Freiheit und Abenteuer locken immer mehr (finanzkräftige) Menschen: Um 36 726 ist von 2017 auf 2018 die Zahl der Wohnmobile in Deutschland angestiegen. 486 893 waren es nach der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA): 1870 Ferienhäuser auf Rädern und mit (meistens Diesel-)Motor sind von denen im Kreis Göppingen notiert. Das ist neuer Rekord. Von 2010 bis heute wuchs der Bestand insgesamt um 161 792 Fahrzeuge. Im Kreis Göppingen stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 514 gleich 37,9 Prozent. Finanzkraft ist deswegen gefragt, weil ein neues Wohnmobil im Schnitt 68 000 Euro kostet.

 Der Branche geht‘s gut, es war schon mal billiger: „Reisemobile sind ein Luxusgut mit Durchschnittspreisen von inzwischen rund 60 000 Euro. Die Käufer sind tendenziell wohlhabender und damit auch konjunkturresistenter als die Kunden von Caravans“, hieß es vor fünf Jahren beim Caravaning Industrie Verband (CIVD) als die Freizeitindustrie von der Schuldenkrise verstärkt getroffen wurde, die Wohnwagenzahlen bröckelten, aber wenigstens die Reisemobilisten ein Lichtblick waren. Inzwischen liegt das Freizeitmobil bei im Schnitt 68 000 Euro, fängt neu bei 50 000 Euro aufwärts an, und wird mit Blick auf die Ausstattung auch nach „unter 100 000 Euro“ und „über 100 000 Euro“ eingeteilt, was den Durchschnittspreis erklärt.

 Der Teufel steckt freilich im Detail beziehungsweise unter der Haube, wenn‘s um die Frage geht, wie es um die Zukunft bestellt ist: Sparsam, durchzugsstark (sonst wär‘s schwierig bei dem Luftwiderstand auf annehmbares Tempo zukommen, die meisten Wohnmobile haben einen Fiat-Diesel drin. Laut Frontal 21 schaltet die Abgasreinigung des guten Stücks nach 22 Minuten ab – exakt zwei Minuten nach der üblichen Länge eines Abgastests.

Zweit- oder Drittwagen

Fiat bestreitet das. Und hat gegenüber „namhaften Herstellern ausdrücklich bestätigt, dass keine unzulässigen Abschalteinrichtungen im Fiat Ducato (Euro 5 und 6) verbaut worden sind“, meldete der Münchner Merkur am 8. Mai. Aber selbst wer nach Hamburg will, hat so oder so auch nach dem 31. Mai kein Problem. Fährt er halt im Euro-5-Mobil an Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße vorbei. Wobei das Navi doch ein Problem sein könnte, wenn‘s die neueste Errungenschaft Hamburgs nicht kennt.

 Wenn der Bestand ein Indiz für kaufkräftige Bevölkerung ist, dann ist der Bestand und seine Entwicklung auch unter diesem Gesichtspunkt interessant. 1356 Wohnmobile gab‘s bei uns 2010. Vergleichen wir die beiden jüngsten Werte im Kreis Göppingen Anfang 2018 und 2017 dann stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile hier binnen eines Jahres um 168 (9,9 Prozent). Was in absoluten Zahlen aber auch zeigt, dass Wohnmobile in der Regel als Dritt- oder Zweitwagen Nischenprodukte sind.

Im Landkreis Göppingen kommen rund 7,4 Wohnmobile auf 1000 Einwohner. Der bundesweite Spitzenreiter ist mit 16,12 (Vorjahr 14,75) Wohnmobilen pro 1000 Einwohner wieder der Kreis Schleswig-Flensburg. Der Kreis Göppingen liegt in der Wohnmobil-Bundesliga mit seinem Wert auf Platz 103 von 400 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen.

Wohnmobilvermieter

Dass der Kreis Schleswig-Flensburg auch heuer die Spitzenposition verteidigt, liegt hauptsächlich daran, dass die Kreisstadt Schleswig Sitz eines großen Wohnmobilvermieters ist. Was nicht nur für den kleineren Geldbeutel ein guter Tipp ist, sondern auch für Paare: ein paar Tage auf engstem Raum als Test für den Wohnmobil-Traum sichert bei Neulingen die Investition am sichersten ab.