Man spürt es deutlich: Die Tage werden wieder länger. Seit Maria Lichtmess, dem katholischen Kerzenfest am 2. Februar, dürfen wir uns, verglichen mit der Wintersonnenwende, über eine zusätzliche Tageslichtstunde freuen. Das Leben im Boden steht bereits in den Startlöchern. Als eine der ersten Blütenpflanzen setzt der Huflattich seine gelben Kleckse in die Landschaft. Ein paar Streicheleinheiten der erstarkenden Sonne genügen, um die Pflanze aus dem Winterschlaf zu wecken. Ihre sonnengelben, feinstrahligen Blüten wirken wie das Abbild des großen Himmelskörpers.

Von Februar bis April säumt der 10 bis 20 Zentimeter hohe Korbblütler Straßen- und Wegränder, platziert sich auf Brachflächen oder an trockenen Stellen im eigenen Garten. Die ersten pollensuchenden Insekten lassen sich vom leuchtenden Gelb gerne anlocken, und als Zeigerpflanze ist der Huflattich Botschafter des Vorfrühlings.

Die Heimat der ausdauernden, krautigen Pflanze liegt in ganz Europa, Afrika und im westlichen Asien. Sie liebt sonnige Plätze und durchlässige Böden und besiedelt Berghänge bis über 2000 Meter Höhe. Aus seinem Wurzelstock schickt der Huflattich bis zu zwei Meter lange Ausläufer auf Wanderschaft, um neues Terrain zu erobern. Wo er optimale Bedingungen findet, können sich flächendeckende Huflattichteppiche bilden. Das Wildkraut gilt als typische Pionierpflanze auf Schutthalden und in Steinbrüchen und bereitet den Weg für nachfolgende Pflanzenarten.

Seit Alters her bekannt ist der Huflattich als Heilpflanze. Ihr lateinischer Name Tussilago farfara weist auf die Heilkraft bei Bronchialleiden hin: „Tussis“ bezeichnet den Husten, „ago“ steht für vertreiben. Hildegard von Bingen, Paracelsus und andere mittelalterliche Heilkundige empfahlen Huflattichtee, Inhalationen und Verräuchern der getrockneten Pflanze bei allen Atemwegserkrankungen. In der Volksheilkunde gilt der „Brustlattich“ als eines der ältesten Hustenmittel, das ebenso bei Mund- und Halsentzündungen, Fieber und Magenbeschwerden zum Einsatz kam.

Heilkraft in den Schleimstoffen

Auch heute noch wird die Pflanze in Hustensäften oder zu Presssaft verarbeitet. Als Tee werden getrocknete Blüten und Blätter verwendet, wobei die Blätter etwas mehr Wirkstoffe enthalten. Die Heilkraft steckt vor allem in den Schleimstoffen, die Huflattich neben entzündungshemmenden und zusammenziehenden Bitter- und Gerbstoffen reichlich enthält. Wie ein schützender Film legen sich diese Schleimstoffe auf gereizte Atemwege und erleichtern das Abhusten. Daneben wartet Huflattich mit einer ganzen Reihe gesunder Inhaltsstoffe auf, beispielsweise Mineralien, Kalzium, Kieselsäure und Vitamin C. Nicht unumstritten ist Huflattich wegen seines Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden. Diese toxischen Stoffe können in größeren Mengen leberschädigend und krebsfördernd wirken. Deshalb sollte Huflattich nicht auf Dauer oder in größeren Mengen genossen werden. Selbst gesammeltem Huflattichkraut kann man nicht ansehen, wieviel heilsame und weniger gute Stoffe in ihm stecken. Eine Alternative für den Hustentee ist deshalb kontrolliertes Huflattichkraut aus der Apotheke.

Geht die Blütezeit des Huflattichs zu Ende, neigt er müde seine Köpfchen. Danach erscheinen flauschig weiße Samenstände, dem Löwenzahn ähnlich, deren Schirmflieger mit dem Wind auf Reisen gehen. Auch Ameisen verschleppen die Samen gerne und sorgen für Ausbreitung. Erst nach der Blüte kommen die großen, gestielten und deutlich geäderten Laubblätter zum Vorschein. Ihre herz- oder hufeisenförmige Gestalt verhalf dem Huflattich zu seinem Namen, der volkstümlich auch als Ackerlatsche, Rosshuf oder Hufblatt bekannt ist. Die Blätter fühlen sich weich an und sind auf der Unterseite mit dichtem, weißem Flaum bedeckt. Aufgrund dieser lappenähnlichen Konsistenz können sie einem sehr nützlichen Zweck dienen: Bei pflanzenkundigen Outdoorfans sind Huflattichblätter auch als „Klopapier des Wanderers“ bekannt.

Kulinarische Qualitäten wird man im Huflattich kaum vermuten. Diese hat der Frühblüher aber durchaus. Wer in der Küche gerne experimentiert, kann die geschuppten Blütenstängel klein schneiden und beispielsweise unter Kohlrabigemüse oder Kartoffelgerichte mischen. Sie erinnern im Geschmack ein wenig an Grünspargel. Große Huflattichblätter eignen sich zum Füllen und können wie Kohlrouladen zubereitet werden. Und die honig­ähnlich duftenden gelben Blüten sind eine hübsche essbare Dekoration für frühlingshafte Suppen und Salate.

Phänologischer Kalender zeigt zehn Jahresphasen


Der so genannte „phänologische Kalender“ gliedert das Jahr nicht in vier Jahreszeiten, sondern in zehn Phasen. Beginn und Ende werden zum Beispiel durch die Blütezeit bestimmter Gewächse, der „Zeigerpflanzen“ signalisiert. Für den Vorfrühling stehen unter anderem Schneeglöckchen, Huflattich, Haselblüte und Winterlinge.