Erreger Rheuma: Infizierte Kunstgelenke

Stuttgart / ih 14.10.2017

Kunstgelenke sind bei Rheumapatienten anfälliger für Infektionen als bei anderen Menschen, warnten Experten auf dem Jahreskongresses der Rheumatologen. Viele rheumatische Erkrankungen sind mit entzündeten und zerstörten Gelenken verbunden. Betroffene brauchen dann Kunstgelenke. „Nach etwa ein bis zwei Prozent aller Gelenkersatzoperationen kommt es entweder nach dem Eingriff oder auch erst nach Jahren zu einer Infektion, die eine erneute Operation erforderlich macht“, berichtete Dr. Ludwig Bause, Chefarzt der Klinik für Rheumaorthopädie am St. Josef-Stift in Sendenhorst.

Das Infektionsrisiko ist bei Rheumapatienten schon durch die Grunderkrankung erhöht. Vor allem aber die Medikamente, die die Gelenke vor Entzündungen schützen, können sie anfällig für den Angriff von Krankheitserregern machen. Immunsupressiva schwächen die Abwehrkräfte gegen Infektionen. Und die Bakterien können über die Blutbahn auf andere Gelenke übergreifen. Im schlimmsten Fall komme es zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung, warnte Bause.

Viel Erfahrung erforderlich

Die Unterscheidung zwischen Infekt, rheumatischer Entzündung oder Prothesenverschleiß erfordere viel Erfahrung, sagte Bause. Glücklicherweise habe sich die Infektdiagnostik bei Kunstgelenken aber verbessert. Bei einer frühen Diagnose der Infektion könne das Kunstgelenk oft erhalten werden. Bei einer späten Diagnose mit Dauerbesiedlung der Bakterien an der Prothesenoberfläche sei immer ein Austausch erforderlich, meist in zwei Operationen: „Im ersten Eingriff wird das infizierte Kunstgelenk entfernt und durch einen Platzhalter aus Knochenzement mit Antibiotikazumischung ersetzt. Erst wenn die Infektion überwunden ist, können die Patienten ein neues Kunstgelenk erhalten.“