Hitzewelle Expertentipps für die heißen Tage

Es wird heiß!
Es wird heiß! © Foto: Thaut Images - Fotolia.com
Ulm / Amrei Groß 02.08.2018
Gibt es Hitzefrei am Arbeitsplatz? Was müssen Eltern, was Senioren, was Sportler, was Tierhalter bei hohen Außentemperaturen beachten? Wir haben Tipps von Experten.

Es wird wärmer in Deutschland. Daran lassen Zahlen des deutschen Wetterdiensts keine Zweifel.

Was müssen Eltern, Senioren und Sportler bei hohen Außentemperaturen beachten – und welche Rechte haben Arbeitnehmer?

Damit Sie gut durch den Sommer kommen, haben wir mit Experten gesprochen.

„Trinken, trinken, trinken.“ Das ist für Oberarzt Dominik Scharnbeck von der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Ulm in diesen Tagen das A und O. Hitze kann tatsächlich töten, bestätigt der Kardiologe die plakativen Worte der Malteser. Vor allem Babys, Kleinkinder, Senioren und chronisch Kranke seien gefährdet. Das belegten Zahlen unter anderem aus Frankreich, wo im Jahr 2003 tausende Menschen während einer Hitzewelle starben. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE erklärt Scharnbeck, wie Jung und Alt gut durch den Sommer kommen, welche Warnzeichen eine Hitzebelastung zeigen und wann ärztliche Hilfe notwendig wird.

Tipps für Eltern

Babys und Kleinkinder gehören ebenso wie Senioren zu den Personengruppen, die besonders anfällig für eine Überhitzung sind. Beim Aufenthalt im Freien sollten Kinder daher stets eine Kopfbedeckung in heller Farbe tragen, die idealerweise zusätzlich über einen Nackenschutz verfügt. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Scharnbeck rät zu kühlem, aber nicht eiskalten Mineralwasser und verdünntem Saftschorle.

Tipps für Senioren und ihre Angehörigen

Bei älteren Menschen funktioniert die Wärmeregulierung in vielen Fällen nicht mehr so gut wie in jungen Jahren. Zudem ist das Durstgefühl im Alter oft gestört. „Senioren sollten daher bewusst darauf achten, wie viel sie trinken“, sagt Scharnbeck. Auch sind Angehörige und Pflegende gefragt, für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Bei hochsommerlichen Temperaturen kann bis zu ein Liter mehr als sonst notwendig sein.

Bei Senioren sind auch Angehörige und Pflegende gefragt, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten.
Bei Senioren sind auch Angehörige und Pflegende gefragt, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten. © Foto: Daniel Karmann/dpa

Vor allem für Menschen, die harntreibende Medikamente nehmen, kann die Situation bei großer Hitze problematisch werden. Scharnbeck rät in diesen Fällen zu einer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt: „Unter Umständen können die Medikamente für einige Tage ausgesetzt werden.“

Warnzeichen: Trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten

Laien können eine drohende Dehydrierung anhand zweier Warnzeichen erkennen: „Bitten Sie den Betroffenen, die Zunge herauszustrecken“, sagt Scharnbeck. Ist sie feucht und glatt, ist alles im Rahmen. Ist sie dagegen trocken, sollte dringend mehr getrunken werden. Auch Hautfalten, die sich nach einem leichten Zwicken in Handoberfläche oder Arm nicht von selbst wieder legen, sind ein Hinweis auf eine Mangelversorgung mit Flüssigkeit.

Tipps für Sportler

„Wer bei diesen Temperaturen Sport treibt, muss an eine derartige Belastung gewohnt sein“, sagt Scharnbeck und stellt klar: „Der Durchschnittssportler ist das nicht.“ Wer trotz Hitzewelle nicht auf sein Training verzichten möchte, sollte die kühleren frühen Morgenstunden nutzen.

Auch Profis sind nicht vor Problemen gefeit

Grundsätzlich komme der entsprechend trainierter Körper durchaus mit Höchstleistung auch bei hohen Temperaturen zurecht. Leistungssportler trainierten aber anders als Hobbyathleten – und in der Regel unter ärztlicher Begleitung.

Dass auch Profis nicht vor Hitzeproblemen gefeit sind, zeigt der Fall von Karim Bellarabi: Am Dienstag kollabierte er nach seinem Einsatz beim Testspiel von Bayer Leverkusen gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV.

So äußert sich Hitzebelastung

Mediziner unterscheiden zwei Arten von Hitzebelastung: Die Hitzeerschöpfung und den Hitzschlag.

Hitzeerschöpfung

„Eine Hitzeerschöpfung tritt oft nach körperlicher Anstrengung bei hohen Temperaturen auf“, erklärt Scharnbeck. Sie äußert sich durch starkes Schwitzen, eine kühle, feuchte Haut, niedrigen Blutdruck und eine erhöhte Körpertemperatur um 39 Grad. „Vereinfacht gesagt ist der Motor warmgelaufen“, beschreibt der Experte, was im Körper geschieht. Betroffene fühlen sich schwach und müde.

Wird die Hitzeerschöpfung rechtzeitig erkannt, bringen Ruhe in einer kühlen Umgebung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr schnelle Besserung. Ist das nicht der Fall oder kommen Symptome wie Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen dazu, sollte der Rettungsdienst alarmiert werden. Scharnbeck: „Dann handelt es sich um einen medizinischen Notfall.“

Hitzschlag

Ein Hitzschlag entsteht durch eine übermäßige Sonnenbestrahlung des Kopfes, was zu einem Wärmestau und einer Reizung der Hirnhäute führt. Die Körpertemperatur erreicht 40 Grad Celsius und mehr. Betroffene klagen über Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Nackensteifigkeit, oft kommt es zu Krämpfen, Halluzinationen und Bewusstseinstrübungen. Auch hier gilt: Alarmieren Sie den Rettungsdienst!

Tipps für Arbeitnehmer

Gibt es ein Hitzefrei am Arbeitsplatz? Diese Frage dürfte so manchen Beschäftigten dieser Tage umtreiben. Die Antwort der Rechtsexperten des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) fällt so kurz wie ernüchternd aus: Nein. Es gibt grundsätzlich kein Hitzefrei für Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmer. Allerdings ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, „Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten, dass die Beschäftigten gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, als es die Natur der jeweiligen Dienstleistung gestattet“ (Paragraf 618 BGB).

Die Hürden sind hoch

Einfach nach Hause zu gehen, weil es im Büro zu warm ist, ist dennoch nicht möglich. „Es reicht nicht, dass die Hitze unangenehm ist, sie muss schon schädlich sein“, schreibt Till Bender, Gewerkschaftsjurist der IG Metall, in einem Beitrag zu Hitze am Arbeitsplatz.

Nach der Arbeitsstättenregel ASR 3.5 ist erst bei einer Raumtemperatur von 35 Grad anzunehmen, dass in diesem Raum nicht mehr gearbeitet werden kann. Das heißt aber nicht automatisch, dass der Arbeitnehmer nach Hause gehen kann, warnt der DGB – sondern nur, dass in bestimmten Räumen nicht gearbeitet werden darf.

Ab 30 Grad Raumtemperatur muss der Arbeitgeber handeln

Wenn die Außenlufttemperatur über 26 °C beträgt, sollten beim Überschreiten einer Lufttemperatur im Raum von 26 Grad zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Verpflichtet zu handeln ist der Arbeitgeber aber erst bei Raumtemperaturen über 30 Grad.

Er kann dann zum Beispiel Jalousien anbringen lassen, Klimaanlagen oder Ventilatoren aufstellen, kalte Getränke bereitstellen oder bestehende Kleidungsvorschriften lockern. Denkbar ist auch eine Anpassung der Arbeitszeit; etwa durch eine Verschiebung auf die frühen Morgenstunden.

Tipps für Tierbesitzer

Auch Katzen, Hunde und Kaninchen leider unter der Hitzewelle. Worauf Herrchen und Frauchen jetzt achten müssen, verrät Tierarzt Ralph Rückert:

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