Die Golfplätze Frankreichs werden von deutschen Golfspielern häufig unterschätzt und stehen nicht so hoch im Kurs wie beispielsweise die Plätze in Portugal oder Spanien. Dabei ist es gerade von Süddeutschland aus nur ein Katzensprung, um die Vielfalt französischer Clubs und Anlagen in vollen Zügen genießen zu können. Darüber hinaus locken die französische Küche, der Wein und kulturelle Attraktionen. Dies trifft insbesondere für die Region Rhône-Alpes zu, die sich vom Genfer See entlang der Schweizer und italienischen Grenze bis in den Süden erstreckt. In den acht Départements, Haute Savoie, Savoie, Ain, Loire, Rhône, Isère, Drôme und Ardèche kann auf 64 Golfanlagen abgeschlagen werden, und das zu günstigen Greenfees meist das ganze Jahr über.

Golf für Gourmets trifft den Geschmack insbesondere in Lyon und Umgebung. „Lyon est la capitale de la gastronomie“, meint Annie Martinez von Rhône-Alpes-Tourisme; sie verweist nur auf Frankreichs Starkoch Paul Bocuse, der am Zusammenfluss von Rhône und Saône zuhause ist. Nirgends könne man so gut essen wie in Lyon, der Hauptstadt der Gastronomie, fügt die Tourismusmanagerin stolz an. Feinschmecker kommen nicht nur im Hotel „La Cour des Loges“ oder im „Café Epicerie“ auf ihre Kosten, sondern auch in den Golfclubs wie beispielsweise im Golfclub de Lyon, der in Villette d’Anthon übrigens gerade mal eine halbe Stunde vom Flughafen Saint-Exupéry entfernt liegt.

Tierisch geht es auf den beiden Par 72-Plätzen in Villette d’Anthon zu. Der Parcours des Brocards, der seit 1964 besteht, soll nicht nur an junge Rehböcke erinnern. „Da kommt man schnell in den Rhythmus“, meint GC-Direktor Frédéric Barba, „es gibt keine Wasserhindernisse.“ Da komme fast jeder zu leichten Bogeys.

Anders sieht es auf dem Parcours des Sangliers aus. Nicht umsonst ziert ein Wildschwein aus Metall den 1992 gebauten Championship-Platz. „Der ist richtig schwer“, meint Barba, „da muss man sich durchackern.“ Zahlreiche Wasserhindernisse, versteckte Bunker und enge Waldschneisen machen aus dem Wildschwein-Kurs eine technische und physische Herausforderung. Nach 1979 fand beim GC Lyon auch 2001 die Open de France statt, eben auf dem Les Sangliers. Der 6727 Meter lange Kurs wurde vor ein paar Jahren im Guide Peugeot zu den vier schönsten Plätzen Frankreichs bestimmt.

Zurück in Lyon. Die Hauptstadt von Rhône-Alpes ist nicht nur Sitz von Interpol und der Internationalen Agentur für Krebsforschung, die Altstadt von Lyon ist seit 1998 Weltkulturerbe. Wer dort mal durch die so genannten Traboules von Haus zu Haus, Gasse zu Gasse und Viertel zu Viertel spaziert ist, erkennt nicht nur schnell die Türen, die zu den oft versteckten Passagen und Gängen führen, sondern lernt auch die Altstadt im Nu kennen.

„Es gibt drei Flüsse in Lyon, die Rhône, die Saône und den Beaujolais“, grinst Taxifahrer Bruno Lechalier und hält vor einer der zahlreichen Wein-Bars. Ein Gläschen Rouge ist fällig.

Was sich wie ein gediegenes Anbaugebiet anhört, entpuppt sich als Golfanlage im Départment Ardèche. Le Domaine Saint Clair bei Annonay, etwa 70 Kilometer südlich von Lyon, liegt an der Weinstraße nach Valence. „Wir verfügen nicht nur über einen anspruchsvollen Par 72-Parcours“, sagt Saint Clair-Direktor Serge Fritsch, „die Domaine hat 54 komplett renovierte Zimmer und einen großen Pool im Freien.“

Die Attraktion ist jedoch der 1988 gebaute Platz, dessen 18 Bahnen in einen 70 Hektar großen Park eingebettet sind. Der Blick von den breiten Fairways schweift nicht nur auf die Bergzüge der Ardèche, sondern immer wieder auf das angrenzende Schloss aus dem 18. Jahrhundert.

Sind die zwei Golfplätze von Lyon eher flach, die Domaine Saint-Clair eher hügelig, dann geht es in Evian richtig rauf und runter. Etwas Kondition ist angebracht, wenn man am südlichen Ufer des Genfer Sees nicht nur das weltbekannte Wasser schlürfen möchte, sondern vielmehr im Evian Masters Golfclub ein Greenfee löst.

In der Tat meisterlich präsentiert sich der Par 72-Kurs, der seit 18 Jahren die weltbesten Golferinnen zum Evian Masters an den Lac Léman lockt. In diesem Jahr sind unter den 111 Top-Ladies auch die Deutschen Sandra Gal und Caroline Masson am Start. Aber die Franzosen konnten noch einen draufsetzen. „Ab 2013 gehört das Evian Masters in die Kategorie der Major-Turniere“, schwärmt Karine Zégrir vom Evian- Resort. Eine fantastische Aufwertung für die herrliche Anlage, die von Beeindruckendem umgeben ist. Das Alpen-Panorama mit dem Mont Blanc-Massiv und den Dents du Midi im Rücken und mit dem Blick über den See geht die Runde am 18. Loch, einem Par 5 über 427 Meter, zu Ende. Da hat schon mancher seinen Ball im großen Blumenbeet linker Hand vor dem Grün verloren.

Der 9-Loch-Platz ergänzt den gut 6000 Meter langen Parcours. Ein Trainingscenter mit acht Übungsmodulen und einem 4-Loch-Kurzplatz runden das einzigartige Konzept ab. Das Trainingsangebot lässt keinerlei Wünsche offen. Dies gilt auch für das Hotel Royal und das Hotel Ermitage. Die beiden Luxus-Herbergen verfügen zusammen über 230 Zimmer, sieben excellente Restaurants, mehrere Swimming-Pools und einen Fahrservice, der einen samt Golfbag zum Club oder Trainingscenter chauffiert und wieder abholt. Das ist Golfen wie Gott in Frankreich.