Kräuter Kräuter im Sommer: Frischekick gefällig?

Ulm / Helga Schneller 05.08.2017
An heißen Tagen sind zitronige und beerige Aromen besonders willkommen. Zu den bewährten Muntermachern zählen die Fruchtminzen.

Hochsommer ist die Zeit der Kräuterfülle. Herrlich, wie Basilikum, Thymian oder Salbei mit ihren intensiven Aromen jedes noch so schlichte Gericht aufpeppen. Auch die Nase lässt sich gern von Kräuterdüften verwöhnen. Etwa 25 Millionen Sinneszellen bevölkern unser Riechorgan und leiten die Duftmoleküle unmittelbar ans Gehirn weiter.

An warmen Tagen können fruchtige und vor allem zitronige Düfte wie ein Muntermacher wirken. In der Kräuterwelt finden sich etliche Pflanzen mit spritzigen Aromen, die im Gartenbeet oder auf dem Balkon problemlos gedeihen, wie beispielsweise das Zitronen-Basilikum (Ocimum basilicum var. citriodorum). Das einjährige Kraut ist etwas wetterempfindlich und wird am besten an einem geschützten Platz im Topf oder im Gewächshaus kultiviert. Verwendet wird es immer frisch vom Strauch, etwa im selbstgemachten Pesto. Hervorragend passt das Zitronen-Basilikum auch zu Erdbeeren und, da es weniger pfeffrig als das klassische Basilikum schmeckt, auch zum Aromatisieren von Süßspeisen und Bowle. Zum Ernten knipst man ganze Triebspitzen ab und keine einzelnen Blätter. Dann verzweigt sich die Pflanze besser, blüht nicht so rasch und investiert mehr Kraft in die Blattbildung.

Mit hübschen zartrosa Blüten schmückt sich das Zitronen-Berg­bohnenkraut (Satureja montana var. citriodora). Das intensive Aroma der kleinen, ovalen Blättchen passt besonders gut zu Fisch- und Geflügelgerichten, Bohnen- und Kartoffelsalat. Der niedrige, mehrjährige Strauch liebt sonnig-heiße Plätze und nährstoffarmen Boden. Die Blätter lassen sich gut trocknen und etwa für selbstgemachtes Kräutersalz verwenden. Ein Sonnenanbeter ist auch Zitronen-Thymian (Thymus x citriodorus). Am wohlsten fühlt er sich auf einer trockenen Steinmauer. Verschiedene Züchtungen, zum Beispiel mit gelbbuntem Laub, kriechendem oder polsterförmigem Wuchs, bereichern das zitronige Thymiansortiment. Allen gemeinsam ist das frisch-würzige Zitronenaroma. Die purpurnen Blütchen sind zudem eine wertvolle Bienenweide. Zitronen-Thymian passt ausgezeichnet zu allen mediterranen Fleisch- und Gemüsegerichten, macht sich aber auch gut im Tee.

Die gute alte Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist ein unverwüstliches Aromakraut für sonnige bis halbschattige Plätze. Als Heilpflanze zur Beruhigung und Entspannung wird die Gartenpflanze seit Jahrhunderten geschätzt. Beim Zerreiben setzen die weichen Blätter ein herrliches Zitronenaroma frei. Die Sorte „Binsuga“ punktet mit besonders intensivem Zitronenduft, während sich die Buntblättrige Zitronenmelisse (Melissa officinalis variegata) mit gelb-grün gescheckten Blättern ziert. Zitronenmelisse ist völlig anspruchslos und gedeiht auf jedem lockeren, nährstoffreichen Boden. Die fein geschnittenen Blätter aromatisieren Obstsalat oder Bowle und geben gemischten Blattsalaten eine frische Note.

Aroma für Cocktails

Wer Zitronentee liebt, sollte sich eine Zitronenverbene (Aloysia triphylla) zulegen. Das Kraut, auch unter dem französischen Namen Vervain bekannt, begeistert mit intensivem und klarem Zitronenaroma, das auch beim Trocknen nicht verduftet. Der bis zu zwei Meter hohe Strauch aus Chile wird bei uns als Kübelpflanze kultiviert. Zitronenverbene braucht einen sonnigen, windgeschützten Platz, reichlich Wasser und gelegentliche Düngergaben. Im Spätherbst wirft sie ihr Laub ab. Dann wird die Pflanze zurückgeschnitten und in einem frostfreien Raum, der auch dunkel sein darf, überwintert.

Aus der asiatischen Küche ist das Zitronengras (Cymbopogon citratus) oder Lemongras nicht wegzudenken. Die wärmeliebende Tropenpflanze gedeiht gut im Kübel. Sie braucht Sonne, viel Wasser und nährstoffreichen Boden. Zitronengras bedankt sich mit üppigem Wachstum für gute Pflege. Verwendet wird die verdickte Blattbasis, die fein geschnitten zum Beispiel in Wokgerichten mitgart. Die langen Blattwedel sind eher hart, können aber für Kräutertee aufgebrüht werden. Den Winter verbringt Zitronengras am besten in einem frostfreien, hellen Raum.

Auch unter den Minzen tummeln sich einige fruchtige Vertreter. Als Kontrast zu den scharfen Pfefferminzearten umschmeicheln die Fruchtminzen (M. x piperita var.citrata) Nase und Gaumen mit samtig-weichen Aromen. Erdbeerminze, Mandarinenminze, Ananas- oder Limonenminze sind mit ihren aromatischen Blättchen sehr gut zum Aromatisieren sommerlicher Süßspeisen und Cocktails geeignet.

Da sich Minzen willig kreuzen und züchten lassen, bringen Kräutergärtnereien beinahe jedes Jahr neue Minzgeschmäcker auf den Markt. Die Fruchtminzen gedeihen am besten in einem sonnigen bis halbschattigen Beet mit nährstoffreichem, feuchtem Boden. Eine Gabe Kompost im Frühjahr und Hochsommer gibt den wüchsigen Pflanzen genug Nahrung. Im Spätherbst bodennah zurückgeschnitten, treiben Minzen jedes Jahr mit neuer Kraft wieder aus.

Minzen in Schach halten

Minzearten neigen mit ihren meterlangen Wurzelausläufern zum Wuchern. Damit andere Pflanzen im Beet nicht verdrängt werden, sollte man sie im Auge behalten und Ausläufer regelmäßig aus der Erde ziehen. Um das Wuchern im Zaum zu halten, kann man Minzen auch in einen Tontopf ohne Boden im Beet einsenken.

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