Mut zur Lücke oder den Zahn ersetzen?

16.01.2014
Die kindliche Zahnlücke
Warum haben Kinder und Jugendliche Zahnlücken? Da ist einmal die „Nuckelkaries“ – Folge des Teefläschchens als Schnullerersatz. Bei Jugendlichen sind dann Unfälle Schuld am Zahnverlust, vor allem der Frontzähne. Oder aber bleibende Zähne sind von der Natur gar nicht erst angelegt.

Genauso vielfältig wie die Ursachen für die „junge“ Zahnlücke sind die Therapien. „Ein durch einen Unfall verlorener Frontzahn im Milchgebiss ist nicht schlimm. Müssen aber mehrere Milchzähne wegen Karies gezogen werden, können sich Zähne verschieben, das Kind kann Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken und Abbeißen bekommen“, sagt Dr. Stefanie Feierabend von der Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Uniklinikum Freiburg. Deshalb werden oftmals herausnehmbare oder festsitzende, kieferorthopädische Lückenhalter eingesetzt.

Im jugendlichen Wechselgebiss stehen dann eher Nichtanlagen von Zähnen im Vordergrund – ebenso wie „ hypoplastische“ Zähne, also Zähne, die nicht voll ausgebildet sind. Geschlossen werden solche Lücken beispielsweise mit glasfaserverstärkten Adhäsivbrücken, die geklebt werden.

Problematisch ist ein Frontzahnverlust während der Wachstumsphase. Implantate kommen noch nicht infrage, das Belassen der Lücke aber kann zu erheblichen Knochenverlusten führen, die es später schwer machen, ein Implantat zu setzen.

Vollständig herausgeschlagene, bleibende Schneidezähne können in der Regel wieder eingepflanzt werden. Sie müssen allerdings mit einer Schiene für ein bis zwei Wochen fixiert bleiben. Wichtig: Der ausgefallene Zahn sollte schnell eingepflanzt und bis dahin unbedingt feucht gelagert werden, um die Zahnwurzelfasern zu erhalten. In der Apotheke gibt es dafür spezielle Zahnrettungsboxen.

Die erwachsene Zahnlücke
. . . kann mit einer Adhäsivbrücke, also einem Einzelzahnersatz, geschlossen werden. An den Nachbarzähnen wird eine dünne Schmelzschicht abgetragen, um die Brücke dort anzukleben. „Die Kosten sind eher gering“, sagt Dr. Wael Att von der Abteilung für zahnärztliche Prothetik an der Uniklinik Freiburg.

Die Standardbehandlung ist allerdings nach wie vor die Brücke aus vollkeramischem Material, wobei die Nachbarzähne angebohrt werden müssen.

Bei kariesfreien Nachbarzähnen und vor allem im Frontzahnbereich kann, wenn genügend Knochenmaterial vorhanden ist, ein Implantat gesetzt werden. Wael Att empfiehlt Implantate nicht vor dem 24. Lebensjahr bei Männern und dem 28. Lebensjahr bei Frauen. Att: „Das Gesicht kann sogar bis zum Alter von 45 Jahren weiterwachsen.“

Ist nicht genügend Knochenmaterial für ein Implantat vorhanden, kann der Knochen eventuell aufgebaut werden – meist mit körpereigenen Transplantaten aus dem Unterkiefer oder dem Beckenkamm. „In Zukunft wird das Gewinnen von Knochensubstanz aus Stammzellen eine immer größere Rolle spielen“, sagt Dr. Tabea Flügge von der Freiburger Klinik für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie.

 
Was die Kosten betrifft, sind Implantate die teuerste der drei aufgeführten Zahnlückenschluss-Lösungen.