Tipps vom Tierarzt Wie Haustiere die Hitzewelle gut überstehen

Mit den richtigen Tipps bleiben Vierbeiner auch bei Hitze cool.
Mit den richtigen Tipps bleiben Vierbeiner auch bei Hitze cool. © Foto: Amrei Groß
Ulm / Amrei Groß 31.07.2018
Hohe Temperaturen können auch für Vierbeiner zur Gefahr werden. Tierarzt Ralph Rückert gibt Tipps für Besitzer von Hunden, Katzen und Kaninchen.

Mit Temperaturen von bis zu 38 Grad könnte der Freitag der bislang heißeste Tag des Jahres werden. Die hohen Temperaturen machen nicht nur uns Menschen zu schaffen: Für unsere Haustiere können sie lebensgefährlich werden. Der Ulmer Tierarzt Ralph Rückert gibt Tipps für Besitzer von Hunden, Katzen und Kaninchen.

Katzen

„Um Katzen muss man sich normalerweise keine Sorgen machen“, sagt der Ulmer Tierarzt und bekannte Blogger Ralph Rückert. Die kleinen Stubentiger wüssten in aller Regel selbst am besten, wie sie sich bei hohen Temperaturen richtig verhalten.

Katzen kommen in der Regel gut mit sommerlicher Hitze klar.
Katzen kommen in der Regel gut mit sommerlicher Hitze klar. © Foto: Martin Gerten/dpa

Vorsichtig ist allerdings bei sehr alten Tieren geboten: Sie seien mitunter nicht mehr in der Lage, Situationen richtig einzuschätzen und blieben in der Sonne liegen, obwohl sie längst überhitzten.

Auch Kühe leiden unter der Hitze. Wie Landwirte für Abkühlung sorgen:

Hunde

Als Begleiter des Menschen sind Hunde hohen Temperaturen oft stark ausgesetzt. Bei körperlicher Aktivität droht in den kommenden Tagen schnell ein Hitzschlag. „Vor allem junge Hunde finden beim Spielen oft nicht das richtige Maß“, warnt Rückert. Hier sei der Besitzer gefragt, regulierend einzugreifen.

Vor allem junge Hunde gehen im Spiel oft über ihre Grenzen.
Vor allem junge Hunde gehen im Spiel oft über ihre Grenzen. © Foto: Amrei Groß

Besonders kritisch ist die Situation für alle „Plattnasen“. Hunde mit extrem verkürztem Fang sollten bei diesen Temperaturen tagsüber am besten gar nicht lange nach draußen: „Selbst ruhige Spaziergänge in der Mittagshitze können bei solchen Tieren dazu führen, dass es sie einfach umhaut“, sagt Rückert.

Das sind Symptome eines Hitzschlags

Extremes Hecheln, ein stark beschleunigter Puls, hochrote Schleimhäute und Taumeln sind Symptome eines Hitzschlags. Für den Hundebesitzer bedeutet das: Jetzt muss schnell gehandelt werden. „Ein Hitzschlag ist immer ein medizinischer Notfall“, betont Rückert. Über 50 Prozent der betroffenen Tiere überleben ihn trotz tierärztlicher Versorgung nicht.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollte der Hund noch vor der Fahrt zum Tierarzt mit kaltem, aber nicht eiskaltem fließenden Wasser bis auf die Haut durchnässt werden. Offene Autofenster oder eine aufgedrehte Klimaanlage auf der Fahrt in die Praxis sorgen in Kombination mit dem nassen Fell für besonders effektive Kühlung. Achtung: Den Hund auf keinen Fall in nasse Tücher wickeln!

Vorsicht vor heißem Asphalt

Grundsätzlich ist beim Gassigehen im Hochsommer Vorsicht geboten: „Straßenbelag kann bei direkter Sonneneinstrahlung so heiß werden, dass es zu Verbrennungen an den Sohlenballen von Hunden kommt“, warnt der Tierarzt.

Als Faustregel hat er folgenden Tipp: „Drücken Sie Ihren Handrücken fest auf den Straßenbelag. Wenn Sie dabei nicht in aller Ruhe bis Zehn zählen können, ist der Boden für Ihren Hund zu heiß!“

Langes und zügiges Laufen – etwa am Rad oder beim Joggen – kann selbst bei niedrigen Belagstemperaturen problematisch werden: Sind die Ballen des Hundes schweißfeucht, bilden sich dabei rasch schmerzhafte Blasen an den Pfoten.

Im geschlossenen Auto droht Lebensgefahr

„Ein Auto, das bei von uns Menschen als angenehm und keineswegs heiß empfundenen 24 Grad in der Sonne abgestellt wird, kann für einen darin befindlichen Hund innerhalb einer Stunde zur Todesfalle werden“, warnt Rückert. Klettert die Temperatur im Innenraum auf über 35 Grad, kann der Hund durch Atmen und Hecheln nur mehr eingeschränkt für Kühlung sorgen.

Im verschlossenen Auto wird es für Hunde bei diesen Temperaturen schnell zu heiß. Der kleine Spalt am Fenster reicht nicht aus.
Im verschlossenen Auto wird es für Hunde bei diesen Temperaturen schnell zu heiß. Der kleine Spalt am Fenster reicht nicht aus. © Foto: Stephan Jansen/dpa

Muss ein Hund kurzzeitig im Auto zurückgelassen werden, rät die Polizei Ulm in einem Facebookpost zu folgendem Vorgehen:

  • Im Schatten parken – dabei daran denken, dass die Sonne wandert.
  • Für ausreichend Luftzirkulation sorgen – etwa durch eine (teilweise) geöffnete Heckklappe.
  • Frisches Wasser bereit stellen
  • Hund nur kurz zurücklassen! Erreichbarkeit des Hundehalters am Fahrzeug lesbar zurücklassen!

Profis greifen außerdem auf Schattennetze aus Aluminium zurück, die die Sonneneinstrahlung reflektieren.

Hier dürfen Hunde ins Wasser

Um seinen Vierbeinern eine Erfrischung im kühlen Nass zu gönnen, muss man meist etwas suchen, denn Hunde sind nur an wenigen Seen und Gewässern erlaubt. Eine Übersicht, wo es geeignete Plätze gibt, zeigt diese Karte von der Facebookgruppe „Dogs Ulm / Neu-Ulm (+50 km)“:

Kaninchen und Meerschweinchen

In freier Wildbahn leben Kaninchen in Bauten unter der Erde. In der Folge haben sie ein extrem schlechtes Temperaturausgleichsvermögen. „Bei über 25 Grad im Schatten wird es für Kaninchen draußen kritisch“, sagt Rückert. Ein eindeutiges Alarmzeichen sei speichelnasses Fell an Kinn und Brust der Tiere. „Das ist der letzte Schritt vor dem Hitzschlag.“ Als Erste-Hilfe-Maßnahme rät Rückert, die langen Ohren der Kaninchen nass zu machen.

Kaninchen überhitzen sehr schnell.
Kaninchen überhitzen sehr schnell. © Foto: dpa

Wer Kaninchen keine Möglichkeit bieten könne oder wolle, im Garten eigene Gänge zu graben, sollte die Tiere bei hohen Temperaturen tagsüber besser drinnen halten und in den frühen Morgen- und späten Abendstunden für Freilauf sorgen.

Meerschweinchen kommen mit Hitze etwas besser klar. Als dämmerungsaktive Tiere, die in freier Wildbahn tagsüber Schutz in selbst gegrabenen Gängen und natürlichen Höhlen suchen, bleiben aber auch sie in den kommenden Tagen tagsüber lieber drinnen.

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