London Heidemann: "Ich bin stolz auf mich"

Britta Heidemann holte als erste deutsche Athletin eine Medaille in London. Foto: Christian Charisius
Britta Heidemann holte als erste deutsche Athletin eine Medaille in London. Foto: Christian Charisius
dpa 31.07.2012
Fragen an Degenfechterin Britta Heidemann zum Gewinn von Olympia-Silber am Dienstag im Deutschen Haus in London.

Wie haben Sie geschlafen nach all der Aufregung?

Britta Heidemann: "Ich war so erschöpft von dem anstrengenden Tag. Nach der Rückkehr ins olympische Dorf haben ich kurz Computer und Fernseher angestellt und danach sehr gut geschlafen."

Warum haben Sie die Silbermedaille nicht mitgebracht?

Heidemann: "Ich bin nicht so eine Medaillen-mit-mir-Trägerin. Nach dem Finale war ich aber schnell einen Burger essen und hatte die Medaille noch umhängen. Da hat mich die Verkäuferin danach gefragt und sich mit mir gefreut. Das sind Momente, wo ich so eine Medaille gerne trage."

Sie haben die erste deutsche Medaille gewonnen. Haben Sie vor dem Wettbewerb deshalb einen Extra-Druck gespürt?

Heidemann: "Ich habe ehrlich gesagt versucht, so wenig wie möglich die Medien zu verfolgen. Genau aus diesem Grund! Man sollte sich als Athlet davon nicht runterziehen lassen und sich in eine Negativstimmung versetzen lassen. Ich hoffe, dass die erste deutsche Medaille nun ein Ansporn für den Rest ist, nachzulegen."

Im Finale gegen die Ukrainerin Jana Schemjakina haben sie mit 8:9 verloren. Ärgern Sie sich, zu offensiv in dem Gefecht gewesen sind?

Heidemann: "Wenn man verliert, ohne etwas getan zu haben, ist der Ärger etwas nachhaltiger, als wenn man aktiv der Herausforderung gestellt hat. Das habe ich getan. Mit aktivem Fechten habe ich den größten Erfolg. Und deshalb habe ich es wieder so gemacht. So kann ich mehr mit dem letzten Treffer gegen mich leben, als wenn ich nichts getan hätte. Deshalb bin ich glücklich mit Silber."

Wie sind Sie mit der turbulenten Situation im Halbfinale umgegangen?

Heidemann: "Das Halbfinale war ein absolutes Drama. Da habe ich ganz schön viele Nerven gelassen. Das hat sich auch in der Physis niedergeschlagen, ich war ziemlich erschöpft. Im Finale war ich aber erstaunt, wie wenig ich mich von der ganzen Aufregung habe ablenken lassen. Ich habe dann die Bilder noch mal im Fernsehen gesehen und muss schon sagen: Ich bin stolz auf mich."

Was rechnen Sie sich noch mit dem Degenteam aus?

Heidemann: Ich hoffe, dass die Medaille uns auch im Mannschafts-Wettbewerb trägt. Wir sind inzwischen wieder guter Dinge, dass wir ein gutes Team sind. Wir wollen angreifen."

Nach dem Olympiasieg 2008 lief nicht immer alles rund. Nun waren Sie aber vier Jahre danach wieder auf dem Punkt fit!

Heidemann: "2009 war ich Europameisterin, 2010 bin ich Weltranglisten-Erste und 2011 EM-Zweite gewesen: Wir reden also von einem Jahr. Es war ein relatives Tief. Ich hatte ein Motivationsloch wie schon nach Athen. Ich habe wie 2004 etwas Zeit gebraucht, um mich zu motivieren. Vier Jahr auf 100 Prozent zu laufen, ist auch ungesund. Es gibt ganz normale Schwankungen. Wichtig ist, dass man an sich selbst glaubt. Ich musste im letzten Jahr mit einigen Stimmen umgehen, die nicht so schön waren, weil ich bei der WM nicht so gut abgeschnitten habe. Ich habe alles gleich gemacht wie in den Jahren zuvor - und es hat sich gezeigt: Es war richtig."

Wie geht es mit Ihrer Karriere weiter?

Heidemann: "Nun geht es erstmal mit der Mannschaft weiter. Da möchte ich mich voll drauf konzentrieren. Da wollen wir mit einer Medaille rausgehen, wenn es möglich ist. Danach denke ich über die Zukunft nach."