Unwetter Richtiges Verhalten bei Gewitter

Blitze sind eine tödliche Gefahr. Wer sich ungeschützt im Freien aufhält, sollte zum Beispiel nicht die eigenen Kinder an der Hand halten.
Blitze sind eine tödliche Gefahr. Wer sich ungeschützt im Freien aufhält, sollte zum Beispiel nicht die eigenen Kinder an der Hand halten. © Foto: Marcel Kusch/dpa
Ulm/Frankfurt am Main / Uwe Keuerleber und DPA 07.08.2018
Hält man sich bei einem Gewitter draußen auf, besteht nicht nur die Gefahr, direkt von einem Blitz getroffen zu werden. Auch Blitzüberschläge sind möglich. Daher sollte man die Nähe zu vielen Gegenständen vermeiden und sich so klein wie möglich machen.

Alltägliches Tun kann bei einem Gewitter zur Gefahr werden. Manche Dinge sollte man zum Beispiel nicht anfassen, manche Tätigkeiten lieber unterbrechen. Tipps von Experten:

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„Buchen soll man suchen“

Dem Blitz ist es relativ egal in welchen Baum er einschlägt. Deshalb meiden sie jeden Baum. Darunter Schutz zu suchen wäre keine gute Idee. Da die Bäume Blitze anziehen, kann die Spannung vom Stamm auch auf den Menschen überspringen.

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Warum Reiter häufiger vom Blitz getroffen werden

Blitze suchen sich grundsätzlich immer den höchsten Punkt in den sie einschlagen. Bei Reitern liegt es daran, das sie, wenn sie im Gelände unterwegs sind, den höchsten Punkt einnehmen. Das gleiche gilt übrigens auch für Golfspieler, da in der Regel ein Golfplatz ein sehr flaches Gelände ist und der Golfer in dem Fall die höchste Erhebung darstellt.

Nicht flach auf den Boden legen

Mit geschlossenen Füßen in die Hocke gehen, dabei geben eine Bodenmulde, ein Hohlweg, die Sohle eines Steinbruchs oder der Fuß eines Felsvorsprungs einen gewissen Schutz.

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Raus aus dem Wasser

Schwimmen bei Gewitter ist lebensgefährlich - Wasser leitet besonders gut, schon ein kleiner Blitz kann einen Schock oder Herzstillstand auslösen. Generell gilt: Schon bei herannahendem Gewitter sofort an Land begeben.

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Duschen bei Gewitter und Telefonieren mit Kabel

Besonders bei Gebäuden in denen die Wasserleitungen aus Metall bestehen, heißt es Vorsicht. Denn diese Leitungen, sind nicht über Sicherungen gesichert. Schlägt der Blitz in die Leitung ein, steht die ganze Leitung unter Strom. Vom Telefonieren mit einem Gerät, das am Netz angeschlossen ist, ist auch abzuraten. Das Problem ist nämlich, dass wenn der Blitz ins Haus einschlägt, der Strom durchaus seinen Weg durch das Stromnetz nehmen kann.

Der "Faradaysche Käfig" - Ab ins Auto

Das Auto ist ein sicherer Ort bei Gewittern, es bildet nämlich einen sogenannten "Faradayschen Käfig". Das Metallgehäuse leitet den Strom nicht ins Wageninnere, der Strom fließt durch die Metallkarosserie in den Boden.

1:6 Millionen

O.K, die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden scheint doch relativ gering zu sein und liegt bei 1:6 Millionen Doch die Chance auf einen Sechser im Lotto ist mit 1:15 Millionen deutlich seltener.

Kinder und Hunde

Wer in der freien Natur von einem Gewitter überrascht wird, sollte möglichst nicht in einer Gruppe mit anderen Menschen Schutz suchen. Dies ist wichtig, um mögliche sogenannte Überschläge eines Blitzes von einem auf einen anderen Menschen zu vermeiden, erläutert der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Er rät, sich einzeln in eine Bodenmulde zu kauern: am besten in die Hocke gehen, Füße geschlossen halten und die Arme um die Knie legen, Kopf darauf. „Wichtig ist, dass man sich so klein wie möglich macht“, sagt der Physiker und Blitzforscher Prof. Ullrich Finke von der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Hannover.

Der VDE rät sogar dazu, bei einem Gewitter in der freien Natur auch zu den eigenen Kindern und einem möglicherweise mitlaufenden Hund einen Abstand von mindestens einem Meter und besser sogar drei Metern einhalten. Blitzforscher Finke hält diesen Punkt für „in der Praxis nicht so wichtig“. Er betont hingegen einen anderen Punkt: „Wichtig ist es, die Wolken zu beobachten.“ Dies helfe dabei, nicht gleich vom ersten Blitz des Gewitters getroffen werden - und bevor wieder Entwarnung gegeben werden kann, müsse die Gewitterwolke „abgezogen und hinreichend entfernt sein“. Laut VDE ist die Gefahr erst vorbei, wenn die Gewitterwolke mindestens zehn Kilometer weit entfernt ist und man 30 Minuten lang keinen Donner mehr wahrgenommen hat.

Regenschirm

Egal aus welchem Material er besteht, kann er bei Gewittern das Risiko getroffen zu werden erhöhen. Entscheidend ist dabei, dass der aufgespannte Regenschirm in der Hand über den Kopf hinausragt und damit den Abstand zum Erdboden vergrößert. Und das Risiko vom Blitz getroffen zu werden ist für den höchsten Punkt einer Umgebung immer größer als für das Umfeld, erläutert Prof. Finke – so wie ja auch Ampeln, Türme und Baumspitzen eher vom Blitz erreicht werden können.

Fahrrad, Motorrad und Golftrolley

Rad- und Motorradfahrer sitzen erhöht auf ihrem Zweirad und sollten deshalb bei einem Gewitter auf jeden Fall die Fahrt unterbrechen. Sicherheitshalber gehen sie dann in einem Abstand von mindestens drei Metern zu ihrem Gefährt und am besten auf Asphalt in die Hocke oder suchen noch besser ein schützendes Gebäude auf, empfiehlt der VDE. Das gilt auch für Golfer , die während eines Spiels mit einem Gewitter konfrontiert werden. Damit sie möglichst schnell in geschützten Räumen sein können, sollten sie Golfschläger und –trolleys auf dem Platz zurücklassen.

Wände und Metallleitungen im Haus

Wer kein Blitzschutzsystem im Gebäude hat, sollte Kontakt zu allen metallenen Leitungen vermeiden, die von außen ins Haus führen. Das können Wasser-, Gas-, Strom-, Telefonleitung sowie das Antennenkabel und die Fernwärmeversorgung sein. Das heißt auch: Während des Unwetters sollte man keine ungeschützte Telefonanlage nutzen. Außerdem rät der VDE, in Häusern ohne Blitzschutzsystem während eines Gewitters nicht zu duschen oder zu baden sowie am besten alle Stecker von Elektrogeräten ziehen, um die Geräte vor Überspannung zu schützen. In einem Gebäude mit Blitzschutzsystem hingegen sind Menschen sicher, betont der Verband.

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