Freilichttheater Im Schlager-Park der 70er Jahre

Die Schluss-Szene mit dem großem Medley „Einmal um die ganze Welt“ hatte es in sich.
Die Schluss-Szene mit dem großem Medley „Einmal um die ganze Welt“ hatte es in sich. © Foto: Ralf Snurawa
Dinkelsbühl / Ralf Snurawa 02.06.2018

„Und es war Sommer“: Nach einem Hit von Peter Maffay hat Hilke Bultmann seine „70er-Kultschlagerrevue“ benannt. Die Auflösung für den Titel gibt es erst kurz vor Schluss: Als Helmut Kaiser, energisch von Jochen Schaible gespielt, seinen Sohn Andi anerkennt. Dasselbe Muttermal im Gesicht von Vater und Sohn hat alles auf den Weg gebracht.

Und das Muttermal muss auch wegen Peter Maffay sein, löst Helmut das Rätsel doch mit dessen Schlager auf, der dem Stück den Titel gab. Jochen Schaible erweist sich dabei als mehr und mehr überzeugender Liedinterpret, dem es auch nicht am nötigen Witz fehlt.

Das alles findet in der Öffentlichkeit, in einem Park, statt. Dort folgt auch das Outing seines Sohns, den Maik Eckhardt als etwas schüchternen Allensbach-Angestellten spielt. Der offenbart seine Liebe zum städtischen Kulturamtsangestellten Lothar Schmidt, von Marco Wiskandt selbstbewusst und entschieden dargestellt: Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“ unterstreicht das.

Erinnerung an Fernsehshows

Beide dürfen schon vorher – gewissermaßen nur für das Publikum – nach Erinnerung an Fernsehshows der 70er-Jahre wie „Einer wird gewinnen“, „Am laufenden Band“, „Der Große Preis“ oder „Was bin ich?“ mit Songs wie Baccaras „Yes Sir, I Can Boogie“, „I Believe In Miracles“ von „Hot Chocolate“ oder „Stayin‘ Alive“ von den „Bee Gees“. Und weil das noch nicht genug ist für die „Kultschlagerrevue“, finden Biggi (Marietta Holl) und Karin (Claudia Roth) in Andi auch noch ihren Halbbruder, nach dem sie auf der Suche waren.

Außerdem ist Helmut nun mit Marlene zusammen, einer Journalistin, die weiß, was sie will: „Emanzipiert ja, aber bestimmt keine Emanze.“ In Katharina Felling hatte Intendant und Regisseur Peter Cahn dafür genau die richtige Darstellerin gefunden.

Gemeinsam schwelgen Marlene und Helmut in Songs wie „Love Is In The Air“ von John Paul Young oder „You‘re The One That I Want“ aus dem Musical „Grease“. Auch Jürgen Drews‘ „Ein Bett im Kornfeld“ darf nach der verbrachten Nacht hinterm Busch im Park nicht fehlen, alles perfekt und einfühlsam begleitet von der vierköpfigen Band um Konstantinos Kalogeropoulos.

Marlene ist wiederum die Freundin von Sabine, der Ex-Frau von Helmut. Dass es genau dieser Helmut war, mit dem Marlene schon etwas in ihrer Schulzeit hatte, erweist sich aber erst hinterher bei der Konfrontation aller drei Figuren miteinander. Sabine darf dem ein „So schön kann doch kein Mann sein“ von Gitte hinterherschicken.

Verliebt in Gastarbeiter

Sabine, von Monika Reithofer als zurückhaltende, aber entschiedene Anhängerin des Feminismus und der Öko-Bewegung interpretiert, verliebt sich in den Gastarbeiter Kostas, der sich am Ende als Künstler entpuppt.Andreas Peteratzingers Kostas ist auch derjenige, der das Publikum mit Udo Jürgens‘ „Griechischer Wein“ erstmals an diesem Abend zum Mitklatschen und Mitsingen bringt. Das steigert sich im Verlauf des Abends bis hin zum „Einmal um die ganze Welt“-Finale von „Theo, wir fahr‘n nach Lodz“ über „Kreuzberger Nächte sind lang“ bis zur „Fiesta Mexicana“ von Rex Gildo und „Moskau“ von „Dschingis Khan“.

Dass Hilke Bultmann auch Raum für ruhigere, gefühlvolle Momente in seiner „Kultschlagerrevue“ gelassen hat, dankt das am Ende völlig begeisterte und stehend applaudierende Publikum den Darstellern übrigens nicht weniger. Da wird etwa die Drogenproblematik gestreift, indem Karin Juliane Werdings „Am Tag, als Conny Kramer starb“ anstimmt, von Claudia Roth innig gesungen.

An die Hippies wurde mit Cat Stevens‘ „Morning Has Broken“ mit Andreas Gräbe als Guru Gustav-Rudolph und Marietta Holl als in ihn verliebte Biggi ebenso gedacht wie an den Hunger in Afrika oder die Friedensbewegung. „Persil, da weiß man, was man hat“, funkte als ernüchternder Werbespruch der Zeit dazwischen.

Info Informationen zu Terminen finden sich unter www.landestheater-dinkelsbuehl.de.

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