Nicht drängen lassen Tipps zu Selbstzahler-Leistungen

Einige Untersuchungen beim Gynäkologen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nicht. Die individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen Patientinnen selbst zahlen. Foto: Monique Wüstenhagen
Einige Untersuchungen beim Gynäkologen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nicht. Die individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen Patientinnen selbst zahlen. Foto: Monique Wüstenhagen © Foto: Monique Wüstenhagen
Düsseldorf / DPA 03.05.2018

Patienten sollten sich nicht drängen lassen, wenn der Arzt eine Selbstzahler-Leistung empfiehlt. Die Verbraucher Initiative empfiehlt, den Arzt nach Vor- und Nachteilen einer Behandlung zu fragen, die die Kasse nicht zahlt: Gibt es Risiken? Gibt es Studien zur Wirksamkeit?

Außerdem sollte der Arzt erklären, ob es Alternativen gibt, die von der Kasse bezahlt werden. Im Anschluss kann sich der Patient ruhig Zeit nehmen, bevor er etwas zusagt. Entscheidet er sich für ein sogenanntes IGeL-Angebot , kann er zudem bei der Krankenkasse nachfragen, ob sie sich vielleicht doch an den Kosten beteiligt.

Wenn eine Leistung nicht von der Krankenkasse bezahlt wird, gebe es dafür zwar einen guten Grund, sagt Florian Lanz vom GKV-Spitzenverband in Berlin. Eine der wenigen Ausnahmen seien bestimmte Impfungen bei Fernreisen. Dennoch kann ein Anruf bei der Krankenkasse helfen. Möglicherweise stellt sich nämlich heraus, dass der Arzt bei medizinischer Notwendigkeit gar kein Geld vom Patienten kassieren darf.

Bei IGeL-Angeboten handelt es sich vor allem um Früherkennungsuntersuchungen, außerdem um kosmetische Leistungen, sportmedizinische Untersuchungen, bestimmte Impfungen oder Maßnahmen, deren Nutzen bisher nicht eindeutig belegt ist. Ein Arzt ist verpflichtet, die Patienten ausführlich zu informieren, auch über die Kosten.

Die Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf weist etwa darauf hin, dass Zahnärzte ihre Patienten schriftlich über die voraussichtlichen Kosten informieren müssen. Wird mit dem Patient keine schriftliche Vereinbarung getroffen, ist er berechtigt, die Zahlung zu verweigern.

Wer sich einen Kostenvoranschlag geben lässt, kann ihn als verbindlich ansehen. Der Zahnarzt darf nur in begründeten Fällen davon abweichen. Das kann der Fall sein, wenn im Verlauf der Behandlung unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten.

Kostenvorschläge für Material- und Laborkosten sind grundsätzlich verbindlich, sofern es sich um ein zur Zahnarztpraxis gehörendes Labor handelt. Handelt es sich um ein Fremdlabor, reicht es aus, wenn der Zahnarzt den Betrag lediglich schätzt und den Patienten auf diesen Umstand hinweist.

Verbraucherzentralen zu IGeL-Leistungen

Krankenkassen-Experten: Selbstzahler-Leistungen oft nutzlos

Beim Arzt häufig angebotene Selbstzahler-Leistungen sind aus Sicht von Medizinexperten der Krankenkassen oft nutzlos oder können Patienten sogar schaden. Früherkennungen per Ultraschall, Messungen des Augeninnendrucks und andere individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) widersprächen teils den Empfehlungen von Fachverbänden, teilte der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen mit.

Geschäftsführer Peter Pick sagte, die Angebote orientierten sich nicht am nachgewiesenen Nutzen, sondern an Vorlieben von Arztgruppen und Umsatzinteressen der Praxen. „Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar.“ Igel-Leistungen werden von den Kassen nicht bezahlt.

Die von Ärzten am häufigsten verkauften Angebote waren laut einer Umfrage für den Medizinischen Dienst Messungen des Augeninnendrucks zur Früherkennung des Grünen Stars. Eine solche alleinige Messung ohne eine Augenspiegelung werde vom Berufsverband aber als „Kunstfehler“ eingestuft, erläuterte der Medizinische Dienst.

Frauen werde am häufigsten eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung angeboten, deren Effekt aber negativ zu bewerten sei. Zur Ermittlung der meistverkauften Igel-Leistungen wurden 2000 gesetzlich Versicherte von 20 bis 69 Jahren befragt.

Der Berufsverband der Frauenärzte kritisierte, die MDS-Bewertungen brächten moderne Leistungen in Misskredit und säten Misstrauen gegen Ärzte. So sei ein Ultraschall isoliert nur auf Eierstockkrebs nicht sinnvoll. Es könnten aber etwa Zysten, Flüssigkeitsansammlungen oder Wucherungen im Bereich von Gebärmutter, Harnblase und Eierstöcken erkannt werden.

Eher kritisch stuften die Medizinexperten der Kassen auch Angebote für Magnetresonanztomographien (MRT) zur Brustkrebs-Früherkennung ein. Für einen Nutzen gebe es keine Hinweise, durch Kontrastmittel aber mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit. In einer weiteren neuen Bewertung wird Osteopathie-Behandlungen bei Kreuzschmerzen ein unklarer Nutzen bescheinigt, Hinweise auf Schäden gab es nicht.

Laut der Versicherten-Umfrage geht die Initiative für Igel-Angebote überwiegend vom Arzt aus, nur selten gab es einen ausdrücklichen Patientenwunsch. Der Medizinische Dienst der Kassen machte deutlich, es gebe ein „großes Potenzial“, Igel-Angebote vom Markt zu nehmen.

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