Zaubernuss Magische Farben

Agnes Pahler 10.02.2018

Wundersam öffnen sich die Blüten der Zaubernuss mitten im Winter. Ein paar milde Tage im Februar genügen, dann entfalten sich plötzlich die aufgerollten fädigen Blütenblätter und schimmern farbig in der Wintersonne. Wird es danach noch einmal kalt und fällt Schnee, dann rollen sich die Blütenblätter wieder zusammen, springen aber in der nächsten Warmwetterperiode wieder auf, das wirkt schon ein wenig magisch.

Der noch blattlose Strauch ist zur Blütezeit ganz eingewuschelt von feinen Blütenblattkringeln. Es lohnt sich, ihn an einem exponierten Ort zu platzieren, im Vorgarten etwa, am Zugang zum Haus oder zur Garage. Überlegte Platzwahl ist bei den Zaubernüssen ohnehin oberstes Gebot. Zwar stellen die Pflanzen keine besonderen Ansprüche an den Boden, doch ältere Gewächse vertragen das Umpflanzen schlecht. Man sollte das Sträuchlein, das man soeben erworben hat, dorthin pflanzen, wo es jahrzehntelang wachsen kann. Dabei muss man schon die spätere Höhe und Breite von drei bis vier Metern bedenken,  ein Ausmaß, das man sich angesichts des jungen Winzlings schwer vorstellen kann.

Zaubernüsse wachsen langsam, aber beharrlich heran. Sie bilden von sich aus ein schönes Astgerüst aus und sollten möglichst nicht geschnitten werden. Im Gegenteil: Jede Schnittmaßnahme beeinträchtigt den natürlichen Wuchs, der Strauch sollte von Beginn an so stehen, dass er freien Platz zur Entfaltung hat und man ihn nicht beschneiden muss, wenn er in einigen Jahren benachbarten Gehölzen in die Quere kommt.

Am schönsten entwickeln sich Zaubernüsse, wenn sie frei, ohne bedrängende Nachbarn, stehen. So erhalten sie dann auch die gewünschte direkte Sonneneinstrahlung.

Ausreichend frosthart

Unsere Zaubernüsse, die wir als Ziergehölze kultivieren, stammen aus Regionen in China und Japan, die südlicher liegen als Mitteleuropa, entsprechend hoch ist der Lichtbedarf. Die Winterhärte allerdings steht außer Frage: Sowohl die Japanische Zaubernuss (Hamamelis japonica) als auch die Chinesische Zaubernuss (H. mollis) sind ausreichend frosthart für eine Anpflanzung in unseren Gärten. Meist allerdings werden Kreuzungen dieser beiden Arten (Hybriden) kultiviert, die oft die Bezeichnung Hamamelis × intermedia tragen. In den Baumschulen wird ein Edelreis auf einer Unterlage veredelt. Dieser zusätzliche Arbeitsschritt und das langsame Wachstum führen zu relativ hohen Kaufpreisen: Ein 60 cm hohes Sträuchlein kostet meist mehr als 20 Euro, knapp 40 Euro werden für einen 80 cm hohen Strauch fällig. Will man schon ein Gewächs von einem Meter Höhe setzen, liegt der Anschaffungspreis bei rund 70 Euro. Bei der Auswahl muss man sich zwischen den Blütenfarben Gelb oder Kupferrot entscheiden. Die gelben Blüten mögen leuchtender sein, doch bergen die verschiedenen Rot- oder Orangetöne ein ganz besonderes Überraschungsmoment − Blüten in diesen Farben stechen über einer Schneedecke sehr auffällig hervor.

Eine Zaubernuss fällt übrigens nicht nur zu Jahresbeginn ins Auge, sie sieht auch den Sommer über mit ihrem großblättrigen Laub, das an Haselnusssträucher erinnert, gut aus, und sie liefert im Herbst noch einmal eine große Show, wenn sich die Blätter je nach Sorte goldgelb, orange, scharlach- oder kupferrot färben und weithin in der Sonne leuchten.

Weil der Strauch unten recht schmal wächst und sich mit den Ästen nach oben trichterförmig öffnet, kann man eine Zaubernuss gut in einem Pflanzgefäß ziehen. Der Strauch hat den Vorteil, dass er langsam wächst und nur ein flachgründiges Wurzelwerk ausbildet. Die Erde sollte locker, aber nährstoffreich sein. Wichtig ist ein ausreichend großer Kübel, in dem der Strauch viele Jahre lang bleiben kann. Gedrungene Sorten wie „Arnold Promise“ entwickeln sich gut verzweigt und kommen ohne Korrekturschnitt aus. Bei der Topfkultur ist es wichtig, dass die Erde im Sommer nicht gänzlich austrocknet, während ein im Garten eingewachsener Strauch ohne zusätzliche Wassergaben auskommt.

Damit der blühende Strauch bestens zur Geltung kommt, braucht er eine passende Unterpflanzung. Schön sehen zeitig blühende Schneeglöckchen oder Wildkrokusse aus. Im Garten wie im Beet passt ein niedriger Bewuchs mit wintergrünen Pflanzen gut, schöne Lösungen ergeben sich mit Purpurglöckchen (Heuchera) in passenden Blattfarben oder mit einem Teppich aus Bodendecker-Erdbeeren. Hübsch sehen auch die Rosetten von Kissenprimeln aus, die in wärmeren Wintern schon ab Dezember oder Januar blühen und einen fröhlichen Kontrapunkt setzen. Vornehm dagegen wirken weiße Christrosen zu Füßen der Zaubernuss, die von überwinterten Bienen gierig angeflogen werden.

Arzneipflanze stammt aus Nordamerika

Hamamelis kennt man aus der Kosmetikindustrie. Die Wirkstoffe aus den Blättern und der frischen Rinde wirken Hautreizungen entgegen. Als Arzneipflanze dient allerdings die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginica), die nicht wie die Zierarten aus Asien, sondern aus Nordamerika stammt.