Phytopharmaka Myrrhe – ein biblisches Heilmittel

Gut für den Darm: Myrrhe.
Gut für den Darm: Myrrhe. © Foto: © AmyLv/Shutterstock.com
Ulm / Iris Humpenöder 05.01.2018

Sie war ein königliches Geschenk: Neben Gold und Weihrauch brachten die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesuskind in der Weihnachtsgeschichte auch Myrrhe mit. „Die Pflanze war damals nicht nur Opfergabe für Götter und Könige und ein Zeichen der Heilung, sondern auch eine begehrte Arzneipflanze“, erklärt Dr. Johannes Mayer, Medizinhistoriker der Uni Würzburg. Eine unkomplizierte Durchfallerkrankung konnte in früheren Jahrhunderten das Todesurteil bedeuten. Myrrhe half, ihre Wirkstoffe stabilisieren die Schleimhäute des Darms.

Heute rettet das Naturheilmittel kein Leben mehr, kann aber die Lebensqualität erhöhen, insbesondere in Kombination mit antibakteriell wirkender Kamille und Kaffeekohle, die ungünstige Stoffe im Darm bindet. Diese Drei-Pflanzen-Kombination habe sich bei verschiedenen Darmerkrankungen wie Durchfall, Reizdarm oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa bewährt, was auch durch Studien belegt sei, sagt Dr. Rainer Stange von der Berliner Charité. Er leitete eine klinische Beobachtungsstudie mit mehr als 1000 Patienten.

Eine Forschergruppe der Uni Leipzig konnte bereits 2012 belegen, dass Myrrhe den Tonus der glatten Darmmuskulatur senkt, die Stärke der Darmkontraktionen verringert und dadurch Darmspasmen lindern kann.

An der Luft gehärtetes Harz

„Die Myrrhe wurde bereits im fünften Jahrhundert vor Christus von den Griechen zur Wundbehandlung, bei chronischem Husten, Asthma und Entzündungen der Mundhöhle eingesetzt. Arabische Ärzte legten dann um 1000 nach Christus den Schwerpunkt der Anwendungen auf den Magen-Darm-Bereich, was auch von europäischen Ärzten des Mittelalters übernommen wurde“, weiß Mayer.

Myrrhe besteht aus dem an der Luft gehärteten Gummiharz, das aus verschiedenen Myrrhenbaum-Arten gewonnen wird. Die bis zu drei Meter hohen, dornigen Sträucher wachsen vor allem in Somalia, Südarabien und Äthiopien. Wichtige Inhaltsstoffe sind das ätherische Öl, Harz sowie Bitter- und Gerbstoffe.