Motocross Motocross: immer schön das Rad unten halten

Gaildorf / Werner Schmidt 04.09.2018
Ehe auf der Gaildorfer Wacht die Profis ihre Runden drehen, übt der Nachwuchs beim ADAC BW-Cup unter fachkundiger Anleitung. Dabei zeigt sich so manches Talent.

Über der Wacht in Gaildorf liegt eine dünne Staubschicht. Durchmengt mit dem Geruch des Öls aus den Zweitaktmaschinen lässt sie das bevorstehende Wochenende erahnen, wenn das ADAC-MX-Masters mit allen vier Klassen in Gaildorf gastiert. Am vergangenen Samstag waren zunächst die angehenden Meister am Start: Fahrer zwischen 6 und 18 Jahren, die im ADAC-BW-Cup an den Start gehen und den Feinschliff erhalten. Drei ADAC-Trainer nehmen sich der mehr als 30 jugendlichen Fahrer an, die auf ihren Maschinen mit lautem Geknatter über die Piste rasen. Dabei geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Fahrtechnik. Körperhaltung am Start, korrekte Verteilung des Gewichts auf den Maschinen: „Damit soll vermieden werden, dass zum Beispiel das Vorderrad beim Start hochsteigt“, sagt ADAC-Trainer Karl Wiedmann.

Seit 39 Jahren Fahrer

Noch haben nicht alle Teilnehmer den Dreh raus. So manches Vorderrad hebt sich beim Training der Starttechnik unwillkürlich an. Der 54-jährige Wiedmann fährt selbst seit 39 Jahren Rennen. Auch auf dem Gaildorfer Parcours ist er schon gestartet.

Neben dem Feintuning der Fahrtechnik und Körperhaltung wird immer auch nach Talenten Ausschau gehalten. Paul Früh könnte eines sein. Der 15-Jährige vom heimischen MSC fährt erst seit zwei Jahren Motocross, steht aber schon jetzt auf der Starterliste für den Bundesendlauf Ende des Monats in Berlin. „Viele Trainer glauben nicht, dass er wirklich erst seit zwei Jahren dabei ist“, sagt seine Mutter mit anerkennendem Stolz in der Stimme. Dabei hat der Schüler an diesem Samstag während des Trainings viel Pech: Erst reißt die Kette, dann hat er einen Platten. „Wir fahren Original-Mopeds, ohne Tuning“, sagt er. Trotz seiner bisherigen Erfolge ist er mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. Daher hat er sich bereits Gedanken über seine berufliche Zukunft gemacht. Industriemechaniker oder Kfz-Mechaniker nehmen die Spitzenplätze des Wunschzettels ein.

Da Motocross als Sport eher ein Nischendasein fristet, sind insbesondere bei jugendlichen Fahrern die Eltern die Hauptsponsoren. Einige Nachwuchsfahrer treten in die Fußstapfen des Vaters, andere folgen dem Beispiel der Geschwister. Paul Früh beispielsweise hat sich am Vorbild seines großen Bruders orientiert.

Obwohl man als Nachwuchsfahrer keine großen Sprünge machen kann, ist das beim Motocross in gewisser Weise gerade umgekehrt: Da sind die Sprünge hoch und weit, die den Fahrer auf der Rennstrecke erwarten und vorwärts bringen. Vor den Schanzen hat Paul auch einen Heidenrespekt: „Die Sprünge sind groß und eine Herausforderung.“ Stürze blieben nicht aus, auch wenn sie bei Paul bisher glimpflich ausgingen. Dafür gibt es ja auch die Schutzkleidung, in der die jungen Fahrer aussehen wie moderne Ritter. Allerdings ohne Schild, Lanze und Pferd.

Den Respekt vor der Strecke und den Schanzen vermittelt auch Trainer Karl Wiedmann. Er fing 1980 als 16-jähriger Junge an, ist zwischendurch nicht nur im WM-Kader gefahren, sondern hat sich auch zum Trainer ausbilden lassen. Heute fährt er in der Seniorenmannschaft und gibt seine Erfahrungen und sein Wissen an den Nachwuchs weiter: „Weil der Sport mir viel Schönes gegeben hat, will ich einiges davon an die Jugend und den Nachwuchs vermitteln.“

Der MSC Gaildorf, der das bevorstehende Rennen organisiert und mit dem Aufbau beschäftigt ist, hat dem ADAC sein Gelände für den Trainings-Cup zur Verfügung gestellt. Es ist der erste seiner Art in Gaildorf, aber voraussichtlich nicht der letzte, vermutet Wiedmann. Diese Art der Jugendförderung durch den ADAC ist neu. Insgesamt gab es erst zwei derartige Trainingslager. In Gaildorf haben am Samstag 33 Nachwuchsfahrer teilgenommen. Ob darunter ein künftiger deutscher Meister oder gar Weltmeister war, wird sich erst noch herausstellen.

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