Gesundheit Zuerst zum Hausarzt zu gehen, kann das Leben verlängern

Patienten profitieren, wenn sie ihren Hausärzten im Dickicht des Gesundheitssystems vertrauen. Das sagen Studien sowie (von links): Rainer Matysik, Michaela Lierheimer, Eveline Großmann und Elisabeth Koerber-Kröll.
Patienten profitieren, wenn sie ihren Hausärzten im Dickicht des Gesundheitssystems vertrauen. Das sagen Studien sowie (von links): Rainer Matysik, Michaela Lierheimer, Eveline Großmann und Elisabeth Koerber-Kröll. © Foto: Bildquelle<. Elisabeth Schweikert
Landkreis Schwäbisch Hall / Von Elisabeth Schweikert 13.10.2018

Wer neben seinem Hausarzt noch Dr. Google sowie verschiedene Mediziner und Fachärzte zusätzlich konsultiert, um eine sichere Diagnose sowie die beste Therapie zu erhalten, lebt gefährlich. Jedenfalls gefährlicher als derjenige, der einen Hausarzt hat, dem er vertraut, und der am Hausarztprogramm teilnimmt. Das belegen Studien, die über die vergangenen zehn Jahre von den Hochschulen Heidelberg und Frankfurt erstellt worden sind.

Am Dienstag dieser Woche wurden die Studienergebnisse in Berlin vorgestellt, am Donnerstag in der Hausarztpraxis Großmann in Schwäbisch Hall. Im dortigen Fortbildungsraum erläuterte Michaela Lierheimer (Geschäftsführerin der AOK Heilbronn-Franken) die Expertise. Die Mediziner Eveline Großmann, Elisabeth Koerber-Kröll sowie Rainer Matysik berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Modell.

Bessere Versorgung

Das Fazit der Studie lautet: Die Patienten, die am Hausarztmodell teilnehmen, sind besser medizinisch versorgt. Ihnen werden seltener zu viele oder falsche Medikamente verschrieben, es werden weniger unnötige Untersuchungen oder Operationen vorgenommen. Viele Patienten werden schneller wieder gesund. „Die Teilnehmer haben bessere Chancen auf ein längeres, gesundes Leben“, sagte Joachim Szuecsenyi, der ärztliche Direktor am Uniklinikum Heidelberg am Dienstag bei der Vorstellung.  In einem Untersuchungszeitraum von fünf Jahren (2012 bis 2016) gab es unter den Teilnehmern des Hausarztmodells 1700 Todesfälle weniger als bei gleich alten Versicherten der Regelversorgung mit anfangs vergleichbarem Gesundheitszustand.

Amputationen vermieden

Weitere belegte Vorteile: Bei 120 000 Diabetikern  wurden in sechs Jahren 4000 schwere Komplikationen vermieden, wie etwa Nierenversagen, Fußamputationen oder Erblinden.  Bei 89 000 Patienten wurde in 5400 Fällen durch den Hausarzt erkannt, dass Medikamente, die von weiteren Ärzten verschrieben worden waren, nicht abgestimmt gewesen waren. In dieser Kombination waren sie gesundheitsschädlich.

Zu Dr. Rainer Matysik, der in Bühlertann eine Hausarztpraxis betreibt, kommen vielfach zwei, drei Generationen einer Familie. „Ich kenne nicht nur den Patienten und die Krankengeschichten der Familie, ich kenne auch sein Wohnzimmer und sein Umfeld. Da erklärt sich manchmal ein Krankheitsbild von allein. Und es erleichtert das Gespräch mit dem Patienten. Wenn man sich nah ist, kann man mehr ansprechen.“ Ebenso bewertet es Eveline Großmann: „Die verlässliche Beziehung zwischen Arzt und Patienten ist die Basis für den Behandlungserfolg.“

Elisabeth Koerber-Kröll, Vorsitzende der Kreisärzteschaft Schwäbisch Hall, lenkt den Blick auf  den Ärztemangel: „Die hausarztzentrierte Versorgung ist das Modell der Zukunft. Damit können wir mit weniger Ärzten mehr Patienten versorgen.“  Ihr Wunsch: Dieses Modell soll Blaupause für die Bundesrepublik werden.

Die hausarztzentrierte Versorgung wurde 2008 von der AOK Baden-Württemberg mit dem Hausärzteverband  vereinbart. Dabei verpflichtet sich der teilnehmende Patient, mindestens zwölf Monate zu einem von ihm gewählten Hausarzt zu gehen. Dieser dient als Lotse. Er ist erster Ansprechpartner bei allen Malaisen, nur er überweist an Fachärzte (mit Ausnahme von Gynäkologen, Augenärzten oder bei medizinischen Notfällen). Gleichwohl könne  – nach Abstimmung mit dem Hausarzt – auch eine Zweitmeinung eingeholt werden.

Im Gegenzug können die Patienten, die im Vertrag eingeschrieben sind, mit kürzeren Wartezeiten rechnen – und schnelleren Terminen bei Fachärzten. Bei vielen Arzneimitteln fällt die Zuzahlungspflicht weg und bei Kindern und Jugendlichen übernimmt die Kasse die Kosten für nicht rezept- aber apothekenpflichtige Medikamente wie beispielsweise Hustensaft.

Rainer Jürgen Matysik unterstreicht:  „Es ist für mich ein unerhörter Vorteil, dass ich von allen Fachärzten die Berichte bekomme. Dann kann ich umfassend beraten, wenn es beispielsweise um die Erwerbsminderungsrente geht. Dann kann ich über die Briefe belegen, was über die Jahre hinweg gelaufen ist.“ Wichtig ist ihm auch, dass er Patienten, die am Modell teilnehmen, auf die jährlich mögliche Gesundheitsuntersuchung hinweisen kann und so frühzeitig auf Krankheiten aufmerksam wird.

Das Modell spart Geld

Auch Mediziner profitieren vom Modell: Sie bekommen eine höhere Vergütung, diese liegt etwa 25 bis 30 Prozent über dem Honorar der Regelversorgung. Die Ärzte bekämen damit Planungssicherheit, argumentiert Elisabeth Koerber-Kröll. Dies sei ein gewichtiges Argument, wenn es darum geht, einen Nachfolger zu finden. Nicht zuletzt hat auch die Kasse davon einen Gewinn. Zwar hat sie Mehrausgaben für den Aufbau der anderen Strukturen und die höheren Honorare. Aber unterm Strich hat die AOK Baden-Württemberg im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro gespart – so viel mehr hat sie für Patienten in der Regelversorgung mehr ausgegeben.

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