetzt Protestierenden übernehmen seit Jahrzehnten unbezahlte Dienste. Sie putzen, sorgen für Blumenschmuck, besuchen Kranke, erteilen Kommunion- oder Firmunterricht – tausend Dienste, aus denen ein Gemeindeleben besteht. Lohn, im Sinne von gleichberechtigter Teilhabe, wurde ihnen dafür verwehrt. Nur geweihte Männer haben in der katholischen Kirche Entscheidungsmacht.

Geht es nach der Kirchenzentrale in Rom, soll es dabei bleiben. Die Revolution von oben findet nicht statt – auch nicht unter Papst Franziskus. Was die Zulassung von Frauen zum Priesteramt betrifft, will er sich an die Linie seiner Vorgänger halten. 1994 zurrte Papst Johannes Paul II. zum vorläufig letzten Mal das Nein der Amtskirche zum Priesteramt für Frauen fest. Nicht einmal beim Frauendiakonat sind schnelle Änderungen zu erwarten. In einem vom Papst einberufenen Gremium zum Frauendiakonat sitzen so viele Konservative, dass es keinen Ruck geben wird. Nun lässt Franziskus weiter forschen, ganz so, als hätte die katholische Kirche in der westlichen Welt noch Jahrhunderte Zeit für Vertröstungen.

Doch gerade dort sind immer weniger Kirchenmitglieder bereit, das antiquierte Frauenbild einer männerdominierten Kirche hinzunehmen. Der jetzige Aufstand hat die Unterstützung vieler Pfarrer. Sie wissen genau, dass eine Kirche ohne engagierte Frauen verkümmert. Eine so breite Einsatzbereitschaft, wie die Älteren sie erbringen, können und wollen junge Frauen nicht mehr leisten. Sie engagieren sich allenfalls noch situativ. Zum Beispiel beim Kommunionunterricht. Doch auch das wird rasch schwinden, wenn ihnen Respekt und Augenhöhe weiter verweigert wird.

Was also muss dem Kirchenstreik folgen? Frauen müssen schnell und sichtbar in Führungspositionen der Kirchen berufen werden. Denn nur dort, wo mindestens ein Drittel „Andere“ in Gremien sind, ist Umsteuern möglich, schreibt der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode seinen Amtskollegen ins Brevier. Damit ist es aber nicht getan. Frauen müssen in der katholischen Kirche Grenzen strapazieren mit kontrollierten Regelverstößen auf Basis des Evangeliums. In Jesus Christus haben sie dafür ein beeindruckendes Beispiel.

leitartikel@swp.de