In fast jedem Bild steckt ein Kunstwerk

Die Alternative: Irfanview ist vor allem für Einsteiger etwas leichter zu bedienen als das umfangreiche Gimp. Foto: dpa
Die Alternative: Irfanview ist vor allem für Einsteiger etwas leichter zu bedienen als das umfangreiche Gimp. Foto: dpa
DPA 14.12.2013
Mit der digitalen Technik sind die Möglichkeiten zur Bildbearbeitung geradezu explodiert. Machbar ist vieles, auch mit kostenloser Software. Regeln und eine feste Arbeitsreihenfolge bringen schnell Ergebnisse.

Mit etwas Glück und einem Computer lässt sich aus nahezu jedem Foto ein hervorragendes Bild herauskitzeln. Amateure können auch mit kostenlosen Programmen wie Gimp eine Menge erreichen. Für die Software gibt es viel Hilfe im Netz. Allerdings ist Gimp auch ziemlich umfangreich und kann Anfänger schnell einschüchtern. Nicht ganz so mächtig, dafür aber etwas leichter zu bedienen, ist das ebenfalls kostenlose Irfanview. Eine sehr intuitive Bedienung, mit der sich schon nach kurzer Eingewöhnung gut arbeiten lässt, bietet auch der FastStone Image Viewer.

Am Anfang der Bildbearbeitung steht das Sortieren. In einer ersten Runde sollte man alle misslungenen Fotos löschen, in einer zweiten alle "Geht so"-Bilder, raten Cora und Georg Banek in ihrem Buch "Bildbearbeitung und Präsentation. Digitale Bilder verstehen und optimieren". Bei einer drei- oder vierstelligen Zahl von Urlaubsfotos jedes einzelne gut zu bearbeiten, sei viel zu zeitaufwendig.

Außerdem sollten Bildbearbeiter gleich zu Beginn die Fotos vom JPG-Format ins PNG- oder Tiff-Format umwandeln. Darauf weist Udo Leist vom Berufsverband der Kommunikationsdesigner hin. Denn das JPG-Format hat die unangenehme Eigenschaft, die Bilddatei bei jedem Speichern weiter zu komprimieren und so die Qualität zu verschlechtern. Bei Farbverläufen oder Details fällt das besonders schnell auf. Die meisten Programme bieten dafür eine so genannte Stapelverarbeitung.

Beim Bearbeiten halten sich Hobbyfotografen am besten an eine Reihenfolge - so kommen sie nicht durcheinander und vergessen nichts. Am Anfang steht dann das Retuschieren, bei dem zum Beispiel Hautunreinheiten korrigiert oder ablenkende Details gelöscht werden. Auch einfache Programme bieten dafür ein Werkzeug, das sich zum Beispiel Radiergummi oder Reparaturstempel nennt. Rote Augen zu entfernen oder einen schiefen Horizont geradezuziehen, gehört ebenfalls zum Grundreinemachen.

Dann folgt alles, was mit Farben, Helligkeit und Kontrast zu tun hat. Eine Funktion, die man fast immer braucht, ist das Erhöhen des Kontrasts, schreiben Cora und Georg Banek: Das wirkt so, als würde ein Grauschleier vor dem Bild entfernt. Mehr Schatten oder mehr Helligkeit liefert sehr gute Ergebnisse bei Fotos, die über- oder unterbelichtet sind. Die Bildbearbeitung zaubert so Informationen hervor, die zwar vorhanden, auf den ersten Blick aber gar nicht sichtbar sind.

Wie Helligkeit und Dunkel im Bild verteilt sind, zeigt das so genannte Histogramm an. Im Idealfall sollte es die Form eines gleichmäßig an- und absteigenden Bergs haben, der exakt am linken und rechten Rand des Diagramms endet.

Die Farben zu verändern, macht das Bild zwar nicht unbedingt "echter", kann aber spannende verfremdende Effekte haben. Udo Leist rät, auch mal ein schwarz-weißes Bild zu versuchen, besonders bei Porträts, denn das lenke den Blick mehr auf die Persönlichkeit. Die Originaldatei sollte dabei unter anderem Namen abgespeichert werden. Und geht wirklich einmal etwas schief, gibt es immer noch den "Rückgängig"-Button.

Der letzte Schritt ist das Beschneiden. Das sollte man sich für den Schluss aufheben, weil dabei Daten unwiederbringlich verloren gehen. "Das Beschneiden kann die Bildaussage entscheidend verändern", sagt Udo Leist. Spannung erzeugen lässt sich, indem das wichtigste Element außerhalb der Mitte platziert wird. "So sollte zum Beispiel der Horizont Himmel und Erde nicht genau in der Mitte teilen." Am Schluss wird vor dem Speichern noch am Regler fürs Schärfen gedreht.