Merklingen / SABINE GRASER-KÜHNLE Die Kreistagsfraktion der Grünen war in Merklingen. Es war der Versuch, sich ein genaueres Bild über einen möglichen Bahnhalt an der neuen ICE-Trasse Wendlingen-Ulm zu verschaffen. Am Ende standen Fragen.

"Wir wollen mehr Klarheit über eine Machbarkeit des Bahnhalts Merklingen erhalten, damit wir vor der Kreisratssitzung unsere Linie festlegen können." Mit diesen Worten begrüßte Dr. Robert Jungwirth, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, nicht nur seine Fraktionskollegen, sondern auch andere Interessierte und Sympathisanten eines Bahnhalts in Merklingen. Er stellte in der Runde den Laichinger Gerhard Maier vor. Dieser war 25 Jahre lang Pendler nach Stuttgart und ist selbst erklärter Sympathisant und "autodidaktischer Fachmann" für dieses Thema. "Als Maschinenbauer sind Berechnungspakete für mich kein Problem", erklärte er. Zahlen, die im Gegensatz zu den Aussagen von Bahn und Land stehen, sind seine Hauptargumente. Nur zu einem Thema könne auch er als Laie nicht viel sagen: Die Taktung der Züge. Diese ist ein Schlüsselkriterium für die Verwirklichung eines Bahnhalts in Merklingen.

Wie die Deutsche Bahn bislang darlegt, sind drei Minuten Aufenthalt eines Interregio-Zugs (IRE) auf der ICE-Strecke Wendlingen-Ulm zu lange, um die Anschlusszüge im Stuttgarter Hauptbahnhof erreichen zu können. Trotz seiner lediglich laienhaften Kenntnisse stellt Maier eben dies in Frage: "Tagtäglich haben die Züge Verspätungen, weit mehr als drei Minuten. Weshalb ändert die Bahn die Taktung nicht grundsätzlich?", fragte er. Dass eben dieser von der Bahn angeführte Grund dazu führt, dass auf der Strecke schnellere IRE-Züge eingesetzt werden müssen, machte dieses Argument auch für die Kreisräte der Grünen interessant. Denn der Einsatz schnellerer Züge führt zu erheblichen Mehrkosten und damit am Ende womöglich zum Aus des Bahnhalts. Mehrkosten, die nach dem Willen von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zur Hälfte die Region stemmen muss. Eine Position, die Maier ebenfalls mit Gegenbeispielen hinterfragt.

Wie denn die Machbarkeitsstudie, die seit Montag dem Landratsamt des Alb-Donau-Kreises in Ulm vorliegt, die Mehraufwendungen für die schnelleren Züge beurteilt, wollte eine Bürgerin von den Kreisräten wissen. Doch die zurrten den ihnen vom Landratsamt angelegten Maulkorb noch fester. Dennoch bahnte sich in der Runde die düstere Ahnung ihren Weg, dass die Studie eben in diesem Punkt negativ ausgefallen ist. "Umso mehr müssen wir uns dafür einsetzen, dass die baulichen Voraussetzungen für einen Bahnhalt geschaffen werden", sagte Fraktionsvorsitzender Robert Jungwirth.

Seine Stellvertreterin Marianne Prinzing bekräftigte, dies sei das erklärte Ziel der Grünen im Kreistag. Denn, so erklärte Jungwirth, nur so könne der Halt auch im Nachhinein, sei es auch erst in zehn Jahren, wenn es die Verkehrsdichte auf den Straßen vielleicht nötig machen, eingerichtet werden. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass ein Bahnhalt in Merklingen mit dem politischen Willen und den richtigen Fragen an den Landesverkehrsminister und den Bund steht und fällt.

"Im Landratsamt ist der Bahnhalt nicht gewünscht." Mit dieser Bemerkung provozierte Gerhard Maier unterschiedliche Reaktionen. Marianne Prinzing setzte dem ein klares Nein entgegen, Jungwirth schloss sich Maiers Einschätzung an. "Diese Polemik wollen wir hier nicht auftun", beendete die Grünen-Kreisrätin die Diskussion abrupt. Es wird jedenfalls spannend, welche Position die Fraktion in der Sondersitzung des Kreistags am Dienstag, 28. Juli, einnehmen wird.

Am Freitag sprechen Vertreter des Landratsamts und der Alb-Gemeinden mit Verkehrsminister Hermann über die Studie.